Michael Töteberg – Babylon Berlin

Töteberg - Babylon Berlin (1)Chapeau für dieses Meisterwerk!

 

Michael Töteberg

Babylon Berlin

KiWi, erschienen 28.09.2018, 352 Seiten, Großformat 34,00 €

 

Am Sonntag, 30. September 2018 hatte das Warten ein Ende. In Vorfreude auf den abendlichen Start der Serie Babylon Berlin im Ersten tauchte ich in die Welt der 20er Jahre ein. Vor mir liegt der wunderbare Bildband von Michael Töteberg. Rund drei Kilo bringt dieses Prachtexemplar auf die Waage. Mit Goldprägung verziertem schwarzen Glanzlackumschlag und darunter liegendem goldenen Einband entführt es uns ins geheimnisvolle Babylon Berlin.

 

 

MOABIT (1)Die erfolgreiche TV-Serie basiert auf Volker Kutschers Roman Der nasse Fisch. Zuvor liefert die von Kat Menschik illustrierte Vorgeschichte MOABIT  (Verlag Galiani Berlin) die perfekte Einstiegsdroge. Hier legte Kutscher den Grundstein für seine Gereon-Rath-Romane. Er erzählt von der ersten Begegnung der Protagonisten Lotte Ritter und Kommissar Gereon Rath, aus der sich Großes entwickeln wird. Das kleine feine Büchlein MOABIT ist ein Meisterstück handwerklicher Gestaltung, Buch- und Schreibkunst. Von Kat Menschik in ihrer unverkennbaren Art illustriert. Mit ihren Zeichnungen lässt sie das Berlin der 20er Jahre mit seinen verruchten Tanzbars, verrauchten Eckkneipen und den Ganoven der Hauptstadt wieder lebendig werden. Die Rezension zu MOABIT und Menschiks Reihe Lieblingsbücher findet ihr auch hier auf dem Blog.

Da Kriminalromane nicht mein Metier sind, habe ich bis auf MOABIT keinen der weiteren Gereon Rath-Romane gelesen. Dies erleichtert es mir, die Serie Babylon Berlin zu genießen, ohne immer wieder mit der Romanvorlage zu vergleichen. Oft hält ein solcher Vergleich nicht stand. Aber selbst Volker Kutscher war, wie er auf dem Berliner Sommerfest des Verlages Kiepenheuer & Witsch im Interview sagte, von einigen Umsetzungen seines Textes in filmische Szenen begeistert. Seine geistigen Figuren bekamen Kontur und wurden von den Schauspielerinnen und Schauspielern hervorragend umgesetzt.

 

In Babylon Berlin wird die Geschichte des Kölner Kriminalkommissars Gereon Rath (gespielt von Volker Bruch) erzählt, den es beruflich nach Berlin verschlägt. Hier begegnen ihm die sündigen Facetten der Goldenen Zwanziger und zusammen mit dem Polizeibeamten Bruno Wolter (Peter Kurth) sowie seiner Komplizin Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) ist er verschiedenen Fällen auf der Spur.

Gleich drei Regisseure arbeiteten am Set von Babylon Berlin, auch dies eine Premiere. So gelang Tom Tykwer in Zusammenarbeit mit Henk Handloegten und Achim von Borries „eine spektakuläre filmische Auseinandersetzung mit dem Mythos der Goldenen Zwanziger und dem Aufstieg des Faschismus.“
Gedreht wurde an mehr als 300 Orten in Deutschland, dazu zählen auch die Kulissen des Filmparks Babelsberg und Berliner Originalschauplätze. Bildhaft kann ich mir vorstellen wie die Dreharbeiten auf dem Berliner Alexanderplatz für große Aufmerksamkeit sorgten, als rund 250 Komparsen im Zwanziger-Jahre-Look den belebten Platz besiedelten. Die Darstellung des glanzlosen Arbeitermilieus mit seiner heute unvorstellbaren Armut ist gelungen und wirkt sehr authentisch!

Neben der hervorragenden filmischen Umsetzung zeigt Babylon Berlin die politischen und wirtschaftlichen Probleme der damaligen Zeit auf. Die Nachwirkungen des ersten Weltkrieges sind überall spürbar, das nahende Ende der Weimarer Republik unausweichlich. Der Widerspruch zwischen Armut und glamouröser Dekadenz spaltet die Gesellschaft. Die politischen Verhältnisse zwischen den linken und rechten Lagern spitzen sich zu, die Stadt ist im Aufruhr.

Im vorliegenden Bildband zeigt Töteberg anhand faszinierender Fotografien das Making-of der Serie. Von Drehorten über Maskenbild bis hin zu den zahlreichen Schauspielern und Statisten, die diese Zeit so lebendig machen. Grandios das Maskenbild, welches der Dekadenz der Goldenen Zwanziger Jahre mit ihrem Glamour und exzentrischen Bars, den Schmutz der Berliner Mietskasernen und Hinterhöfe gegenüberstellt. Auch heute gibt es in Berlin noch einige unsanierte Mietshäuser mit mehreren Hinterhöfen, in denen man das damalige Leben nachempfinden kann. Viele ältere Berliner können sich an das Leben in Stube & Küche (nach dem gleichnamigen Buch von John Stave) mit Toilette auf halber Treppe oder gar im Hof erinnern. Das Headquartier der Dreharbeiten war eine ehemalige Bank, welche zu DDR-Zeiten als Innenministerium genutzt wurde. Dieses einfache Gebäude steht bis heute leer und diente als Filmkulisse. Hier zauberten die Kulissenbauer und Dekorateure wahre Meisterwerke, in dem sie das „Mokka Efti“ u.a. Etablissements nachstellten. Die Fotos im Buch zeigen eindrucksvoll das Vorher/Nachher der Veränderungen.

Entstanden ist ein packender Bildband mit hervorragenden Schauspielerportraits und beeindruckenden schwarz-weiß Fotografien in hoher Qualität. Töteberg lässt die Zeit der Goldenen Zwanziger aufleben. Er nimmt uns mit in die spektakuläre Welt des Films. Sein einmaliges Setmaterial lässt uns einen grandiosen Blick hinter die Kulissen werfen. So werden die neusten digitalen Tricks vorgestellt, mit denen das heutige Berlin in die Zwanziger Jahre verwandelt wurde. Ergänzt wird dies mit exklusivem Material wie Architekturzeichnungen, Kostümentwürfe, Auszüge aus Drehbüchern und Storyboards.

 

Chapeau für dieses Meisterwerk! Eine wunderbare Geschenkidee für Fans von Babylon Berlin und Volker Kutscher!

 

Michael Töteberg, geboren 1951, Literaturagent für Filmrechte, Filmhistoriker und Publizist. Veröffentlichungen u.a. über Fritz Lang und Rainer Werner Fassbinder, zuletzt erschien »Das Kino der Autoren« (2018), Herausgeber zahlreicher Filmbücher, u.a. von Fatih Akin und Tom Tykwer.

Quelle: KiWi

 

Weitere Infos:   www.kiwi-verlag.de/buch/babylon-berlin/978-3-462-05250-3/,   www.kiwi-verlag.de/herausgeber/michael-toeteberg/2091/,   www.kiwi-verlag.de/buch/der-nasse-fisch-filmausgabe/978-3-462-05208-4/

Bildquellen:  Jacqueline Böttger

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.