Philippe Djian – Marlène

Philippe Djian - Marlène.jpgGastrezension von Odette

Auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit

 

Philippe Djian

Marlène

Diogenes, erschienen September 2018, 288 Seiten, HC 22,00 €

 

Die heutige Rezension eröffne ich mit einem wunderbaren Zitat, dass als „Heilmittel“ in jeder Apotheke in großen Lettern stehen sollte.

Wenn es mir schlecht geht, gehe ich nicht in die Apotheke, sondern zu meinem Buchhändler.

Philippe Djian

Das neueste Buch des französischen Kultautors Philippe Djian und europäischen Vertreters der Beatgeneration heißt Marlène. Über Marlène, als Person, werden wir vom Autor nicht viel erfahren. Über sie berichten die anderen Personen des Buches. Marlène reist zu ihrer älteren Schwester Nath und bittet um Aufnahme, nachdem sie schwanger ist und von dem zukünftigen Vater des ungeborenen Kindes auf die Straße gesetzt wurde. Eine lange Zeit hat Nath ihre Schwester nicht gesehen. Doch sie ist sich sicher, mit ihrem Auftauchen ist Unheil vorprogrammiert. 

Nath ist mit Richard verheiratet. Dieser kämpfte mit seinem Schwager Dan in einer Spezialeinheit in Afghanistan, im Jemen und dem Irak. Der Krieg hat bei beiden Spuren hinterlassen. Dan will sein Kriegstrauma mit einem geregelten Leben als Single sowie einem routinemäßigen Job in den Griff bekommen. Richard ist eher im Drogenhandel aktiv und betreibt andere krumme Geschäfte. Deshalb sitzt er auch im Gefängnis, als Marlène zu Besuch kommt.

Richard und Nath haben eine 18-jährige pubertierende Tochter, die schon sehr lange in Dan verliebt ist. Während Richard noch im Gefängnis ist, erhält Dan den Auftrag, Marlène vom Bahnhof abzuholen und lernt sie so kennen. Marlène ist auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit und möchte eigentlich keinen Unfrieden stiften. Ihre Tollpatschigkeit ist eher Verunsicherung als Berechnung. Hier widerspricht sich der Klappentext mit dem Inhalt des Buches. Nach dem Marlène und Dan sich kennengelernt haben, verlieben sich beide ineinander und das Unglück nimmt seinen Lauf.

Die Themen des Buches sind, wie in den meisten Werken des Autors, zwischenmenschliche Beziehungen. Marlène ist, trotz des Titelnamens, nicht die Hauptfigur des Romans. Wie häufig bei Philippe Djian, steht der einsame enttäuschte Wolf, hier Dan, im Mittelpunkt. Neben diesem Hauptthema befasst sich das Buch mit dem Thema Kriegsveteranen. Nach den Erlebnissen sind die ehemaligen Soldaten Richard und Dan traumatisiert. Djian beschreibt ihre schwere Wiedereingliederung in die Gesellschaft.

Philippe Djian schrieb das Buch 2017. In Deutschland folgte die Veröffentlichung 2018 bei Diogenes. Das Buch ist in einem ruhigen, erzählerischen Stil geschrieben. Der Autor ist ein erfolgreicher französischer Schriftsteller und sehr bekannt in der französischen Literaturszene. Sein Durchbruch gelang ihm 1985 mit dem Buch „Betty Blue“. In Marlène ist die Liebe nicht so obsessiv wie zwischen Betty und Zorg. „Betty Blue“ ist vollkommener, romantischer und ein wunderbarer Film. Als angenehm empfand ich, dass der Autor im Alter auf die brutalen Sexszenen in dem Buch verzichtet. Wie in den früheren Werken spielt die menschliche Psyche eine große Rolle. Unglückliche Menschen finden sich, beschäftigen sich miteinander und am Ende stirbt immer eine Frau. Das Finale des Buches ist unerwartet und heftig. Viele Handlungen der Personen bleiben offen und damit gibt Philippe Djian dem Leser die Möglichkeit, die Handlung in seinem Sinne zu beenden.

 

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Foto: Jacques Sassier / © Gallimard

Philippe Djian, geboren 1949 in Paris, ist viel herumgekommen. Er lebte in New York, Florenz, Bordeaux und Lausanne und wohnt heute in Biarritz und Paris. Auf einer Autobahnmautstelle, bei einem seiner Gelegenheitsjobs, tippte Philippe Djian sein erstes Manuskript. Sein dritter Roman, ›Betty Blue‹, wurde zum Kultbuch. ›Oh …‹ erhielt 2012 den Prix Interallié und wurde mit Isabelle Huppert unter dem Titel ›Elle‹ verfilmt.

Quelle:   Diogenes

 

Weitere Infos:   www.diogenes.ch/leser/titel/philippe-djian/marlene-9783257070293.html,   www.diogenes.ch/leser/autoren/d/philippe-djian.html

Bildquellen:   Odette Nathke,   Diogenes-djian_philippe_700041514_beschnitten

 

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