Fuminori Nakamura – Die Maske

Die MaskeGastrezension von Odette

Warum darf man nicht töten?

 

Fuminori Nakamura

Die Maske

Diogenes, erschienen Februar 2018, 352 Seiten, HC 24,00 €

 

Eine einfache Frage, auf die es nur philosophische Antworten gibt. Der Autor Fuminori Nakamura tastet sich, mit diesem 2010 in Japan erschienenen Buch, an das Thema heran. Erreicht den Höhepunkt, indem sein Protagonist die Frage stellen wird: „Warum darf man nicht töten, wenn mit diesem Mord einem Anderen geholfen wird?“.

Die Hauptfigur des Romans ist Fumihiro Kuki. Er ist der Sohn einer alten und mächtigen Familie Japans, dem Kuki-Clan. Sein Vater zeugte dieses Kind nur mit einem Ziel, um Unglück über die Menschheit zu bringen. An seinem 11. Geburtstag weiht der Vater den Sohn in sein Ziel ein. Er verrät ihm auch, dass er sich in seine Adoptivschwester Kaori verlieben wird. Indem der Vater die Liebe zu Kaori zerstört, hofft er seinen Sohn zum Geschwür zu erziehen. Fumihiro will Kaori, seine große Liebe, beschützen.

An seinem 14.Geburtstag wird er seinen Vater töten, um sich aus seinen Fesseln zu befreien. Doch diese Tat, ist die erste Tat als Geschwür. Nach dem Mord an seinem Vater versucht der Geist des Vaters in Fumihiro einzuziehen. Fumihiros Gesicht nimmt die Gesichtszüge des Vaters an. Kaori schafft es nicht, an der Liebe zu ihm festzuhalten. Aus diesem Grund unternimmt der Ich-Erzähler eine Gesichts-OP und wechselt seine Identität. Er nimmt das Gesicht von Koichi Shintari an, dessen Vergangenheit nicht näher beleuchtet wird, aber ebenfalls recht nebulös ist. Mit dem neuen Gesicht sucht er Jahre später nach seiner Jugendliebe Kaori. Fumihiros Leben in der Gegenwart wird im Buch nicht näher beschrieben. Doch er lebt mit der Schuld, seinen Vater getötet zu haben. Immer wieder stellt er sich die Frage: „Hätte er sich auch wiedersetzt, wenn er nicht in Kaori verliebt gewesen wäre und darf man aus Liebe töten?

Wie schon im Roman Der Dieb lebt der einsame, höfliche und schüchterne Held im Gangstermilieu. Das Buch verzaubert den Leser mit japanischen Esprit. Im Roman erfährt man viel über japanische Kultur und Gesellschaft. Einiges davon ist uns in der europäischen Kultur fremd, weshalb japanische oder asiatische Literatur auch ihren besonderen Reiz ausüben. Die Idee, dass ein Kind der Familie ein Geschwür wird, verspricht ein geheimnisvolles Lesevergnügen.

Es bleibt die Frage, wofür soll das Geschwür dienen und aus welchem Grund soll es aus Rache die Welt zerstören? Dahinter steckt folgende Philosophie. Wenn das Clan Oberhaupt stirbt, geht nicht nur sein Leben zu Ende, sondern es soll auch die Welt zu Ende gehen, dafür muss das Geschwür sorgen.

Fuminori Nakamuras Romane sind melancholisch und märchenhaft geschrieben. Sie besitzen ihren eigenen Charme und lesen sich teilweise, wie ein Krimi. Die Maske ist der Nachfolger des Buches Der Dieb. Der 1977 geborene Schriftsteller hat bereits fünfzehn Romane und mehrere Kurzgeschichtensammlungen in Japan veröffentlicht. In Deutschland sind bisher nur die beiden oben genannten Romane im Abstand von drei Jahren erschienen. Der Roman ist in mehrere Abschnitte unterteilt. Die etwas verschachtelte, komplizierte Erzählweise und der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart verkomplizieren den Lesefluss. Dennoch war ich von dem Buch fasziniert und kann es nur weiterempfehlen.

 

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Foto: © Sodo Kawaguchi

Fuminori Nakamura, 1977 in Tokai geboren, lebt in Tokio. Er studierte Öffentliche Verwaltung und Staatsverwaltung an der Universität Fukushima. 2003 erschien sein Debüt ›Ju‹ (»Pistole«). Inzwischen hat er in Japan über ein Dutzend Romane veröffentlicht, die in viele Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden. ›Die Maske‹ kommt 2018 in Japan ins Kino.

Quelle: Diogenes

 

Weitere Infos:   www.diogenes.ch/leser/titel/fuminori-nakamura/die-maske-9783257070217.html,   www.diogenes.ch/leser/autoren/n/fuminori-nakamura.html

Bildquellen:   Odette Nathke,   Pressebild_FuminoriNakamura_cFoto-Sodo-Kawaguchi_72dpi.jpg

 

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