Philipp Schwenke – Das Flimmern der Wahrheit über der Wüste

 

Gastrezension von Odette

Auf den Spuren von Karl May

Philipp Schwenke

   

Das Flimmern der Wahrheit über der Wüste

KiWi, erschienen September 2018, 608 Seiten, HC 23,00 €

     

Winterzeit ist Lesezeit. Für die dunkle und kalte Saison des Jahres möchte ich euch meinen Favoriten für lange Leseabende, das Buch Das Flimmern der Wahrheit über der Wüste, vorstellen. Inhaltlich und umfänglich hat das Buch mit 608 Seiten sehr großes Potenzial. Die erlesenen Fakten aus dem Buch lassen sich zusätzlich im Karl-May-Museum in Radebeul überprüfen. Dieses Museum feiert gerade sein 90igstes Jubiläum. Auch ein anschließender Besuch der Villa Shatterhand ist sehr zu empfehlen.

Jedes Jahr lesen Millionen von Menschen Karl Mays Werke. Doch wer war der Mann, der all diese Bücher geschrieben hat? Dieser Frage ist Philipp Schwenke nun nachgegangen. Er stammt aus der Münchener Journalistenschule und war Redakteur beim Magazin Neon. Das er schwere Themen nicht meidet, zeigt seine einzigartig lustige Reportage über eine „Nacktkreuzfahrt“ für das SZ-Magazin.

Auf der diesjährigen LitBlog-Convention stellte er uns im Gespräch mit seinem Lektor sein Buch vor. Schon vor dem Erscheinen hatten wir somit das Vergnügen mit Philipp Schwenke in die fantasievolle Welt des Karl May einzutauchen. Allein sein Stil, Auszüge des Buches vorzulesen, machte Spaß auf mehr. Der Grund weshalb er das Buch über den wohl berühmtesten Autor von Abenteuer- und Reiseromanen geschrieben hat, ist die Faszination undRespekt für einen Mann, der nie an den Orten seiner Handlungen war und sie doch so authentisch beschrieben hat. Das Buch von Philipp Schwenke möchte Fiktion und Geschehenes miteinander verbinden und nicht nur eine Biographie von Karl May sein. Die Zeit in der Karl May lebte, war von bürgerlicher Moral geprägt. Der Kaiser regierte und steifwar das Leben der Menschen, umso besser kamen seine Erzählungen über die Freiheit im wilden Westen an.

Der Erzählstrang des Buches streift kurz Karl Mays Jugend und seine Entwicklung zum Schriftsteller. Der Hauptinhalt beschäftigt sich mit dem Lebensabschnitt nach seinem 50igsten Lebensjahr. Karl May unternimmt 1899 endlich die einzige Abenteuerreise seines Lebens. Zu Zeiten, wo reisen eigentlich kein Abenteuer mehr war. Diese Reiseführt ihm von Genua nach Ägypten, in das heutige Israel und Eritrea. Weiter geht es per Schiff nach British Ceylon und Sumatra.

Philipp Schwenke schildert die Hilfslosigkeit des mutigen Old Shatterhand in der Ferne. Erfolglos versucht er mit den „edlen“ Nachfolgern seiner Sagenfigur Kara Ben Nemsi in Kontakt zu kommen. Dabei ist er nicht nur vor den Einheimischen, die ihn betrügen, auf der Flucht. Nein, er wird auch von Zeitungsredakteuren bedroht, welche nachweisen wollen, dass er gar nicht die beschriebenen Reisen nach Amerika zu den Indianern und in den Orient unternommen hat.

 

Ausflugstipp ins Karl-May-Museum

Der zweite Erzählstrang beschäftigt sich mit seinem auch recht abenteuerlichen Eheleben. Jahre nach der Orientreise stirbt sein Freund, der Leipziger Kaufmann Richard Plöhn. Wie er mit Richard befreundet war, sind auch beide Ehefrauen miteinander befreundet. Nach dem Tod ihres Mannes hat Klara das Ziel, Emma, die Frau von KarlMay, die sich nicht immer ganz sittlich und treu in der 22-jährigen Beziehung zu Karl verhält, auszubooten und Karl zu heiraten. Einwahrer Ehe-Krimi bis zur finalen Gerichtsverhandlung wird im Buch beschrieben. Als Leser war mir das Verhalten von Klara fast peinlich und ich konnte es nur gutheißen, mit dem Wissen der heutigen Zeit. Ist Klara doch die Gründerin des Karl-May-Museums und hält so seinAndenken in Ehren. Klara hat in den letzten Jahren, die sie mit Karl verheiratet war, viel für das Gedenken an die Werke ihres Mannes getan und engagierte sich für den Erhalt der Ethnologischen Sammlungvon Exponaten über die Indianer Nordamerikas.

Geschrieben ist das Buch in einem leicht ironischen Stil. Dieser ist geschuldet der Tatsache, dass Karl May zu den Männern gehörte, die sich stark selbst überschätzten. Diese Charaktereigenschaft spitzte sich so zu, dass er in vielen Situationen in sein eigenes Fettnäpfchen trat. Einzig allein aus dem Grund, weil er nicht wusste, wann es mit seinen Fantasien genug ist. Beispielhaft wäre hier die Szene auf dem Passagierdampfer zu nennen. Erst berichtet er von seinen Taten, später wird er der Popstar des Schiffes, dann zur Rechenschaft gezogen, verstrickt sich immer mehr in Aussagen, das er mehr als 800 Sprachen spricht, wird auf die Probe gestellt und verlässt den Raum als geschlagener Held.

Immer mehr gerät er in den Sumpf seines Einfallreichtums. Sein Leben aus Realität und Einbildung kann er nicht mehr entkommen und glaubt immer mehr, dass er der Held und nicht der Erfinder ist. Ein tragisches Lesevergnügen aus meiner sächsischen Heimat. Als wunderbare Ergänzung zum Buch und gleichzeitig auch als Ausflugstipp zur Verlängerung des Lesevergnügen empfiehlt sich der Besuch des Karl-May-Museums in Dresden-Radebeul. Wie bereits eingangs erwähnt, feiert dieses sein 90igstes Jubiläum. Es hält Wissenswertes um die Werke und das Leben Karl Mays sowie die Indianer Nordamerikas bereit. Ein anschließender Besuch der Villa Shatterhand, Karl Mays letzter Wohnsitz, in unmittelbarer Umgebung des Museums, ist ebenfalls zu empfehlen.

 

Philipp Schwenke, geboren 1978, arbeitet als Journalist und Autor in Berlin. Er schrieb im Monatsmagazin Neon die Kolumne »Schwenke probiert«und ist Textchef beim Wirtschaftsmagazin Capital.

Quelle:   KiWi

 

Weitere Infos:   https://www.kiwi-verlag.de/buch/das-flimmern-der-wahrheit-ueber-der-wueste/978-3-462-05107-0/,    https://www.kiwi-verlag.de/autor/philipp-schwenke/2103/

Bildquellen:   Odette Nathke

 

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