Christine Féret-Fleury – Das Mädchen, das in der Metro las

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Christine Féret-Fleury

Das Mädchen, das in der Metro las

DUMONT Verlag, erschienen Mai 2018, 176 Seiten, HC 18,00 €

 

In den Händen halte ich ein schmales Büchlein mit einem wunderschön gestalteten Umschlag. Zahlreiche Bücher zieren dezent das Cover, ein Augenschmaus für Buchliebhaber. Gleich zu Beginn gibt es Notizseiten, auf denen Bücher notiert werden können. Eingeteilt in Kategorien wie Bücher, die ich als Kind las, noch lesen möchte oder verschenken möchte. Auf Letztere kann ich sofort dieses Buch Das Mädchen, das in der Metro las eintragen, denn es ist eine schöne Geschenkidee, für alle die gern lesen. Die Kategorie Bücher, die mein Leben veränderten regt mich zum Nachdenken an…

Protagonistin des Buches ist Juliette, eine junge Immobilienmaklerin, die in einer Agentur arbeitet. Während ihrer täglichen Metrofahrt zur Arbeit liest sie ein Buch, welches sie allerdings seit einiger Zeit nicht weiterblättert. Sie beobachtet lieber Menschen, die ebenfalls lesen und versucht zu erkennen, welches Buch sie wählten. So begegnet ihr ein Mann mit grünem Hut, der täglich in einem alten abgegriffenen Buch über Insekten nur einige Seiten liest. Eine ältere Frau, die sie an ihre Oma erinnert, blättert in einem italienischen Kochbuch. Später wird sie Suizid begehen und Leonidas, der Mann mit dem grünen Hut, es bereuen, sie niemals angesprochen zu haben. Und da ist noch eine junge Frau, die immer auf Seite 247 ihres Liebesromans in Tränen ausbricht.

Eines Morgens steigt sie früher aus der Metro. Wählt einen anderen Weg und landet unerwartet auf dem Hof eines unscheinbaren, abgelegenen Antiquariats. Dort türmen sich Berge von Büchern, in allen Räumen und ohne erkennbares System. Mittendrin der Inhaber Soliman, der sich zur Aufgabe gemacht hat, für jedes Buch den perfekten Leser zu finden. Ein Buch, das ihr Leben verändern wird. Juliette ist von diesem Anblick gefangen. Sie liebt den Geruch von Büchern, erinnert sich sofort an ihre Kindheit als sie viel Zeit in der Buchhandlung ihres Großvaters verbringen durfte.

Das Mädchen_Metro (7)Soliman sieht in Juliette eine neue Bücherbotin, die die reisefertigen Bücher an den richtigen Empfänger bringt. Er hält nichts von modernen Konzepten wie Bookcrossing, bei denen das zufällige Aussetzen von Büchern, nach vorheriger Registrierung online verfolgt werden kann. Auch ich habe Bookcrossing ausprobiert und meine Erfahrungen sind verhalten, aber lest selbst im Beitrag Bookcrossing ein Trend für liebgewordene Bücher. Doch Soliman wählt lieber den persönlichen Weg. Seine Bücherboten sollen den richtigen Leser zu einem Buch finden. Jemanden, der genau dieses eine Buch braucht, das perfekt zu ihm passt und sein Leben positiv verändern wird. Mit einem umfangreichen Buchpaket verlässt Juliette die Buchhandlung, kehrt in ihr eintöniges Maklerleben zurück. Nur in Büchern findet sie ihre Welt und so gelingt ihr mit einem eigentlich wahllosen Griff zum Buch, sogar die Vermietung einer „Ladenhüter-Wohnung“.

Juliette ist mit ihrem Leben unzufrieden. Kein Partner an ihrer Seite, der Job füllt sie nicht aus. Aber in der Bücherwelt blüht sie auf. Nach ihrer spontanen Kündigung kehrt sie zu Soliman zurück. Dieser bittet sie, in ein leerstehendes Atelier über der Buchhandlung zu ziehen, da er für eine kurze Zeit verreisen muss und seine Tochter Zaïde eine Betreuung benötigt. Sie sagt sofort zu, beginnt mit der Sortierung der Bücher. Doch ihr fehlt ein Konzept. Dieses Problem haben fast alle Buchliebhaber gemein und unter ihnen ein kontrovers diskutiertes Thema. Interessant an dieser Stelle auch das Buch Meine vielseitigen Geliebten, welches ihr hier auf dem Blog findet.

In dieser Zeit taucht der Bücherbote Leonidas, der Mann mit dem grünen Hut, auf und unterstützt sie tatkräftig. Kurz darauf kommt die Nachricht von Solimans Tod. Zaïde muss zu ihrer Mutter zurück, die sich vor Jahren von Soliman trennte. Fortan tritt Juliette das Bücherboten-Erbe an. Sie begibt sich in einem gelben, mit Büchern vollgepackten VW-Bulli auf den Weg durch Städte und Dörfer, um die Bücher in Solimans Sinne zu den Menschen zu bringen.

Eine Geschichte wie ein Märchen! Christine Féret-Fleury schreibt feinsinnig und herzergreifend. Gespickt mit vielen Details, in denen man sich wiedererkennt und die das Herz jedes Buchliebhabers hüpfen lassen. Eine märchenhafte Kurzgeschichte über den Sinn des Lebens und die Liebe zu den Büchern. Sich einfach einlassen und genießen – für Booklover kein Problem. Ein kleiner Wermutstropfen ist der Preis, der für das kleine Büchlein doch ziemlich hoch ist. Dennoch kann ich Das Mädchen, das in der Metro las als Geschenk sehr empfehlen.

 

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© Ph. Matsas-Denoël

Christine Féret-Fleury arbeitete viele Jahre als Lektorin in einem französischen Verlagshaus, bevor sie sich dem Schreiben widmete. Sie hat mehrere Jugendbücher und Erwachsenenromane geschrieben, die prämiert und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden.

Quelle:   DUMONT

 

 

Weitere Infos:   www.dumont-buchverlag.de/buch/feret-fleury-das-maedchen-9783832189945/,    www.dumont-buchverlag.de/autor/christine-feret-fleury/

Bildquellen:   Jacqueline Böttger,  http://www.dumont-buchverlag.de/fileadmin/_processed_/csm_FERET-FLEURY_CHRISTINE_G_0f09dbd3d3.jpg

 

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