Stadtspaziergang mit Literarisches Köln

Literarisches KölnStadtspaziergang mit Literarisches Köln

 

Literarisches Köln

Verlag JENA 1800,  erschienen 2002, 78 Seiten & Stadtplan, TB 12,80 €

 

Seinen Anfang nahm die Idee mit dem Besuch der Leipziger Buchmesse. Hier trafen wir auf den Messestand des Verlages JENA 1800, welcher mit „Literarisch Reisen“ warb. Diese Aufforderung weckte sofort unsere Aufmerksamkeit. Im Rahmen unseres Literaturkreises Berlin versuchen wir gern, die gelesenen Bücher mit Ausflügen zu verbinden. Ganz nach dem Lesevergnügen-Motto „Mit allen Sinnen lesen, erleben & genießen“. So kamen wir mit Ute Fritsch, der Inhaberin von JENA 1800 ins Gespräch. Neben ihren literarischen Büchern rund um Hiddensee arbeitet sie auch mit dem Autor Ansgar Bach zusammen. Von ihm stammen einige Bücher der Reihe Literarisches Reisen, welche zu Stadtspaziergängen einladen, so auch durch ein Literarisches Köln.

 

 

Diese Erkundungen kann man anhand der Bücher nun auf eigene Faust vornehmen. Alternativ ist die Teilnahme an Reisen oder für Gruppen ausgewählte Stadtführungen möglich, welche auf der Website Literarisch Reisen angeboten werden. Die Bücher sind handlich und im Taschenformat überall verstaubar. Von der Anmutung erinnern sie mich an einen „Falk-Plan“, heute bei der Nutzung von Navigationssystemen oder Google Maps, ja schon fast Retro.

Der Unterschied ist allerdings, dass nicht der eingeklebte Stadtplan, sondern das Büchlein im Vordergrund steht. Darin befinden sich Persönlichkeiten wie Schriftsteller, Philosophen und Denker, die die jeweilige Stadt mit ihrem Leben und Wirken prägten. Orientierung bieten eine Nummerierung als auch ein alphabetisches Register am Seitenrand. Eine Kurzbiografie liefert die wichtigsten Eckdaten zur Person und ihren Werken, daneben ein Foto. Damalige als auch heute noch existierende Lebensstationen sind mit der Anschrift und Ziffern entsprechend hervorgehoben. Leider ist es schwierig, diese Ziffern auf dem beigefügten Stadtplan zu finden. Für die Vielzahl der Markierungen ist dieser zu klein und alles wirkt wie ein Wimmelbild. Zur Orientierung leistet dann doch wieder Google Maps seinen Dienst. Besonders für ortsunkundige Leser ist eine Zusammenstellung anhand des vorliegenden Stadtplanes kaum zu bewältigen. Hier würde ich mir einige Tourenvorschläge, die auch thematisch zusammenpassen, wünschen.

 

LBC Köln 2018Vor einigen Wochen habe ich das Projekt der literarischen Erkundung meiner Heimatstadt Berlin gestartet. Nun bewege ich mich mit Literarisches Berlin durch die Stadt und sehe sie mit anderen Augen. Da dieses Projekt noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, folgt der Blogbeitrag hierzu später. Da bot es sich an, für den Wochenendtrip zur LitBlog Convention nach Köln, das Buch Literarisches Köln „80 Autoren – Wohnorte, Wirken und Werke“ mit auf die Reise zu nehmen.

Das Grundgerüst der geplanten Route stellte ich zu Hause zusammen und bekam auch von Kölnern weitere Anregungen. Somit entdeckten wir auch Sehenswertes wie den DuMont-Brunnen direkt neben dem DuMont-Schauberg Verlagshaus in der Breiten Straße, der im Buch keine Erwähnung fand. Dieser 1986 entworfene Brunnen ist eine Hommage an die Zeitung. Ihn zieren neben der Büste von Marcus DuMont, ein Zeitungsleser und ein Zeitungsjunge, der die Nachrichten damals an den Leser brachte. Für mich als Printfan ein schönes Stück Geschichte.

 

 

Auf Kölner Spuren

Unsere Tour starteten wir klassischer Weise am Kölner Dom, in dessen unmittelbarer Nähe sich das Café Reichard befindet. Dieses existiert seit 1905 und war schon immer der Treffpunkt von Kölns Intellektuellen und Künstlern. Zu den Stammgästen zählten Heinrich Böll und Paul Celan. Auch heute ist es unter den Kölnern und Touristen sehr beliebt, da es sich durch seine gute Küche und den besonders schönen Blick auf den Kölner Dom auszeichnet.

Von dort aus ging es weiter zum Kölner Rathaus, welches zu den ältesten Rathäusern Deutschlands gehört. Der aufwendig gestaltete Rathausturm sticht besonders hervor. Dieser setzt bekannten Kölner Persönlichkeiten bereits in der dritten Generation ein Denkmal. Auf mehreren Ebenen sind z.B. die Skulpturen des Verlegers Karl Joseph Daniel DuMont, des Philosophen Karl Marx, der SchriftstellerInnen Mathilde Franziska Anneke, Irmgard Keun sowie Heinrich Böll zu sehen, die auch in Literarisches Köln ihre Erwähnung finden.

 

 

Gleich in der Nähe des Wallrafplatzes weisen die Statuen des Kunstsammlers Ferdinand Franz Wallraf und des Kaufmanns Johann Heinrich Richartz auf das erste Kunstmuseum Kölns, dem Wallraf-Richartz-Museum, hin. Besonders Wallraf hat das Kölner Kulturleben geprägt und somit wurde ihm auch der Wallrafplatz, dem heutigen Sitz des WDR, gewidmet. Im Funkhaus des WDR befindet sich das neue Café Campi, in dem sich damals wie heute die Literaten und Künstler der Stadt zum Kaffee treffen. An dieser Stelle empfiehlt sich ein Hinweis auf die stadtbekannte Geschichte über den „Spatz vom Wallrafplatz“, welchem bei Glücksorte in Köln eine Anekdote gewidmet wurde.

Ein besonderes Wahrzeichen von Köln ist der Heinzelmännchenbrunnen. Er befindet sich Am Hof gegenüber dem Brauhaus „Früh“ und wurde zum 100. Geburtstag von August Kopisch aufgestellt. Kopisch ist der Verfasser der berühmten Ballade „Die Heinzelmännchen zu Köln“. Interessanter Weise ist nicht bekannt, ob er die Stadt Köln jemals besucht hat. Auch der im Buch erwähnte Goswin Peter Gath, ein Sammler und Nacherzähler von Kölner Sagen und Legenden, wird mit dem Heinzelmännchenbrunnen in Verbindung gebracht.

 

 

 

MOK Museum für ostasiatische Kunst (5)Ein besonderer Ausflugstipp ist das Museum für ostasiatische Kunst (MOK), welches sich heute direkt am Aachener Weiher befindet. Am Hansaring, dem damaligen Standort des MOK, absolvierte Anna Seghers in den 20-er Jahren ein Praktikum.

Heute befindet sich an diesem Standort ein Neubau mit Blick auf den inzwischen neu erbauten Mediapark sowie der Cocktailbar „Mc Lennon“, deren Besuch sich lohnt.

 

 

Dieser Ausflug gibt nur einen Bruchteil der Ausflugsmöglichkeiten, die Literarisches Köln bietet, wieder und stellt somit nur eine von vielen Anregungen dar. Zu weiteren Persönlichkeiten, die hier keine Erwähnung gefunden haben, zählen u.a. Heinrich Heine, Johann Wolfgang von Goethe – der Wallraf in Köln besuchte, Heinz G. Konsalik sowie Marx & Engels – die in Köln, damals den fortschrittlichsten Teil Deutschlands sahen. Es gibt also noch viel zu erkunden und somit freue ich mich schon heute auf meinen nächsten Besuch in Köln.

Abschließend möchten ich euch noch auf den Beitrag zum Buch Glücksorte in Köln hinweisen, wo ich mit einer anderen Stadtführerversion unterwegs war. Auch hier habe ich das Café Reichard sowie das Museum für asiatische Kunst MOK besucht und diese aus heutiger Sicht betrachtet. Ein Klick dorthin lohnt sich! Ich wünsche euch viel Vergnügen beim Lesen und Entdecken!

 

Weitere Infos:   http://www.jena1800.de/,   http://www.literarisch-reisen.de/index2.htm

Bildquellen: Jacqueline Böttger

 

 

2 thoughts on “Stadtspaziergang mit Literarisches Köln

  1. Wow, das passt ja super. Und es gibt mit „Literarisches Köln“ noch viel zu entdecken.
    Viel Spaß dabei und ganz liebe Grüße
    Jacqueline

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