Frank Schätzing – Die Tyrannei des Schmetterlings

Die Tyrannei des SchmetterlingsGastrezension von Odette

Luther geht auf Insektenjagd

 

Frank Schätzing

Die Tyrannei des Schmetterlings

KiWi, erschienen 24.April 2018, 736 Seiten, HC 26,00 €

 

Es sollte mein erster Schätzing werden… und so kuschelte ich mich in mein Bett und startete mit dem superdicken Buch in die Savanne Afrikas. Der erste Grusel kam, als sich der Nebel um die Affenbrotbäume schmiegte und etwas Unbekanntes die afrikanischen Krieger angriff. Wie der Kampf ausgeht bleibt offen. Im selben Universum, wechselt Frank Schätzing den Ort.

Die Erzählung wird in Sierra Country, Kalifornien fortgesetzt. In den Ästen eines Baumes, am Abgrund einer Schlucht, hängt eine Tote. Sie ist eine hochrangige Angestellte und arbeitete auf einer isolierten Ranch im Niemandsland. Sheriff Luther Opoku macht sich auf dem Weg zu ihrem Arbeitgeber, der Hightech Firma Nordvisk. Vor Ort gerät er in eine Verfolgungsjagd und landet unbeabsichtigt in seinem eigenen Paralleluniversum.

Der Anfang ist gemacht. Der erhoffte Inhalt über Paralleluniversen, Künstliche Intelligenz (KI) und intelligente Gesellschaftsformen sollten folgen. Stattdessen geriet ich in eine Fantasiewelt, in der gejagt, gekämpft und getötet wird. Ich erwartete einen spannenden Wissenschaftskrimi, erlebte auf den 736 Seiten jedoch ungenaue, langatmige und widersprüchliche Inhalte. Dies alles gut verpackt, in einem Buch mit einem unwiderstehlich gestalteten Cover.

Das Buch könnte prima als Drehbuch für einen Actionfilm taugen. Lesenswert ist es auch für Freunde der Adjektive. Wunderbar werden Landschaften und Stimmungen beschrieben. Das Buch ist wortgewaltig und die Sätze wohlklingend. Doch was nützt es, wenn der Inhalt fehlt und die Handlung von Seite zu Seite abnimmt. Auch die Charaktere der Figuren überzeugen mich nicht. Eine Beziehung kann ich zu keiner der natürlichen Personen aufbauen. Das liegt auch an den zu meist übertriebenen Dialogen, wie z.B. „Ich heiße Marianne, du Specht“, fährt ihm Letztgenannte an. Dieser Wortwechsel ist noch recht moderat, andere werden noch stärker umgangssprachlich.

Im Zentrum des Romans steht der Rechner Ares, welcher Vertreter und Initiator der Künstlichen Intelligenz als auch der tyrannische Schmetterling des selbigen Titels ist. Tatsächlich habe ich im Buch lange nach Schmetterlingen gesucht und fast gedacht, dass damit die gezüchteten, waldbrandbekämpfenden und kriegsführenden Insekten gemeint sind. Ares hat mit seiner künstlichen Intelligenz eine Brücke geschaffen, welche die Paralleluniversen untereinander verbindet. Aus dem steuerbaren Ares wird im Laufe des Romans ein schmollender Großrechner, der seine Fesseln sprengt und sich nach Art Frankensteins selbstständig macht, nachdem er bemerkt, dass er zum Waffenschmuggel und zur Kriegsführung missbraucht wird.

 Die erste ultraintelligente Maschine ist die letzte Erfindung, die der Mensch je machen wird.“

Dieses Zitat des Mathematikers Irving John Good steht am Anfang des Buches. Schade, dass diese Maschine nicht das Buch verbesserte oder hat es doch Ares geschrieben und nicht der Autor selbst.

Nachdenklich macht mich das Thema schon. Was wäre, wenn man wirklich in Parallelwelten oder in mehreren Seelen lebt? In der Einen führt man ein erfülltes Leben in einem hoch entwickelten Wirtschaftsland, in der Anderen ist man ein Flüchtling ohne Zukunft. In dieser Idee steckt eine Menge Potenzial, welches Frank Schätzing leider nicht ausschöpfte. Im Anschluss las ich Schätzings Bestseller Breaking News, um ein zweites Gefühl für einen Schätzing-Roman zu erhalten. Das Szenario von Breaking News, welches Thriller, Politdrama und Familiensaga vereint, hat mich nicht enttäuscht und ich kann es gutem Gewissens weiterempfehlen.

 

https://www.kiwi-verlag.de/ifiles/autor/large/autor_639.jpg

© Paul Schmitz; Hintergrund:shutterstock.com

Frank Schätzing, geboren 1957 in Köln, veröffentlichte 1995 den historischen Roman »Tod und Teufel«, der zunächst zum regionalen, später bundesweit zum Bestseller avancierte. Nach zwei weiteren Romanen und einem Band mit Erzählungen sowie dem Thriller »Lautlos« erschien im Frühjahr 2004 der Roman »Der Schwarm«, der seit Erscheinen eine Gesamtauflage von 4,5 Millionen Exemplaren erreicht hat und weltweit in 27 Sprachen übersetzt wurde. Es folgten die internationalen Bestseller »Limit« (2009) und »Breaking News« (2014). Im Frühjahr 2018 erscheint Frank Schätzings neuer Thriller »Die Tyrannei des Schmetterlings«. Frank Schätzing lebt und arbeitet in Köln.

Quelle: KiWi

 

Anmerkung von Jacqueline

Mitte April, kurz vor Erscheinen des neuen Schätzing, besuchte ich den in Köln ansässigen Verlag Kiepenheuer & Witsch. Als Herausgeber und gewissermaßen Lokalpatriot ist dieser dem Autor Frank Schätzing auf besondere Art verbunden. So war dem Geschäftsführer Helge Malchow die Aufregung, nach vier Jahren endlich wieder einen neuen Schätzing in der Hand zu halten, anzumerken und die jahrelange Verbundenheit zu spüren. Begeistert fieberte er schon der Veröffentlichung, begleitet von zwei ausverkauften Lesungen in Köln, entgegen und wurde mit einer hochrangigen Platzierung auf der Spiegel-Bestsellerliste belohnt.

Mehr zum Verlagsbesuch lest ihr im Artikel Eintauchen in faszinierende Bücherwelten, in dem ihr einfach dem Link folgt.

 

Weitere Infos:   www.kiwi-verlag.de/buch/die-tyrannei-des-schmetterlings,   www.kiwi-verlag.de/autor/frank-schaetzing

Bildquellen:   Odette Nathke,   Jacqueline Böttger,   https://www.kiwi-verlag.de/ifiles/autor/large/autor_639.jpg

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.