Peter Høeg – Der Susan Effekt

Peter Hoeg - Der Susan-Effekt.jpgGastrezension von Odette

The great danish family

 

Peter Høeg

Der Susan Effekt

Hanser Literaturverlage, erschienen Juli 2015, 400 Seiten, HC 21,90 € / der Hörverlag, Hörbuch CD, 21,99 €

 

Wer noch nicht wusste, welche tragende Rolle Dänemark in der Weltpolitik spielt, sollte diesen „science-fiction“ lesen.

 

Susan ist Experimentalphysikerin und lebt mit ihrer Familie in Kopenhagen. Befreundet ist sie mit der Nobelpreisträgerin für Physik, Andrea Fink. Beide kennen sich seit langem. Der Roman beginnt an Andrea Finks Sterbebett.

Gerade ist es einem dänischen Justizbeamten gelungen, die Familie aus vier verschiedenen Gefängnissen in Indien und umliegenden Ländern zu befreien. Dort pflegten sie einen ziemlich extravaganten Lebensstil, der schon hier den Hang des Autors zum utopischen Märchen spüren lässt. So brannte der Mann der Hauptfigur mit einer 17-jährigen Maharadscha Tochter durch, der 16-jährige Sohn Harald sitzt in Nepal wegen Antiquitätenschmuggels im Gefängnis, seine Zwillingsschwester Thit liebte einen indischen Priester und Susan hat ihren hünenhaften Geliebten mit bloßen Händen, diesmal nicht mit Akkubohrer und Terrassenschrauben, umgebracht. Schon aus diesen Fakten könnte man einen neuen exotischen Krimi machen, der vielleicht leichter und interessanter zu lesen wäre, als der Roman über die Zukunftsszenarien Dänemarks.

 

Der Grund für die Befreiung dieser tadellosen „great danish family“, wie das Time Magazin sie auf seiner Titelseite mit Foto präsentiert, ist die außergewöhnliche Gabe von Susan und ihrem Clan. Sie besitzen den Effekt, der jede Person mit der sie sprechen, absolut aufrichtig werden lässt. Bereits in Verhören setzte Susann diese Fähigkeit erfolgreich für den Staat ein. Nun wird sie damit erpresst. Straferlass erhält sie und ihre Familiensippe, für die Beschaffung eines geheimen Protokolls, welches eine ebenso geheime Gruppe mit dem Namen „Zukunftskommission“ über die Prognose der Entwicklung der Welt verfasst hat. Über die Freundschaft mit Andrea Fink kennt Susan einige Mitglieder. Auf kleinen Umwegen werden sie rasch fündig und recherchieren, dass die Zukunftskommission eine Versammlung kluger Köpfe war, mit dem Ziel das Zusammenführen ihres Wissens und ihrer Fähigkeit, um zukünftige Ereignisse und Entwicklungen vorherzusagen. Der Reihe nach besuchen sie die noch Lebenden oder kurz vor ihrem Besuch getöteten Mitglieder der Gruppe, um so zu erfahren, wo sich das letzte Protokoll befindet. Eine verrückte Ausgangssituation, die viel und interessanten Lesestoff erhoffen lässt.

 

Doch die Erzählung wird immer verworrener und ich musste öfters wieder zurückblättern, um mich in dem Handlungsstrang nicht zu verfranzen. Ich merkte dann schnell, dass der Autor das so möchte, Realität und Plausibilität seiner Figuren nicht so ernst nimmt und dass Verwirrungen hier Stilmittel sind. Abrupt stoppt die Handlung und die Familie wird zwangsweise aufs Land interniert. Nach zäher Schilderung des Lebens auf den Land, Berichte über Aufzucht von Nutzpflanzen nimmt die Erzählung wieder Fahrt auf und wird ziemlich surrealistisch und apokalyptisch.

Warum auch immer, hier fehlt mir der Faden oder die Logik, kommt nun Susans Vater, auf dem Höhepunkt des Romans, als Akteur hinzu. Beschrieben wird er als skurrile Gestalt mit Hut, der in seinem früheren Leben in Waffengeschäfte verwickelt war und nach Südafrika fliehen musste. Er ist einer der Initiatoren der geheimen Verschwörungstheorie, die daraus bestand, dass die Zukunftskommission den Untergang bzw. die Zerstörung der Welt vorhersagte. Um die bedeutendes Wissenschaftler und Künstler Dänemarks zu schützen, wurde eine Überlebensinsel auf der südlichen Halbkugel der Welt gesucht. Auf Spray Island, soll das Leben der besten und intelligentesten Dänen weitergehen. Das war also das Geheimnis und statt eines „Wow“ entfuhr mir nur ein „Aha“!!!

 

Dem Roman Der Susan-Effekt liegt kein realistischer Plot zugrunde, der Leser muss den Mut haben, sich auf etwas einzulassen.http://www.hanser-literaturverlage.de/files/bookcover/978-3-446-17683-6_21492517269-59.jpg Wie bereits im Buch und Film „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ geht es inhaltlich um ein Umweltthema. Die Hauptfigur ist souverän, ziemlich abgebrüht, attraktiv, kühl, aber auch zärtlich im Verhältnis zu ihren Kindern.

 

Der Roman beginnt und endet mit Andrea Fink. Alles war ihre Idee – ein Komplott, um Susan für die Zukunftssache zu begeistern und mit ihrer „great danish family“ für die Übersiedlung bereit zu halten.

 

 

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© Sabine Lohmüller

Peter Høeg, 1957 in Kopenhagen geboren, ist mit dem Roman Fräulein Smillas Gespür für Schnee (Hanser 1994) zum internationalen Bestsellerautor geworden. Bei Hanser liegen außerdem vor: Vorstellung vom zwanzigsten Jahrhundert (Roman, 1992), Der Plan von der Abschaffung des Dunkels (Roman, 1995), Die Liebe und ihre Bedingungen in der Nacht des 19. März 1929 (Erzählungen, 1996), Die Frau und der Affe (Roman, 1997), Das stille Mädchen (Roman, 2007), Die Kinder der Elefantenhüter (Roman, 2010) und Der Susan-Effekt (Roman, 2015). Peter Høeg lebt in der Nähe von Kopenhagen.

Quelle: Hanser Literaturverlage

 

Weitere Infos:   http://www.hanser-literaturverlage.de/buch/der-susan-effekt/978-3-446-24904-2/, http://www.hanser-literaturverlage.de/autor/peter-hoeg/, http://www.hanser-literaturverlage.de/buch/fraeulein-smillas-gespuer-fuer-schnee/978-3-446-17683-6/

Bildquelle:   http://www.hanser-literaturverlage.de/files/autorenfotos/Peter_Hoeg.jpg,   http://www.hanser-literaturverlage.de/files/bookcover/978-3-446-17683-6_21492517269-59.jpg,   Jacqueline Böttger – Cover

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