Vea Kaiser – Rückwärtswalzer

Vea Kaiser - Rückwärtswalzer (4)Gastrezension von Odette

Einblicke in das Familienuniversum der Familie Prischinger

 

Vea Kaiser

Rückwärtswalzer

KiWi, erschienen März 2019, 432 Seiten, HC 22,00 €

 

Mit österreichischem Wein, selbstgebackenen Plätzchen und herzhaften Salamisticks empfing uns die österreichische Autorin Vea Kaiser auf der Buchmesse 2019 in Leipzig. Spontan, lebendig und natürlich im Stehen gestaltete sie die Lesung aus ihrem neuen Buch Rückwärtswalzer.

Die Autorin Vea Kaiser wurde 1988 geboren und lebt in Wien. Hier studierte sie Altgriechisch, Latein und Germanistik. Ihren Debütroman „Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam“ veröffentlichte sie als 23-Jährige. Ihre beiden ersten Bücher wurden ¼ Million Mal verkauft. Sie sind, wie auch der neue Roman, mitreißende, witzige Familienepen. Mit dem Schreiben begann sie neben ihrem Studium. Das erworbene Wissen über die griechische und römische Mythologie fließt ohne Umwege in die Erzählungen ein.

Warum schreibt sie über Familien? Ganz klar ihre Antwort, weil jeder Mensch eine Beziehung zum Thema Familie besitzt. Der aktuelle Roman spielt im hinteren niederösterreichischen Waldviertel, einer mystischen, geheimnisvollen, Nebel verhangenen Gegend. Gegenwart und Episoden aus der Vergangenheit wechseln sich ab. Die Vergangenheit spielt zur Nachkriegszeit in Österreich. Zu dieser Zeit waren Teile des Landes von Russen besetzt.

In den 40iger Jahren wachsen hier die drei Schwestern Mirl, Wetti und Hedi und ihr Bruder Sepp auf. In der Gegenwart kämpft Lorenz, der Sohn von Sepp, sich aus seiner Lebenskrise. Doch dieser Kampf ist nichts gegen die zu erwartende Herausforderung, den toten Onkel Willi nach Montenegro zu überführen. Lorenz ist Mitte dreißig und ein erfolgloser Schauspieler, der in den Tag hineinlebt. Als er auch noch aus der letzten Rolle gestrichen wird, zieht er zu seinen Tanten Mirl, Wetti und Hedi. Diese bekochen ihn mit den besten österreichischen Leckereien. Sie sind so verfressen, dass sie auch gern mal beim Warten an der Großmarktschlange ihre mitgebrachten Semmeln aus der Tupperware auspacken. Lorenz döst mit Willi gern auf der Couch der Tanten vorm Fernseher, bis Willi plötzlich stirbt. Da das Geld fehlt muss der Mane Willi nicht per Bestattungsunternehmen, sondern illegal in die Heimat überführt werden. Manen sind übrigens verstorbene Geister, deren letzter Wunsch, ohne zu überlegen umgesetzt werden muss. Bevor sich die Vier mit dem Geist auf den 1.029 Kilometer langen Road Trip im Fiat Panda machen, wird die Lebensgeschichte der Schwestern abwechselnd zwischen dem Wiener Gegenwartsleben und der Waldviertelvergangenheit erzählt.

Mirl ist die Älteste der drei Schwester. Bereits als Kind war es ihr Ziel, reich zu heiraten. Das setzt sie auch in die Tat um und zieht schnell nach Wien, wo sie zu Frau Oberrevisor wird. Wetti interessiert sich schon seit ihrer Kindheit für die Natur und ist eigentlich auf dem Land am besten aufgehoben. Sie zieht in die Stadt, um ihre Schwester Mirl bei ihrem ersten Kind zu helfen. Während langer Spaziergänge mit dem schlafenden Baby im Kinderwagen durch die Stadt, lernt sie Wien und Kinder lieben. Ohne Mann schlägt sie sich als allleinerziehende Mutter eines dunkelhäutigen Kindes souverän und politisch interessiert durch das Wiener Leben. Hedi, die Jüngste und Zwillingskind, kann den frühen Verlust ihres Zwillingsbruders Nenerl, wie die anderen Schwestern nur schwer ertragen. Nenerl fühlte sich bereits als Kind für seine Geschwister verantwortlich und wollte gemeinsam mit der Familie einen Zirkus aufbauen. Dafür trainierte er mit einem russischen Bären. Was mit Nenerl passiert ist bleibt bis zum Ende des Buches ein Geheimnis, als Leser ahnt man, dass der Bär eine Rolle spielen könnte. Da Hedi am meisten unter dem Verlust leidet, beschloss sie ins Kloster zu gehen. Dort arbeitete sie als Krankenpflegerin und lernte den schwerverletzten Willi kennen. Willi hat der Tochter seines väterlichen Freundes versprochen, im Grab neben ihr zu liegen. Natürlich wartet hier das zweite Geheimnis des Romans.

Das Buch Rückwärtswalzer überzeugt durch die starken und lebendigen Figuren. Beim Lesen spürt man den österreichischen Sprachwitz, die Herzenswärme der großartigen Erzählerin Vea Kaiser mit ihrem mitreißenden Temperament. Der charmante Familienroman ist schnell zu lesen. Wiener und Wienfreunde spüren das Lokalkolorit, hier schreibt jemand, der Wien kennt. Mit Wien und den Bären wird auch John Irving, dem die Autorin als Schriftsteller verehrt, ein Denkmal gesetzt. Für mich war das Buch ein wahres Lesevergnügen, das ich gern weiterempfehle.

 

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© Ingo Pertramer

Vea Kaiser wurde 1988 geboren und lebt in Wien, wo sie Altgriechisch, Latein und Germanistik studierte. Mit 23 Jahren veröffentlichte sie ihren Debütroman »Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam«, der ebenso wie ihr Zweitling »Makarionissi oder Die Insel der Seligen« zum Bestseller avancierte und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. »Rückwärtswalzer« ist ihr dritter Roman.

Quelle:  KiWi

 

 

Weitere Infos:   https://www.kiwi-verlag.de/autor/vea-kaiser/1534/,    https://www.kiwi-verlag.de/buch/rueckwaertswalzer/978-3-462-05142-1/

Bildquelle:   Odette Nathke,   https://www.kiwi-verlag.de/ifiles/autor/large/autor_1534.jpg

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