Lebenskünstler Charles Bukowski

Charles BukowskiGastrezension von Odette

 

Das verkannte Talent

Kleine Analyse seiner Bücher „Faktotum“ & „Über das Schreiben“

dtv, erschienen 1997, TB 9,90 € / KiWi, erschienen August 2017, 288 Seiten, 16,99 €

 

Als große Verehrerin von Götz George beschäftige ich mich mit seinem künstlerischen Werk und fand heraus, dass er ein Bewunderer von Charles Bukowski war. In einem Interview mit Thomas Gottschalk 1985 äußerte George, dass es beschämend ist, wie viele Deutsche diesen in Deutschland geborenen Dichter und Schriftsteller nicht kennen. Um mich der Literatur von Charles Bukowski zu nähern, hörte ich mir die von Götz George aufgenommene Vertonung seiner Texte an.

Nun bin ich kein klassischer Schimanski Fan, doch als ich in der Biographie von Götz George las, dass die Figur des Horst Schimanski Gemeinsamkeiten mit der in vielen Texten von Charles Bukowski angelegten Figur des Henry Chinaski hat, las ich einen seiner Klassiker, das Buch Faktotum.

 

Dieses schlappe und welke Geschwafel. Hört auf! Hört auf damit! Ich brauche was zu Lesen.“

Zitat Charles Bukowski

 

Faktotum

Charles Bukowski - GG liest CBDas Buch beginnt mit folgenden Dialog „Lust auf’n Fick, weißer Penner?“. Einen ähnlichen Dialog gibt es im Tatort, als Horst Schimanski und Thanner im Rotlichtmilieu ermitteln. Im Mittelpunkt des Romans Faktotum steht ein Mann, der arbeitet, um sich Alkohol, Frauen und ein nicht sesshaftes Leben leisten zu können. Er ist ein Faktotum, „eine Person für Alles“, welche im Amerika der 40er Jahre lebt. In einer Zeit, in der auch Charles Bukowski noch keine erfolgreichen Veröffentlichungen verzeichnen konnte. In seiner Freizeit schreibt er Texte und Gedichte und will eins nicht, die bürgerliche Moral und ein spießiges Leben. Sein Name ist Henry „Henk“ Chinaski, Bukowskis eigenes literarisches Ich. Wie Schimanski der Antibulle im Tatort, so ist Chinaski der Antiheld des amerikanischen Way of Life.

Die tägliche Arbeit erfüllt ihn nicht, er legt lieber das Geld bei Pferdewetten an und verzichtet bei Gewinn auf die Arbeit. Wenn er arbeitet ist er faul und will schnell rausgeschmissen werden. Frauen sind für ihn Wettkameraden, Mittrinker und Befriedigung im Bett. Gefühle kommen wenig vor. Man muss sich beim Lesen sowohl in ihn als auch in die Gedankenwelt seiner Helden versetzen. Sicherlich sind deren Inhalte mehr Männer lastig und für Frauen weniger verständlich. Was man deshalb haben sollte, ist Toleranz. „Henk“ führt ein Leben, welches man in den meisten Fällen wohl nicht so führt, dieses aber konstant und ohne Bedauern. Hier handelt es sich um eine sehr ehrliche, sprachlich fesselnde, düstere und perspektivlose Literatur. Das Buch besitzt kurze Kapitel, die in hektisch wirkenden Stil verfasst sind.

 

 

Über das Schreiben – Briefe an meine Weggefährten und Gönner

Um sich den Hintergrund des Autors und seiner Biographie besser zu erschließen, ist das Buch Über das Schreiben – Briefe an meine Weggefährten und Gönner zu empfehlen. Henry Charles Bukowski wurde 1920 in Andernach bei Koblenz als Heinrich Karl Bukowski geboren. Sein Vater war ein US-amerikanischer Besatzungssoldat, der die Deutsche Katharina Fett heiratete und mit ihr 1923 nach Los Angeles zog. Die Familie seines Großvaters Henry Bukowski hatte europäische Wurzeln. Seine Familie stammt wohl aus Polen.

Die Brutalität, welche Bukowski in seinen späteren Werken beschrieb, erlebte er am eigenen Leib. Der Vater betrog die Mutter, betrank sich und misshandelte seinen Sohn körperlich. Nach der Schule studierte Bukowski Journalismus und versuchte sich als Schriftsteller. Doch sein unstetes Leben mit Alkohol, zahlreichen Jobs und vielen Wohnortwechseln verhinderte einen früheren Erfolg.

Wie auch der Held seiner Romane, die immer recht autobiographisch sind, wurde er 1952 Postbeamter und arbeitete als Briefzusteller und Briefsortierer. In dieser Zeit zeigte seine Lebensweise Wirkung und er wurde oft von Krankheiten verfolgt. Er heiratet bis dahin zweimal. Seine zweite Schriftstellerlaufbahn begann mit den 1971 erschienenen ersten Roman „Der Mann mit der Ledertasche“ (Original „Post Office“). In Literaturzeitschriften wurden seine Gedichte und Erzählungen veröffentlicht. Zwar heiratet Bukowski nicht wieder, doch er lebte mit mehreren Frauen abwechselnd in längeren Liebesbeziehungen. Er hat eine Tochter. 1994 verstarb er im Alter von 73 Jahren in seiner Wahlheimat San Pedro an Leukämie. Bis dahin hatte er es zu einem bekannten amerikanischen Literaten geschafft, der auch mit Hilfe von Götz George eine gewisse Popularität in Deutschland erhielt. In Deutschland verkaufte er mehr als 4 Millionen Bücher. Auch gilt er als „meist geklauter“ Autor in den Buchhandlungen, denn noch in den 70er Jahren galt seine Art der Literatur als etwas Anrüchiges.

Sehr schön lässt sich seine schriftstellerische Entwicklung in dem Buch Über das Schreiben – Briefe an meine Weggefährten und Gönner nachvollziehen. Auf 288 Seiten findet man den Schriftwechsel mit Freunden, Verlagen, Gönnern und Unterstützern. Er preist seine neusten Werke an und verbindet sie mit seinem parallel dazu verlaufenden Leben. Anfänglich muss er noch um den Abdruck der Werke sowie finanzielle Unterstützung betteln, später bremst er die Wünsche nach weiteren Romanen und signierten persönlichen Ausgaben. Neben den Abdruck der Briefe findet man Illustrationen in diesem Buch. So spontan wie die Illustrationen sind auch seine Briefe, in denen man seine Stimme hören kann, auch wenn man sie nicht kennt und den Whisky in der Luft riecht. Viele der Briefe schrieb er mit Hand, weil er seine Schreibmaschine versetzt hatte. Als diese noch existierte, konnte man seine Niederschriften an den kleinen Buchstaben erkennen, da die Hochstelltaste auf der Schreibmaschine defekt war. Schreibblockaden kannte er nicht und da war er seinen großen Vorbildern wie Henry Miller, Whit Burnett, Caresse Crosby, Lawrence Ferlinghetti und John Fante weit voraus.

 

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© ullstein bild

Charles Bukowski wurde als Heinrich Karl Bukowski 1920 in Andernach geboren. Sein Vater war ein in Deutschland stationierter GI. Kurz vor Bukowskis drittem Geburtstag zog die Familie in die USA. Nach der Highschool belegte Bukowski Literatur-, Journalistik- und Kunstkurse am Los Angeles City College. Erst Anfang der 70er-Jahre kam der Erfolg als Schriftsteller. Charles Bukowski war mehrmals verheiratet und hat eine Tochter. Am 9. März 1994 starb er nach schwerer Krankheit.

Quelle: KiWi

 

Weitere Infos:   www.kiwi-verlag.de/buch/ueber-das-schreiben/978-3-462-31615-5/,   www.kiwi-verlag.de/autor/charles-bukowski/190/,   www.dtv.de/buch/charles-bukowski-faktotum-12387/  

Bildquellen:  Odette Nathke,   https://www.kiwi-verlag.de/ifiles/autor/large/autor_190.jpg

 

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