Jörg Fauser – Das Schlangenmaul

Jörg Fauser - Das Schlangenmaul.jpgGastrezension von Odette

Eintauchen ins Fauser-Universum (Teil II)

 

Jörg Fauser

Das Schlangenmaul

Diogenes, erschienen Mai 2019, 320 Seiten, HC 20,99 €

 

Unter dem Motto: Jörg Fauser – Fauser lesen jetzt – erscheint im Diogenes Verlag zum 75-jährigen Geburtstag von Jörg Fauser eine 16 bändige Sonderedition. Diese hilft den bekannten Schriftsteller wieder neu zu entdecken. Fauser provozierte stark zu seinen Lebzeiten und wurde oft von Literaturkritikern verrissen. Der Roman Das Schlangenmaul, welches in den 80-iger Jahren in Berlin spielt, war sein Durchbruch und ist das erste Buch dieser Sonderedition.

Der Kriminalroman ist im Stil eines amerikanischen Thrillers geschrieben. Ein schnoddriger 38-jähriger Journalist, der die journalistische Recherchearbeit als Detektiv nutzt, ermittelt im Untergrund. Im Buch Das Schlangenmaul heißt der Held Heinz Harder, im Tatort Horst Schimanski und in der Musik Marlow. In einer Annonce bietet er seine Detektivarbeit als Bergungsexperte für außergewöhnliche Fälle an.

Ob seine erste Klientin ihm auf Grund seiner Anzeige arrangiert ist ungewiss. Vielleicht kennt sie ihn, weil sie mit einer schillernden Figur des Berliner Untergrunds ein Verhältnis hat. Sie ist, wie es der Stil in dieser Art von Büchern verlangt, reich, schön und mit einem einflussreichen Politiker in Hannover verheiratet. Ihre Tochter wurde entführt und unser Held Harder soll sie finden. Dazu muss er, was sich für den Leser spannend liest, auch über die Sektorengrenzen, spielt doch der Hauptteil der Suche im West-Berlin der 80-er Jahre, ermitteln. Im amerikanischen Sektor trifft man auf windige Geschäftsmänner, illegale Clubs, Sekten, die Schlangen beschwören und dubiose Politiker mit Einfluss auf die Baumafia. Die Berliner Inselsituation verstärkt den Reiz des Undergroundromans. Nur einige hundert Meter von der Grenze entfernt, befindet sich der Club Kamasutra, in dem die vermisste Tochter unter ihrem neuen Namen Shiva als Schlangenbeschwörerin arbeitet. Obwohl Harder den Fall löst, zerreißt er seinen Honorarscheck. Harder hat Stil, mit dreckigem Geld möchte er nicht seine Schulden zahlen.

Der Roman ist sehr spannend und liest sich, einmal angefangen, in einem Zug durch. Fauser brilliert mit Irrwitz und Abstrusem, in einer geheimnisvollen Welt. Das Buch enthält viele Themen, welche auch in einem Film Bestand hätten.

 

Foto: Fauser Archiv

Wie sein Alter Ego Heinz Harder führte auch Jörg Fauser ein bewegtes Leben. 1944 wurde er in Frankfurt am Main geboren. Er bestand das Abitur, sein Studium allerdings brach er ab. Er lebte in Istanbul und London, arbeitete als Flughafenarbeiter, Nachtwächter und Aushilfsangestellter. 1985 erschien sein Roman Das Schlangenmaul. Die Gesellschaftskritiken, welche in diesen Büchern vorkommen, sind immer noch relevant.

1987 verunglückte er in der Nacht nach seinem Geburtstag in München. So, wie er es in seinem Roman Rohstoff voraussieht. „Man musste aufpassen, es hieß, dass schon mancher überdurstige Trinker, die Augen starr auf das leuchtende Ziel gerichtet, beim Überqueren der Trambahngleise im Herbstnebel von einer Elektrischen erfasst worden war ….“ Er wurde allerdings von einem LKW auf der Münchner A94 in der Nacht erfasst und verstarb vor Ort.

 

Weitere Infos: https://www.diogenes.ch/leser/titel/joerg-fauser/das-schlangenmaul-9783257609103.html,   https://www.diogenes.ch/leser/autoren/f/joerg-fauser.html

Bildquellen:   Odette Nathke,   Pressebild_JoergFauser_cFoto-Fauser-Archiv_72dpi – mit freundlicher Genehmigung des Diogenes Verlages

 

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