Jana Revedin – Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus

Jana Revedin - Frau BauhausGastrezension von Odette

Das Leben der Ise Frank

 

Jana Revedin

Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus

Dumont, erschienen November 2018, 304 Seiten, HC 22,00 €

 

Nach einem Heiratsantrag bei Gerstensuppe in München, wird das Bauhaus die Lebensaufgabe von Ise Frank (1897-1983).

Ise Frank und Walter Gropius lernten sich während eines Vortrages kennen. Eigentlich ist die 26-jährige Ise Frank, Tochter einer großbürgerlichen jüdischen Familie, nicht der Fan von Gropius Gedankenwelt, doch beim zweiten Treffen unterliegt sie dem Charme des Womanizers und identifiziert sich mit der Idee des Bauhauses. Verliebt gibt sie ihren Job als Buchhändlerin und Rezensentin auf und widmet sich der Design- & Handwerksschule.

2018 veröffentliche Jana Revedin zum 100-sten Bauhausjubiläum ein mit historischen Fotos illustriertes Buch über die Frau an Gropius Seite. Gropius und das Bauhaus haben Ise Frank viel zu verdanken. Diesen Fakt bestreitet niemand. Allerdings, wie in vielen Büchern über Frauen von berühmten Männern, wird auch in diesem Buch, die Frau als fehlerfreie Visionärin beschrieben. Nach dem euphorischen Kennenlernen und der Heirat mit dem Architekten und Bauhausgründer, gerät ihre Beziehung in eine Krise. Von Gleichberechtigung ist keine Rede mehr. Ihre Ideen werden von ihrem Mann unter dem Motto „Männer handeln, Frauen kommen vor“ adaptiert.

In diesem biographischen Roman vermischen sich historische Fakten mit freien Fantasien. Ise Franks erste Aufgabe wird es sein, einen neuen Standort für das Bauhaus zu finden. Dabei hilft ihr die Freundschaft zu einer langjährigen Jugendfreundin. Diese hat den Kölner Bürgermeister Konrad Adenauer geheiratet. Hier kommt der Titel des Buches ins Spiel. Auf Vortragsreisen wirbt sie, als Öffentlichkeitsarbeiterin im Namen des Vereins „Freunde des Bauhauses“ für das Bauhaus und wird auf ihren Reisen als „Frau Bauhaus“ begrüßt. „Frau Bauhaus“ wird Ise Franks zweites Ich und begleitet die 14 Jahre jüngere Frau Gropius bis zum Ende ihres Lebens.

Der Wertegang von der Kunsthochschule zu Designerhochschule, die für die Industrie entwickelt, ist Inhalt des Buches. Damit verbunden auch der Kampf Ise Franks, um die Patente und Rechte, wie zum Beispiel das Patent für Jenaer Glas.

In Dessau sucht das Ehepaar diesmal gemeinsam nach einem Baugrund für die Meisterhäuser. Laut Buch ist die Innengestaltung der Meisterhäuser Sache der Frauen des Bauhauses. Funktionale Küchen werden geplant und Räume, die Offenheit und Luft verströmen. Hierbei wird Ise Frank von Irene Hecht, Tochter eines Bierbrauers aus Ungarn, unterstützt. Irene Hecht versorgt nicht nur die illustre Gesellschaft mit Bier, sondern verwirklicht in der Fotographie und Gestaltung ihre eigenen experimentellen Ideen. Mit ihr kann Ise ihre Gefühle nach den Affären ihres Mannes besprechen und findet Trost, nach dem sie ihr Kind verliert.

Die letzten Jahre des Bauhauses spitzen sich zu. Für die moderne Industrie wird in den Bereichen Design, Architektur und Werbung produziert. Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus und den Wechsel der Führungsspitze des Bauhauses werden dem Bauhaus immer neue Auflagen gemacht. Der Untergang beginnt. Das Ehepaar Gropius beschließt ihr Leben gemeinsam in Amerika weiterzuführen. Im Spätherbst 1927 wird sie neben Frau Bauhaus auch zur Biographin des Bauhauses und stellt damit sicher, dass das Bauhaus nach 1933 nicht in Vergessenheit gerät.

Das Buch Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus kann man allen Leserinnen empfehlen, welche sich für Kunst, Architektur und Geschichte des 20. Jahrhunderts interessieren.

 

Jana Revedin, geboren 1965 in Konstanz, ist eine deutsche Architektin, Theoretikerin und Schriftstellerin. Nach dem Studium von Architektur und Städtebau in Buenos Aires, Princeton und Mailand promovierte und habilitierte sie an der Universität Venedig und ist heute ordentliche Professorin für Architektur und Städtebau an der Ecole spéciale d´architecture Paris und an der Ecole supérieure d´architecture der Universität Lyon. Sie ist Verfasserin von Standardwerken der Architekturtheorie und hat sich auf die Reformarchitektur der Moderne spezialisiert. Jana Revedin wurde zur Ritterin der französischen Ehrenlegion Chevaliers des Arts et des Lettres geschlagen, sie erhielt die Medaille der Academie d´Architecture Paris für herausragende Leistungen zur Entwicklung des kritischen Diskurses in Architektur und Städtebau und ist UNESCO Delegierte zur Forschungs- und Lehrkommission der UIA International Union of Architects. Sie lebt in Wernberg, Kärnten und Venedig.

Quelle: Dumont

 

Weitere Infos:   www.dumont-buchverlag.de/buch/revedin-frau-bauhaus-9783832183547/,    www.dumont-buchverlag.de/autor/jana-revedin/

Bildquellen:   Odette Nathke

 

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