Jack Kerouac – Big Sur

Big SurGastrezension von Odette

Von der Selbstzerstörung eines Autors

 

Jack Kerouac

Big Sur – Die Zerstörung

FESTA, erschienen März 2017, 320 Seiten, HC 16,80 €

 

Big Sur – Die Zerstörung ist das Buch eines berühmten, aber gescheiterten Autors. Die Hauptfigur Jack Duluoz ist Jack Kerouac. In Big Sur beschreibt Kerouac autobiographisch, wie er mit dem Erfolg nicht zurechtkommt, sich betrinkt und vor der Öffentlichkeit flieht. Mit der Auszeit in der Hütte eines Freundes hofft er, seinen seelischen Zustand wieder unter Kontrolle zu bekommen. Doch die Einsamkeit hält er nicht aus und unterbricht seinen Aufenthalt zweimal um wieder nach San Francisco zurückzukehren. Hier beginnt das Spiel von vorn. Im Buch schreibt er darüber, wie er sein Geld verpulvert und mit Sex, Drogen und Freunden in den Tag hineinlebt. Während dieses Lebensabschnittes textete er keine Zeile. Unzufriedenheit und Orientierungslosigkeit bestimmen seinen Rhythmus. Der Schreibstil dokumentiert Kerouacs Gefühle. Kaum eine Idee, ein Gedanke wird weiterentwickelt. Die Zeilen lesen sich zerstückelt und nicht wirklich fesselnd. Wie in vielen Büchern, fehlte auch in Big Sur der Spannungsbogen.

Zum Ende des Buches zweifelt Jack Kerouac die Philosophie der Beatgeneration an. In der Einsamkeit an der Küste, will Kerouac neue schriftstellerische Projekte erschaffen. Er hofft ohne Alkohol und Drogen auf Kreativität. Die ersten Seiten, auf denen er die Landschaft und seinen Weg zur Hütte beschreibt, klingen vielversprechend. Man sieht den Nebel und hört den rauschenden Bach. Als Leser ist man froh, nicht mit dem Autor von den Klippen zu stürzen. Poetisch beschreibt Kerouac, wie er Vögel beobachtet. Weit weg und doch so nah fahren die Menschen in ihren Autos auf der Autobrücke über den Raton-Canyon, in dem er lebt.

 

Der Titel des Buches Big Sur – Die Zerstörung besiegelt für den Autor das Ende.

1922 wurde er in Lowell, Massachusetts geboren und verstarb 1969 in St. Petersburg, Florida. Das Buch erschien 1962. Sein schriftstellerisches Leben als Hauptvertreter der Beatgeneration startet mit dem Erfolg „On the road“. Beat bedeutet Slang, hier der Slang der Kriminellen und/oder Drogenabhängigen. Beat kann zusätzlich ebenfalls mit den Adjektiven müde und geschlagen beschrieben werden. Die Beatgeneration schließt sich an die Generation der lost-Generation an, zu der Ernest Hemingway und Scott Fitzgerald gehörten. Nachfolger der Beatgeneration waren die Hippies.

Die beiden bekanntesten Werke der Beatgeneration sind William S. Burroughs „Naked Lunch“ und Jack Kerouacs „On the Road“. Die Vertreter der Beatgeneration Allen Ginsberg und William S.Burroughs lernte Jack Kerouac als Kommilitonen an der Columbia University in New York kennen. Nach dem Studium trat der Autor erst der Handelsmarine bei, wechselt 1943 doch noch zur Navy, die ihn Jahre zuvor wegen paranoider Schizophrenie abgewiesen hatte. Kerouac reiste durch die USA, Mexiko, Nordafrika und Europa, im Gepäck: Alkohol, Drogen und sexuelle Abenteuer als Grundlagen für seine Romane.

Der Schreibstil entspricht einer sprunghaften, hektischen Umgangssprache, doch mit einem Inhalt, der sich über das gesamte Buch zieht. Dieser Stil kam bei seinen Fans und der Generation, welche provokanter als ihre Eltern sein wollten, extrem gut an. Verkörperte er doch wilde Partys, zügellosen Sex und unbegrenzten Drogenkonsum. Literaturkritiker konnte er mit seinen Texten nicht überzeugen. Die Rolle des „King of the Beats“ zerstörte sein Leben. Als sein Lebensstil zunehmend kommerzialisiert wurde, zog er sich zurück. Seiner Beerdigung wohnte Bob Dylan, der ihn auch mit dem Song „Series of Dreams“ verewigte, bei. Bis heute ist er in der Kultur lebendig.

 

Weitere Infos:   https://www.festa-verlag.de/big-sur-die-zerstoerung.html,   https://www.festa-verlag.de/kerouac-jack.html

Bildquellen:   Odette Nathke

 

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