Melanie Raabe – Die Falle

Die Falle - Buch und Hörbuch.jpgGastrezension von Odette

Ist der Roman auch eine Lesefalle?

 

Melanie Raabe

Die Falle

btb Verlag, erschienen März 2015, 352 Seiten, HC 19,99 Euro / der Hörverlag, Hörbuch MP3-CD 19,99 Euro

 

Geht man dem Buch in die Falle, weil es bei der alltäglichen Hektik und dem Stress des Lebens verlockend klingt, wie die berühmte Bestsellerautorin Linda Conrads ohne Geldsorgen abgeschieden mit niedlichem Hund im Haus am Starnberger See zu leben?

 

Nein, das Buch ist spannend und flüssig geschrieben. Auf den dreihundertfünfzig Seiten wird das Tempo hoch gehalten und so erfährt man, dass „Die Falle“ Linda Conrads selbst ist. Sie opfert sich als Köder dem Mann, den sie für den Mörder ihrer Schwester hält und versucht ihm eine Falle zu stellen. Aus Angst vor ihm lebt sie elf Jahre in diesem von ihr selbst gewählten, wunderschönen Exil.

Schreckliche Erinnerungen aus der Vergangenheit quälen sie. Linda fand ihre Schwester blutüberströmt, tot am Boden liegend und erblickte für einen kurzen Augenblick einen Mann auf dem Balkon. Als sie Jahre später diesen Mann zufällig im Fernsehen sieht, ermittelt sie seinen Namen und macht sich erneut an die Aufarbeitung des Falles. Da sie damals wenig Unterstützung von der Polizei erhielt, der Fall nie aufgeklärt werden konnte und sie sogar als Hauptverdächtige galt, ermittelt sie nun auf eigene Faust.

In dem Buch steckt sehr viel Psychologie und so wird man beim Lesen verunsichert, von dem Verhalten und den Argumenten der Hauptpersonen. Als sie den vermeidlichen Mörder zu sich einlädt, ihn verhört und dieser dann kühl sagt, er sei zum Zeitpunkt des Mordes nicht in Deutschland gewesen, glaubt man ihm und hat kurzzeitig Mitleid. Nun suggeriert er dem Leser die Geschichte der unzufriedenen und benachteiligten Schwester, als Motiv für den Mord. Ist Linda das Opfer oder doch die Täterin?

Stilistisch wählte Melanie Raabe ein interessantes Mittel. Sie lässt Linda im Buch den Roman „Blutsschwestern“ schreiben. Damit eröffnet sich uns eine neue Perspektive, die das Buch und unsere Beurteilungen nicht vereinfacht. Die Kombination Vergangenheit und Gegenwart machen das Ermitteln beim Lesen spannend. Leider wird es im Höhepunkt schlagartig mit dem Hinweis des Gärtners unterbrochen.

 

Melanie Raabe ist ein unterhaltsamer Psychothriller gelungen. Für Vielleser wirkt er leider etwas zu konstruiert und klischeehaft. Nicht alle Schriftsteller residieren in einem solchen Umfeld. Wenn es spannend wird, steigert sich die Spannung von Schwüle über Dunkelheit bis zum Gewitter. Gute und böse Schwester als Tatmotiv ist auch ein ausgelutschtes Thema, aber „Die Falle“ hat zugeschlagen und so werde ich sicherlich erneut ein Buch von ihr lesen.

 

http://img.welt.de/img/literarischewelt/crop142475211/0359406686-ci16x9-w780/DW-LW-Melanie-Raabe-14-.jpgMelanie Raabe wurde 1981 in Jena geboren, wuchs in einem 400-Seelen-Dorf in Thüringen und einer Kleinstadt in NRW auf, studierte Medienwissenschaft und Literatur in Bochum und lebt inzwischen in Köln – als Journalistin, Drehbuchautorin, Bloggerin, Performerin und Theaterschauspielerin. Sie betreibt ihren eigenen Interview-Blog (www.biographilia.com) und erhielt bereits mehrere Preise für ihr Schreiben. Die Rechte an ihrem Roman „Die Falle“ wurden bereits vor Erscheinen international verkauft, u.a. nach Frankreich, Italien, die Niederlande, Spanien und das englischsprachige Ausland.

Quelle: Random House

 

 

Kommentar von Jacqueline

 

Der Weg aus der Angst führt durch die Angst.“

Dieser Satz hat für mich das gesamte Buch geprägt, welches ich regelrecht verschlungen habe. Manchmal bin ich an der plötzlichen Unterbrechung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, dem Blick ins fiktive Buch „Blutsschwestern“, verzweifelt. Es spannte mich auf die Folter, unterbrach meinen ermittelnden Gedankenfluss, aber fesselte mich zugleich ans Buch. Ich glaubte an Linda und doch brachte es mich zum Zweifeln an ihrer Version. „Linda und ihre Geschichten“, eine oft verwendete Redewendung, war da doch etwas dran? Mehr sei hier nicht verraten…

Chapeau an Melanie Raabe für diesen gelungenen Spannungsbogen!

Ergänzend zum Roman habe ich mir auch das Hörbuch gegönnt. So konnte ich das Gelesene nochmals Revue passieren lassen und die Details geniessen. Gesprochen von Birgit Minichmayr und Devid Striesow, erhoffte ich, dass besonders das Interview in verteilten Rollen gelesen wird. Leider gab es hier die Gegenwarts- und Vergangenheitsaufteilung und so las Striesow nur den Teil der „Blutsschwestern“. Ein Dialog hätte hier sicher noch mehr Spannung aufgebaut, aber das Leben ist ja kein Wunschkonzert.

Mittlerweile ist Melanie Raabes Roman in zwanzig Ländern erschienen und kann berechtigt als Bestseller bezeichnet werden. Auch die Filmrechte für „Die Falle“ sind schon in Hollywood im Gespräch. Wir dürfen also sehr gespannt sein.

 

 

Weitere Infos:   www.randomhouse.de/Buch/Die-Falle/Melanie-Raabe/btb-Hardcover/e467802.rhdhttp://melanieraabe.de/buecher/die-falle/,   http://melanieraabe.de/

Bildquellen:   Jacqueline Böttger – diverse, http://img.welt.de/img/literarischewelt/crop142475211/0359406686-ci16x9-w780/DW-LW-Melanie-Raabe-14-.jpg

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