Haruki Murakami – Die Ermordung des Commendatore II

Murakami IIGastrezension von Odette

Welt der Metaphern

 

Haruki Murakami

Die Ermordung des Commendatore II

Dumont, erschienen April 2018, 496 Seiten, HC 26,00 €

 

Langersehnt halte ich nun endlich Band II von Die Ermordung des Commendatore in der Hand. Wie auch Band I ist kommt dieser mit einer Top-Ausstattung daher, allein der blaue Farbschnitt und der blau schimmernde Folienumschlag machen ihn zu einem Sammlerstück. Beim Umblättern knistern die Seiten des Buches und spannend wird es, als der Ich-Erzähler dem Langgesicht unter die Erde folgt.

Eine Metapher?“

Ja, genau. Ein bescheidenes Sinnbild. Ein Wesen, das Dinge mit Bildern verknüpft.“  Seite 302

Stärker als im Band I, dessen Rezension ihr ebenfalls hier auf dem Blog findet, geht es um die Bedeutung einer Idee und einer Metapher. Der zweite Band beginnt im Haus des Malers in der verregneten japanischen Berglandschaft. Mit dem Porträt, welches der vom Leben enttäuschte Maler von Marie malt, ist er fast fertig. Es scheint alles ruhig. Herr „farblos“ Menshiki schafft es, dass Marie und ihre Tante Shoko ihn besuchen. Shoko ist begeistert von dem reichen und geheimnisvollen Herrn Menshiki und verliebt sich spontan in ihn.

Auf einmal passieren wieder ungewöhnliche Dinge, die damit beginnen, dass das Stäbchen mit der Glocke verschwindet. In einer geheimnisvollen Nacht erscheint der Geist des Malers Tomohiko Amada. Dieser setzt sich auf den alten Schemel und sieht sich sein Meisterwerk „Die Ermordung des Commendatore“ das letzte Mal in seinem Leben an.

Haruki Murakami - Commendatore I & IIPlötzlich verschwindet die 13-jährige Marie Akikawa. Der Suche nach Marie kann sich der namenslose 36-jährige Ich-Erzähler nicht widmen, da der Commendatore ihm vorhersagt, dass er die kommende Einladung auf keinem Fall absagen darf. Diese Einladung wird dem Commendatore dem Tod bringen, genauso wie er auf dem Gemälde abgebildet ist. Damit tötet der Maler seine Idee und begibt sich in die Welt der Metapher. Dem Strudel der Unterwelt betritt er am Sterbebett des alten Malers Masahiko. Am düsterem und nebligem Ufer trifft er den gesichtslosen Fährmann, der ihm in die Welt der Metapher übersetzt. In einem Gewirr von Höhlen sucht er den Ausgang und findet sich Tage später einsam in der Grube am Schrein neben dem Landhaus des Malers Masahiko wieder. Da seine Schwester vor Jahren ebenfalls in einem Höhlengang verschwand, hegt er die Hoffnung seine früh verstorbene Schwester wiederzufinden.

Zeitgleich mit seiner Rettung aus der Grube, kommt auch Marie zurück. Hat sie den gleichen Weg wie er genommen? Sie verschwand, doch die Erklärung für ihr Verschwinden ist recht unglaubwürdig. War Menshiki auch Zeitreisender, wie kommt der Pinguin in die Grube, ist Marie die Tochter von Menshiki und warum spielt das keine Rolle mehr, seitdem er die Tante liebt? Was soll das Gemälde mit dem Motiv „Grube“ symbolisieren? Warum bleibt die Wiener Zeit des alten Malers im Dunkeln?

Alles ist im Schwebezustand zwischen Traum und Realität. Klar, der Autor muss sein Buch nicht final auflösen. Leider bleiben viele Widersprüche, die selbst von Haruki Murakami genannt werden. Warum macht er so etwas, was will er damit bezwecken, in dem er mögliche Fehler im Plot und Aufbau selber zugibt? Dass die Reise in die Unterwelt nichts mit dem Wiederauftauchen von Marie zu tun hat, wundert. Allerdings ist dieses Kapitel sehr spannend erzählt und eines der Stärksten im Buch.

Am Ende des Buches wird klar, dass es keinen dritten Band, wie in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 17.04.2018 angedeutet, geben wird. Der Ich-Erzähler hat seinen Frieden geschlossen und wird im familiären Glück bis ans Ende seiner Tage leben. Nur eine kleine Neuerung hat sich in sein Leben geschlichen, er wird sie Kammer nennen.

Es ist nicht Haruki Murakamis stärkstes Buch, doch man kommt von ihm als Schriftsteller nicht los. Auch im Band II schreibt er sehr kurzweilig und bleibt mit Band I auf gleich hohem Niveau. Jedoch ist dieser Band deutlich märchenhafter als der Vorgänger, besonders die Schilderung von Menschen und deren Charaktere gehört zu Murakamis Stärke. Ein großes Dankschön gilt an dieser Stelle auch seiner langjährigen Übersetzerin Ursula Gräfe.

 

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© Markus Tedeskino / Ag.Focus

Haruki Murakami, 1949 in Kyoto geboren, lebte über längere Zeit in den USA und in Europa und ist der gefeierte und mit höchsten Literaturpreisen ausgezeichnete Autor zahlreicher Romane und Erzählungen. Sein Werk erscheint in deutscher Übersetzung im DuMont Buchverlag.

Quelle:   Dumont

 

Weitere Rezensionen zu Büchern von Haruki Murakami findet ihr hier auf dem Blog, darüber hinaus noch japanische Literatur wie Marion Poschmann „Die Kieferninseln“ , „Der begrabene Riese“ vom Nobelpreisträger für Literatur Kazuo Ishiguro sowie Fuminori Nakamura – Der Dieb.

 

 

Weitere Infos:   www.dumont-buchverlag.de/autor/haruki-murakami/,   www.dumont-buchverlag.de/buch/murakami-commendatore-bd-2-9783832198923/

 

Bildquellen:   Odette Nathke,   http://www.dumont-buchverlag.de/media/5/thumbnails/Murakami%20neu_55133132_web_G_648pixH_75dpi.jpg.15823.jpg

 

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