Dommuseum Ottonianum

Ottostadt MagdeburgGastrezension von Odette

Ein literarisches Wochenende in Magdeburg

Rebecca Gablés „Das Haupt der Welt“ im Gepäck

 

Am 04. November 2018 eröffnete das Ottonianum im Magdeburger Dommuseum. Ein schöner Anlass, um ein Wochenende in der Ottostadt Magdeburg zu verbringen. Die erste Station war das Dommuseum Ottonianum Magdeburg, welches in den Räumen der ehemaligen Reichsbank untergebracht ist.

Dieses Gebäude, welches 1920-1923 errichtet wurde, galt als sicherstes Bankgebäude Europas. Die Schalterhalle in den Räumen des Museums kann man nach dem Umbau nicht mehr erkennen. So ist hier ein einzigartiges Tageslichtmuseum in der Nähe zum berühmten Kaiserdom entstanden und präsentiert drei bedeutende Themenkomplexe des europäischen Mittelalters: Kaiser Otto der Große und die Königin Editha; das Erzbistum Magdeburg und die archäologische Forschung in und am Dom. In der Ausstellung finden die Besucher spektakuläre Funde der Dom- und Domplatzgrabungen, wie den Bleisarg der Königin Editha, mittelmeerische Stoffe aus der Bestattung der Königin Editha und kostbare Beigaben aus den Gräbern der Erzbischöfe Wichmann von Seeburg und Otto von Hessen.

 

Dommuseum Ottonianum Magdeburg

Dommuseum Ottonianum Magdeburg

Links und rechts der Gänge erfährt man viel über die Epoche einer der bedeutendsten Herrscherdynastien in Europa: die Epoche der Ottonen. Ein Exponat, welches uns besonders beeindruckte war eine interaktive Schautafel über die Heiratspolitik der Ottonen. Diese begann mit der prestigereichen Eheschließung Ottos 929 mit der englischen Prinzessin Editha von Wessex. Diese erste Ehe von Otto half ihm durch das Beratungsgeschick seiner Frau, zu politischer Stärke und später auf dem Königsthron. Nach deren Tod folgte 951 die Heirat mit Adelheit von Burgund. Sie war für Otto der Schlüssel auf dem Weg zur kaiserlichen Macht. In dieser Art der Heiratspolitik verheiratet er später auch seine Söhne. Sein größter und damit auch politisch wichtigster Sieg, war der Sieg über das ungarische Heer 955 auf dem Lerchfeld. Ottos Vorbild waren die antiken und karolinischen Kaiser, insbesondere Karl der Große. Ausgangspunkt Ottos Entwicklung war die Gründung des Erzbistums Magdeburg und der Bau eines monumentalen Sakralbaus in dem Kaiser Otto der Große neben seiner ersten Ehefrau Editha begraben wurde.

Otto ist es zu verdanken, dass das mittelalterliche Sachsen zu einer europäischen Kernlandschaft aufstieg. Er trieb erfolgreich die Christianisierung der slawischen Stämme voran und gründete zahlreiche Klöster, wie zum Beispiel das Kloster Memleben. Memleben liegt in Sachsen-Anhalt an der Straße der Romantik. Im Kloster Memleben schauten sich 2018, 32.000 Besucher die Ausstellung „Wissen + Macht“ über die Ottonen an.

 

 

Rebecca Gablé „Das Haupt der Welt“ begleitete mich

Neben den wissenschaftlichen Fakten, welche die Ausstellung im Ottonianum vermittelt, las ich das Buch von Rebecca Gablé über Kaiser Otto. Ein sehr guter Ort zum Lesen und um hautnah an der Geschichte zu sein, ist das Museums Café „Café Editha“ im Ottonianum.

Das Buch spielt 929 in Brandenburg und beginnt mit der Gefangennahme des slawischen Fürstensohns Tugomir durch König Heinrich I. Dieser ist der Vater von Otto. Mit seiner Schwester Dragomina wird er nach Magdeburg verschleppt und als Geisel gehalten. Da er über Heilkünste verfügt, rettet er Heinrichs Sohn Otto das Leben und wird so zu Ottos Leibarzt und Lehrer seiner Söhne. Nicht im wahren Leben, aber in dem Buch, werden beide ein Leben lang befreundet bleiben. Im Buch wird die Lebenswelt der Männer beschrieben und vermittelt so einen Eindruck, wie die Christianisierung der slawischen Völker verlief. In der historischen Anmerkung erklärt die Autorin, welche Fakten der historischen Überlieferung zu zuordnen sind und welche der Geschichte dienen. Für so eine frühe Zeit, wie das 10. Jahrhundert, gibt es eine Vielzahl von Quellen über Otto. Einige von ihnen findet man parallel zum Buch im Ottonianum in Magdeburg. Da über Otto selbst und seine Taten viel dokumentiert wurde, galt es eine interessante Geschichte um ihn zu bauen. Ab der Gefangennahme von Dragomina und ihre Abschiebung in das Kloster Möllenbeck und der Geburt des ersten Sohnes von Otto, ist alles Fantasie. Ein Großteil der Geschichte spielt in Magdeburg, ein Teil auf der Burg Brandenburg an der Havel. Das Buch lässt den Leser viel über die slawischen Bräuche, die Glaubenswelt und die Tempelrituale erfahren.

 

Noch mehr Magdeburg

Wer nach soviel Otto etwas Abwechslung sucht, findet sie in der farbenfrohen Vielfalt der Stadt. Ob man an der Elbe entlangbummelt oder sich die prächtigen Bürgerhäuser und Gründerzeitbauten ansieht – die Hansestadt an der Elbe hat viel zu bieten. Ein moderner Höhepunkt der Stadt, ist die Grüne Zitadelle. Natürlich fragt man sich „Warum ist die rosafarbene Zitadelle grün?“. Na logisch, wenn man vom Himmel auf den Komplex schauen würde, würde man denken hier liegt ein wildromantischer Park. Die Zitadelle wurde am 03.10.2005 nach einer Konstruktion des Künstlers Friedensreich Hundertwasser erbaut. Es lohnt sich eine einstündige Führung durch das Objekt, bei der man die zahlreichen Innenhöfe passiert, Handwerkszeug an den Geländern findet, eine der 55 Wohnungen besichtigen kann und sich bei leckeren Schinken und Sekt im Innenhof bewirten lässt.

Abends geht es in das Gebiet um den Hasselbachplatz. Mit einem guten Abendessen in einem der zahlreichen individuellen Lokale und einem Besuch des Theaters beginnt der Abend, der in Clubs und Bars ausklingen kann. Als begeisterter Museumsbesucher sollte man nicht den Besuch des Kunstmuseums im Kloster Unser Lieben Frauen und die Skulpturensammlung in der Außenanlage des Museums verpassen.

Alles kann man nicht schaffen. Für ein Wiedersehen auf die Ausflugsliste geschrieben, ist der Besuch des Wasserstraßenkreuzes Magdeburg. Hier steht die längste Kanalbrücke der Welt. Sie besitzt eine Länge von 918 Metern. Sicherlich kann man sie mit dem geliehenen Fahrrad von Magdeburg aus besuchen. Bei der Fahrt dahin kommt man bestimmt an den neuen Wohn- und Arbeitsquartieren an der Elbe vorbei. Nun fragen sich viele, warum wurde nicht das 25. Bundesgartenschaugelände mit dem Jahrhundertturm besucht. Dieses Erlebnis hebe ich mir für den Magdeburg Marathon auf.

 

Hätten sie es gewusst?

Frank Sinatras bekanntester Song „New York, New York” müsste eigentlich Magdeburg, Magdeburg heißen – jedenfalls was den Broadway anbelangt. Denn das Original des Broadways befindet sich in Magdeburg und heißt „Breiter Weg“. Der Breite Weg war schon im 13.Jahrhundert Verkehrsader und Prachtstraße. Aber auch zu teuer, das fanden im Jahr 1607 Magdeburger Händler, die sich über Hamburg nach Nieuw Amsterdam aufmachten, um dort ihr Glück zu suchen. Ihr Heimweh veranlasste sie, ihre Läden in identischer Kulisse wie in der alten Heimat aufzubauen. Ihre neue Straße nannten sie „Breedweg“. Als Nieuw Amsterdam 1664 in britische Hände fiel, wurde daraus New York – und aus Breedeweg der Broadway!

Quelle: Tourismusbroschüre Magdeburg – Herausgeber Magdeburg Marketing Kongress und Tourismus GmbH

 

Flyer Dommuseum Ottonianum Magdeburg 1

Flyer Dommuseum Ottonianum

Flyer Dommuseum Ottonianum Magdeburg 2

Flyer Dommuseum Ottonianum

Modell Ottonischer Dom

Modell Ottonischer Dom

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Infos:   http://dommuseum-ottonianum.de/,   www.luebbe.de/bastei-luebbe/buecher/historische-romane/das-haupt-der-welt/id_2776853

Bildquellen:   Odette Nathke,  Tourismusbroschüre Magdeburg: veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Magdeburg Marketing Kongress und Tourismus GmbH (Herausgeber)

 

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