Joël Dicker – Die Geschichte der Baltimores

Die Geschichte der BaltimoresGastrezension von Odette

Eine Suche nach Bestätigung

 

Joël Dicker

Die Geschichte der Baltimores

Piper Verlag, erschienen Mai 2016, 512 Seiten, HC 24,00 €

 

Angefangen hat alles mit Duke. Ist er der Teufel, der sich in Form des Pudels zu Marcus, dem Schriftsteller schleicht, um diesen dann zu seiner Besitzerin zu führen?

Marcus, ist der Dritte im Bunde der edlen Goldman-Gang. Als Ich-Erzähler berichtet er in diesem Roman, wie es zur Katastrophe kommt. Doch was die Katastrophe beinhaltet, möchte ich in der Rezension nicht verraten. Zu spannend und zu genial sind die mehr als fünfhundert Seiten dieses Romans geschrieben. Die ersten Leser, die ich kenne, benötigten nicht mehr als fünf Tage, um diese spannende Familiensaga zu lesen.

Schon die Aufforderung von Marcus auf Seite zwei: „Wenn Sie dieses Buch in die Hände bekommen, dann lesen Sie es, bitte. Ich möchte, dass jemand die Geschichte der Goldmans aus Baltimore kennt.“, motivieren zum nächtelangem Durchhalten.

 

Die Goldmans

Die Goldman Familien bestehen aus den Familienoberhäuptern Saul und seiner Frau Anita sowie Nathan und dessen Frau Deborah. Geschickt sind hier schon die Vornamen der beiden Männer gewählt. Saul der Erhabene und Nathan der von Gott gegeben. Der Vater der beiden besaß eine Firma, die medizinische Geräte vertrieb. Bereits hier entwickelt sich ein Konflikt, der Saul zu einem erfolgreichen Anwalt mit Häusern in Baltimore und den Hamptons werden lässt. Nathan hingegen, steigt zu einem Vertreter des Mittelstandes ab. Daher auch die Bezeichnung der beiden Familienzweige, die Goldmans aus Baltimore und die Goldmans aus Montclair.

Marcus ist der Sohn der Montclairs und Hillel der gleichalte Sohn der Baltimores. Marcus sucht zu jeder Gelegenheit die Flucht aus dem Mittelstand, hin zu der Faszination des Großbürgertums. Er vergöttert seinen Onkel Saul, auf den er unheimlich stolz ist und hat trotzdem immer ein schlechtes Gewissen seinen Eltern gegenüber. Die Freundschaft zu Hillel ähnelt die zu einem Bruder. Einen Bruder sollen beide dann noch erhalten. Woodrow Finn eine Pflegekind des Anwaltes Saul, beschützt Hillel in der Schule und erhält aus Dankbarkeit einen Platz in der Familie der Baltimores und in der Goldman-Gang.

 

Die Gang

Die Goldmans aus Baltimore sind reich, nichts trübt ihren souveränen Schatten. Sie sind natürlich, selbst der Leser erfreut sich an ihrem Erfolg. Man freut sich auf die Besuche von Marcus bei seinem Neffen. Fiebert mit, dass Woody als Bruder in die Familie aufgenommen wird. Spürt den Rasen, den die Goldman-Gang im Viertel Oak Park mäht und überlegt wie das Geheimzeichen des Sicherheitspersonals aussehen könnte. Kurzzeitig wird Scott ein Mitglied der Goldman Gang. Wie Hillel wurde auch er, in der Schule auf Grund seiner Mukoviszidose Erkrankung gemobbt. Neben den bereits erwähnten positiven Charaktereigenschaften, besitzen die Goldmans auch den Wunsch anderen zu helfen. Scott möchte so gern Mitglied der Football Mannschaft werden, die Jungs erfüllen ihm diesen Traum. Die Szene, in der er seinen erhofften Touchdown läuft, ist so toll von Joël Dicker beschrieben, dass man sie bildlich vor sich sieht und einem die Tränen kommen als er kurz darauf stirbt.

Scotts ältere Schwester Alexandra hält die Verbindung zu den Jungs weiterhin aufrecht. Zum Schulabschluss übergibt sie den Jungs ein Foto, welches sie mit den Worten „Ich werde euch immer lieben, ihr Goldmans.“ versieht.

Bis hierhin ist die Geschichte rasant erzählt und verschiedene Zeitebenen deuten auf die kommenden sich zuspitzenden Ereignisse. Beim Lesen fragt man sich: Warum kann Neid, Eifersucht, Liebe, Freundschaft, Stolz und Ehrgeiz das Leben zerstören. Der Bruderkonflikt zwischen Kain und Abel, Saul und Nathan wird auch Hillel und Woody heimsuchen, trotzdem besteht ihre Liebe zueinander bis in den Tod.

 

 

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© Jeremy Spierer

Joël Dicker wurde 1985 in Genf geboren. Der studierte Jurist hat bislang drei Romane veröffentlicht, »Les Derniers Jours de nos Pères«, »La Vérité sur l’Affaire Harry Quebert« (dt.: »Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert«) und »Le Livre des Baltimore« (dt.: »Die Geschichte der Baltimores«). Für »Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert« bekam Dicker den Grand Prix du Roman der Académie Française zugesprochen sowie den Prix Goncourt des Lycéens.

Quelle: Piper Verlag

 

Weitere Infos:   https://www.piper.de/buecher/die-geschichte-der-baltimores-isbn-978-3-492-05764-6, https://www.piper.de/autoren/joel-dicker-3727

Bildquellen:   Jacqueline Böttger,   https://www.piper.de/uploads/_processed_/csm_urheber-3727_4c019d321b.jpg

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