Takis Würger – Stella

Stella (29).jpgZwischen Angst und Hoffnung

 

Takis Würger

Stella

Hanser Verlag, erscheint 11. Januar 2019, 224 Seiten, HC 22,00 €

 

Rätselhaft…

Bevor ich dieses Buch in den Händen hielt erreichte mich mysteriöse Post, die einige Fragen aufwarf. Zuerst ein rätselhafter Brief mit einem Passfoto und einer Karte mit der eindringlichen Frage „Hätten Sie zu Stella gehalten?“. Tage später dann das dazugehörige Paket mit des Rätsels Lösung. Nachdem ich das ungewöhnliche Packpapier entfernte, kam der neue Roman von Takis Würger zum Vorschein. Ob ich zu Stella gehalten hätte, würde sich nun zeigen. Mein Interesse war jedenfalls geweckt. Chapeau an den Hanser Verlag für diese ungewöhnliche Marketingkampagne.

 

Stella (30)Takis Würger führt uns nach Berlin im Jahr 1942. Der Zweite Weltkrieg prägt das Leben in der Stadt, die von täglichen Bombenangriffen erschüttert wird. Nahrung und Arbeit sind knapp. Die politische Propaganda und die Verfolgung der Juden, erreicht ihren Höhepunkt. In diesen Wirren kommt ein junger Mann aus gut behütetem Haus vom Genfer See nach Berlin. Friedrich logiert im edlen Grand Hotel direkt am Brandenburger Tor. Sein Schweizer Pass und ausreichend Geld, geben ihm die Sicherheit problemlos Berlin zu erkunden. Statt seinen Vater, einem wohlhabenden Textilkaufmann auf seine Reisen in den Nahen Osten zu begleiten, verschlägt es ihn nach Berlin. Hier sucht er das Deutsche Reich, nach dem sich seine linientreue Mutter so sehr sehnt. Von Kind an mit der Malerei seiner Mutter vertraut und ihren exzentrischen Versuchen ihn ebenso dafür zu begeistern geprägt, besucht er eine Kunstschule. Dort trifft er die schöne Kristin, die sich als Aktmodell und Sängerin ihren Lebensunterhalt verdient. Der schüchterne Friedrich ist sofort fasziniert und folgt ihr in die Berliner Nächte. Er begegnet einem völlig neuen Leben mit Alkohol in geheimen Jazzclubs und findet Gefallen an der verbotenen Musik. Sie werden ein Liebespaar. Kristin genießt den nie gekannten Luxus, liest seine Bücher und gibt Friedrich seinen ersten Kuss. So lässt sie ihn den Krieg um sich herum vergessen, doch plötzlich verschwindet sie.

Nach einigen Tagen steht Kristin verletzt vor seiner Hoteltür und gesteht Friedrich, dass sie ihn belogen hat. Sie heißt mit richtigem Namen Stella und ist Jüdin. Allein dieser Fakt führte sie in eine Spirale von Angst und Hoffnung. Enttarnt durch die Gestapo wird sie vor die Wahl gestellt, etwas denkbar Unmenschliches zu tun. Wird Stella untergetauchte Juden verraten, um ihre Familie zu retten? Und wird Friedrich in dieser Situation zu Stella halten?

 

Takis Würger wagt ein literarisches Experiment. Er erzählt die Liebesgeschichte von Stella und Friedrich mit enormer Spannung und Intensität. Die Emotionen spielen verrückt. Man ist zwischen Kopf und Herz hin- und hergerissen, nur schwer in der Lage sich zu positionieren. Um hier nicht die Spannung für dieses literarische Erlebnis zu nehmen, gehe ich nicht weiter auf Details ein. Nur so viel sei verraten, Takis Würger ist mit Stella ein spannungsgeladenes Buch gelungen. Seine Geschichte ist in dieser Art noch nicht erzählt worden. Angereichert mit zeitgeschichtlichen Tatsachen und Aktennotizen, die die die Wahrheit des Erzählten untermauern sollen, bildet es ein besonderes Ensemble. Ein Leseerlebnis und zur Diskussion anregendes Buch, das Daniel Kehlmann mit dem folgenden Zitat treffend beschreibt:

Das Unerzählbare erzählen. Man beginnt dieses Buch mit Skepsis, man liest es mit Spannung und Erschrecken, man beendet es mit Bewunderung.

Daniel Kehlmann

 

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© 2018 Sven Döring / Agentur Focus

Takis Würger, geboren 1985, hat an der Henri-Nannen-Journalistenschule das Schreiben gelernt und Ideengeschichte in Cambridge studiert. Er arbeitet als Redakteur für das Nachrichtenmagazin Der Spiegel. 2017 erschien sein Debütroman Der Club, der mit dem Debütpreis der lit.Cologne ausgezeichnet wurde und für den aspekte-Literaturpreis nominiert war. Takis Würger lebt in Berlin.

Quelle:    Hanser Verlag

 

Weitere Infos:   www.hanser-literaturverlage.de/buch/stella/978-3-446-25993-5/,   www.hanser-literaturverlage.de/autor/takis-wuerger/

Bildquellen:   Jacqueline Böttger,   https://www.hanser-literaturverlage.de/files/autorenfotos/Wu%CC%88rger%20Takis_hf_i1.jpg

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