Kristine Bilkau – Eine Liebe, in Gedanken

Bis zur UnendlichkeitKristine Bilkau - Eine Liebe, in Gedanken

 

Kristine Bilkau

Eine Liebe, in Gedanken

Luchterhand Literaturverlag, erschienen März 2018, 254 Seiten, HC 20,00 €

 

Meine erste Begegnung mit Kristine Bilkau war natürlich literarischer Art. Ich las ihren Debütroman Die Glücklichen in wenigen Tagen. Ein regelrechter Sog entwickelte sich beim Lesen. Das Thema nahm mich auf sehr einfühlsame Art gefangen, ließ mich nachdenklich über unsere heutige Zeit und deren Werte zurück. In diesem Jahr traf ich sie auf der Leipziger Buchmesse und folgte ihren Ausführungen zum nun vorliegenden Roman. Ich wusste, dass er wieder besonders sein würde. Ein Roman, in dem Kristine Bilkau eine sehr bewegende Erzählweise gelungen ist.

Anlässlich des Muttertages postete Kristine Bilkau im Mai dieses Jahres via facebook ihre Gedanken.

Vor einigen Jahren stand ich oft allein vor dem Bücherregal meiner verstorbenen Mutter. Und heute kann ich sagen, dass damals einer der Impulse für „Eine Liebe, in Gedanken“ gesetzt wurde. Der Blick auf diese Regalwand war magisch und wundersam, beunruhigend und irritierend. So oft hatte ich dort gestanden, als meine Mutter noch lebte. Aber diesmal war es anders: Ich konnte nichts mehr fragen. Ich fand die verborgenen Sehnsüchte und Hoffnungen einer jungen Frau, ihr nie gestilltes Bedürfnis nach Bildung, ihre Versuche der Rebellion gegen gesellschaftliche Normen, ihre Neugier, ihre Enttäuschungen, all das fand ich zwischen diesen Büchern.

Ebenso gefühlvoll wie hier beschrieben, nähert sich Kristine Bilkaus namenlose Protagonistin dem früheren Leben ihrer Mutter. Als sie nach deren Tod bei der Auflösung des Hausrates, Briefe von Edgar Janssen findet, beginnt sie deren Liebe zu rekonstruieren. Rückblickend erzählt uns die Tochter vom Leben ihrer Mutter Antonia Weber, genannt Toni, in den frühen 60-er Jahren. Fortan bewegt sich der Roman in zwei sich abwechselnden Erzählsträngen.

Zum einen begleiten wir die Tochter während ihrer Trauerphase. Sie arbeitet ihre Kindheit auf, die unstetig verlief. Schon damals vergötterte sie ihre Mutter und sehnte sich so sehr nach deren Geborgenheit. Doch durch ihre „nordische Härte“ gehemmt, ließ diese es nie zu, ihre Liebe richtig zu zeigen. Im weiteren Verlauf blicken wir gemeinsam auf das Leben der Mutter zurück. Anhand von Briefen, die Edgar fast täglich an Toni schrieb, rekonstruiert die Tochter ihr Kennen- und Liebenlernen. Sie erzählt uns die Geschichte von der einzig wahren Liebe ihrer Mutter Antonia zu Edgar Janssen, die deren ganzes Leben prägte und für sie ewig andauerte.

Die selbstbewusste Toni verfolgt berufliche Ziele, die sie bereit ist, für ein Zusammenleben mit Edgar aufzugeben. Er hat die einmalige Chance, in Hongkong eine Firmenrepräsentanz aufzubauen. Anfänglich allein startend, verspricht er Toni sofort nachzuholen, sofern er Fuß gefasst hat und sich die ersten Erfolge einstellen. Ungeduldig wartet Toni auf Edgars Zeichen. Monate vergehen, die Verlobung in Abwesenheit von Edgar wird familiär gefeiert. Die Abreise scheint greifbar nah. Toni gibt ihren Job und die Wohnung auf, zieht auf Abruf zu ihrer Mutter. Doch wieder folgt nur vertröstender Briefwechsel bis Toni für sich mit großer Kraft den Schlussstrich zieht. Bewundernswert ist ihre Konsequenz für diese Entscheidung, die ihr Leben fortan in ungeahntem Umfang prägen wird.

Beziehungen kommen und gehen, doch glücklich wird sie nie. Alles was sie hat ist Eine Liebe, in Gedanken, die sie nie glücklich werden lässt. Edgar Janssen war nie imstande, sich zu entscheiden und Verantwortung zu übernehmen. Mit dieser egoistischen Haltung hat er das Leben von Toni zerstört. Erste jetzt versteht die Tochter ihre Mutter und bewundert sie mehr als zuvor. Sie will Janssen mit dieser Geschichte konfrontieren, dies ist sie ihrer Mutter schuldig. Denn Trennung ist auch immer der Verlust des Lebens, das einer weiterhin wollte.

 

http://www.ndr.de/kultur/buch/kristinebilkau104_v-contentgross.jpgKristine Bilkau, 1974 geboren, studierte Geschichte und Amerikanistik. Ihr erster Roman „Die Glücklichen“ fand ein begeistertes Medienecho, wurde mit dem Franz-Tumler-Preis, dem Klaus-Michael-Kühne-Preis und dem Hamburger Förderpreis für Literatur ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt. Sie lebt mit ihrer Familie in Hamburg.

Quelle: Random House

 

Weitere Infos:   www.randomhouse.de/Buch/Eine-Liebe-in-Gedanken/Kristine-Bilkau/Luchterhand-Literaturverlag/e499961.rhd,   www.randomhouse.de/Autor/Kristine-Bilkau/p549665.rhd

Bildquellen:  Jacqueline Böttger,  http://www.ndr.de/kultur/buch/kristinebilkau104_v-contentgross.jpg

 

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