T.C. Boyle – Hart auf Hart

http://files.hanser.de/hanser/pics/978-3-446-24737-6_214112511283-55.jpgT.C. Boyle

 

Hart auf Hart

Hanser Literaturverlage, erschienen 02.02.2015, HC 22,90 EUR

 

Nach seinem historischen Ausflug in die Vergangenheit mit dem Siedlerinnen-Epos „San Miguel“ kommt T.C. Boyle im wahrsten Sinne gewaltig in die Gegenwart zurück. In seinem neuen Roman „Hart auf Hart“, welcher bereits vor der amerikanischen Ausgabe auf deutsch veröffentlicht wurde, nimmt die amerikanische Wirklichkeit hinter wunderschönen Landschaften und dem amerikanischen Traum, in einer spannenden Familientragödie seinen Lauf. 

T.C. Boyle liebt die Außenseiter der amerikanischen Gesellschaft. Er beherrscht die Kunst, uns diese tragischen Charaktere näherzubringen, sie zu verstehen und manchmal auch zu lieben. Bis zur nächsten unerwarteten Handlung, die alles wieder wie ein Kartenhaus zusammen fallen lässt. Als Meister seines Fachs versteht er es, mit spannenden Katastrophen den amerikanischen Traum von Freiheit und Abenteuer scheitern, aber auch jederzeit wieder auferstehen zu lassen.

 

Im Mittelpunkt von „Hart auf Hart“ steht die Familie Stensen, das pensionierte Ehepaar Carolee und Sten mit ihrem schizophrenen Sohn Adam sowie dessen Liebschaft zu Sara. Alle Charaktere sind fest von ihren klaren Vorstellungen, einem absoluten Freiheitsanspruch bis hin zu Feindbildern wie der Globalisierung, Verschwörern und der Staatsgewalt geprägt. Es kommt wie es kommen muss, hart auf hart und jeder gegen jeden!

Zu Beginn des Romans lernen wir die Eltern Carolee und Sten kennen, welche sich nach Stens Pensionierung eine Kreuzfahrt nach Costa Rica gönnen. Der cholerische Patriot Sten stand immer seinen Mann. Ob als Marine in Vietnam, als Rektor einer Schule oder als Mitglied der Bürgerwehr „Rettet den Wald“ gegen illegale Einwanderer in Kalifornien. Aber als Vater hat er versagt und dies kann er sich nicht verzeihen. Bei einem Landausflug zu einer Naturwanderung explodiert seine aufgestaute Wut. Seine Seniorengruppe wird im Urwald ausgeraubt, bei Sten legt sich sofort der Schalter zum Marine um und er tötet einen der Räuber mit bloßen Händen. Zu hause angekommen wird er in den Medien gefeiert wie ein Held, was selbst Sten nicht behagt. Seine Frau Carolee, eine agile Mittsechzigerin, vertreibt sich ihre Zeit mit der Pflege vom Aussterben bedrohter Tiere bei den Burnsides.

Das Leben könnte so schön sein, wäre da nicht die Angst vor den illegalen mexikanischen Einwanderern, welche im Wald Marihuana-Felder anbauen und gegen die Sten mit seiner Bürgerwehr patrouilliert, und sein 25-jähriger Sohn Adam.

Adam ist ein Versager, ein Ergebnis Stens und Carolees misslungener Erziehung, und letztlich haben sie ihn aufgegeben. Nach etlichen Therapiesitzungen und Schulverweisen, auch an Stens Schule, hat er sich in die Redwoods Kaliforniens, zurückgezogen. Hier führt er, wie vor zweihundert Jahren sein großes Vorbild der Trapper John Colter, ein Leben als Waldläufer und Einsiedler. Er versteckt sich in den Wäldern und hortet Waffen gegen imaginäre Feinde, die er überall wittert.

Als Anhalter trifft Adam auf die 40-jährige gesprächige Hufschmiedin Sara, welche sich konsequent gegen die Willkür des Staates auflehnt. Bessessen von ihren radikalen Ansichten, begibt sie sich wegen der Missachtung der Gurtpflicht offensiv in eine Konfrontation mit der Polizei. Da kommt ihr die Begegnung mit dem fanatischen Adam gerade recht. Nun beginnt das Abenteuer in den kalifornischen Redwoods. Sara fühlt sich auf ungewöhnliche Weise zu dem besessenen, wortkargen und in sich gewandten Adam hingezogen. Später wird Sara sagen:

„Er war ein Psychopath, ein Mörder, eine Kanone, die so wenig gesichert war, dass sie einfach von Deck rollte. Aber das war das Problem: Sie hatte sich in ihn verliebt, daran war nichts zu ändern.“

Sie zieht zu ihm in das Haus seiner verstorbenen Großmutter, welches seine Eltern verkaufen wollen und beide in wenigen Wochen verlassen müssen. Adam flüchtet jede Nacht, nach ausgiebigen Sexspielen, in den Wald. Dort baut er sich seine Bunker, betreibt eine Schlafmohn-Plantage und hält sich wie sein Vorbild Colter fit für den Kampf gegen seine selbsternannten Feinde. Getrieben von seinem Wahn kommt es wie es kommen muss. In Verteidigung seines Gebietes tötet er zwei Menschen. Carey Bachmann, mit dem Sten regelmäßig auf Patrouillie durch den Wald ging und Art Tollersen, dem Käufer seines Hauses.

Die wochenlange Hetzjagd der Polizei beginnt. Der Roman kehrt sich nun von einer Familientragödie in einen atemberaubenden Thriller. Adams Ende kann nicht mehr aufgehalten werden!

 

In diesem Roman habe ich auch das Gefühl, vielen Helden und Geschichten aus Boyles mittlerweile 25 Romanen wieder zu begegnen.

Die einleitende Story über die Eltern Carolee und Sten (Kreuzfahrt, Überfall, illegale Einwanderer) führte mich in die Welt meines erst gelesenen Boyle-Romans „América“ zurück. Das Verhältnis von Sara und Adam, geprägt von starkem sexuellen Begehren, aber geistiger Differenziertheit erinnerte mich an „Der Samurai von Savannah“. Und die insgesamt sehr radikalen Ansichten aller Romanhelden im Hinblick auf Natur, Staat und Gesetz, welche auch mit Gewalt durchzusetzen sind, finde ich in „Wenn das Schlachten vorbei ist“ wieder.

Für mich ist „Hart auf Hart“ wieder ein echter T.C. Boyle, der das Zeug zum Bestseller hat. Einfach absolut lesenswert!

 

http://images01.kurier.at/boyle_-001_KURIER%2B_gruber%2Bfranz.jpg/286.824T.Coraghessan Boyle ist Autor von zahlreichen Romanen und Erzählungen. Der 1948 geborene Sohn irischer Einwanderer wuchs in prekären Verhältnissen auf: Seine Eltern waren beide Alkoholiker, während er sich als Herumtreiber und Schulversager einen schlechten Ruf einhandelte. Mit Ach und Krach schaffte er den High-School-Abschluß. Seine Liebe zum Schreiben entdeckte er während seines Geschichtsstudiums. Nach kurzer Lehrtätigkeit an seiner alten High School folgte Boyle dem Ruf der Literatur, nahm Auto und Freundin und zog nach Iowa, um dort seinen Ph. D. in Englischer Literatur zu machen. Während seiner Zeit am Writer Workshop wurde er unter anderem von John Irving gefördert.

Quelle:   www.tc-boyle.de

 

Weitere Infos:    www.hanser-literaturverlage.de,   www.tcboyle.de,   www.tc-boyle.de

Bildquellen:   http://files.hanser.de/hanser/pics/978-3-446-24737-6_214112511283-55.jpg,   http://images01.kurier.at/boyle_-001_KURIER%2B_gruber%2Bfranz.jpg/286.824

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