Jan Böttcher – Das Kaff

Jan Böttcher - Das Kaff (2)Rückkehr zu den Wurzeln

 

Jan Böttcher

Das Kaff

Aufbau Verlag, erschienen März 2018, 269 Seiten, HC 20,00 €

 

Protagonist Michael Schürtz, ein in Berlin lebender Architekt, nimmt einen Auftrag für die Bauleitung einer Reihenhaus-Siedlung in seinem alten Heimatort an. Shitty Littleton, ein Dorf in Norddeutschland, wie er es liebevoll nennt. Freunde, Familie und Geschwister leben noch dort, nur ihn hat es in die Großstadt verschlagen. Seine widerwillige Rückkehr wird somit auch eine Reise in die Vergangenheit.

Das Kaff ist eine nette Lektüre für zwischendurch. Die Covergestaltung, welche sofort meine Aufmerksamkeit erregte, finde ich sehr gelungen. Ein typisches Siedlungsgebiet im platten Norden, wo bekanntlich, wie in Berlin übrigens auch, Klartext geredet wird. Dieser nordische Charme mit seiner Direktheit ist legendär. Die Lettern „Das Kaff“ lassen das Cover regelrecht aufbrechen. Konfrontation zwischen Städtern und Dörflern ist angesagt. So jedenfalls waren meine Interpretation und Erwartung an diesen Roman! Geleitet wurde ich unterschwellig von den Parallelen zu Juli Zehs Gegenwartsroman Unterleuten. Ein Buch, das ich sehr schätze, lange in mir nachwirkte und auch heute noch immer gern empfehle. Gesellschaftskritisch, in dem sich jeder irgendwie wiederfindet. Übrigens findet ihr hierzu auch eine lesenswerte Rezension auf dem Blog.

Doch wie ich schnell merkte, waren meine Erwartungen an Böttchers Das Kaff zu hochgesteckt. Es unterhält, kritische Ansätze gibt es, stehen aber nicht im Mittelpunkt. Jan Böttcher thematisiert die Rückkehr, natürlich anfänglich nur temporär gedacht, des mittelmäßig erfolgreichen Architekten Michael Schürtz in sein Heimatdorf. Die schlechte Auftragslage lässt ihm keine Wahl. So quartiert er sich für einige Wochen in das Haus seines ehemaligen, gerade verreisten Schulkameraden ein, um eine Reihenhaus-Siedlung zu bauen. Eigentlich kein Teufelswerk sollte man meinen, doch im Dorf mit seinem Geklüngel, wo jeder jeden kennt, läuft das Leben anders. So bleiben Probleme nicht aus und zu allem Übel geht auch noch was mit einer Eigentümerin der Siedlung. Der Rausschmiss seines Freundes zwingt ihn zum Einzug bei besagter Carla Mittermeier, deren Sohn er bald im Fußballverein trainiert. So reihen sich die Episoden aneinander. Kindheitserinnerungen, familiäre Aufarbeitung als auch das Zusammentreffen mit seinen Geschwistern hinterlassen Spuren. Nach und nach wird er hier wohl eine Entscheidung treffen müssen. Die lauten wird, zurück nach Berlin oder ungewollt sesshaft werden…

Jan Böttchers Roman hat mich mit seiner gewissen Prise an Witz und Ironie gut unterhalten. Er spielt mit Vorurteilen, die es in Stadt und Land zu Hauf gibt. Gern hätte ich seine Berliner Lesung, die er mit Gitarre und Gesang begleitete, erlebt. Dahingehend ist sein Talent als Singer-/Songwriter der Berliner Band „Herr Nilsson“ unbestritten. Ich könnte mir vorstellen, dass ich das Buch danach mit anderen Augen gesehen hätte. Aber wer weiß, vielleicht nehme ich es ja nochmals zur Hand.

 

Jan Böttcher - Foto Klappentext

Jan Böttcher – Foto Klappentext Buch

1973 in Lüneburg geboren, war Jan Böttcher zunächst Songtexter und Sänger der Berliner Band „Herr Nilsson“. Seit 2003 hat er fünf Romane veröffentlicht. Mit „Nachglühen“ gewann er den Ernst-Willner-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. Sein letzter Roman „Am Anfang war der Krieg zuende“ ist als Aufbau Taschenbuch lieferbar. Er lebt in Berlin.

Quelle: Aufbau Verlag

 

 

Weitere Infos:   www.aufbau-verlag.de/das-kaff.html,   www.aufbau-verlag.de/index.php/autoren/jan-bottcher-a01

Bildquelle:   Jacqueline Böttger

 

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