Bov Bjerg – Auerhaus

Auerhaus - Cover.jpgLebensmotto: birth – school – work – death

Bov Bjerg

Auerhaus

Blumenbar (Aufbau Verlag), erschienen Juli 2015, 240 Seiten, HC 18,00 €

 

Mit Freude nehme ich das Auerhaus zur Hand. Es verspricht eine aufregende, unbeschwerte Jugendgeschichte über sechs Teenager in einer WG zu werden. Genau das Richtige nach dem bewegenden Roman „Wir haben Raketen geangelt“ von Karen Köhler. Allein das Cover lässt mich ein wenig an meine Jugendzeit mit der damit verbundenen Achterbahn der Gefühle denken. Mit Sonne, Wolken und Regenwolken, die symbolisch für Höhen und Tiefen stehen. Mit Spannung schlage ich also den Buchdeckel, welcher in Anmutung eines Hardcovers gestaltet ist, auf und freue mich über die schöne Gestaltung, mit den sich immer wiederholenden Wolken sowie dem eingeklebten Klappentext. Eine sehr originelle Idee!

Witzig auch der Buchtitel Auerhaus, abgeleitet von dem Musiktitel „our house“ der Band Madness, aber nun zum Inhalt.

 

In gewisser Weise erwartet uns eine Geschichte über ein unbeschwertes Teenie-Leben, aber auch ein Aufbegehren gegen die Eltern, die Kleinstadt und die Gesellschaft. Höppner träumt von Berlin, will dem Wehrdienst entgehen, aber auch Verantwortung für Frieder übernehmen. Die Geschichte spielt im Westdeutschland der 80-ziger Jahre, in einem Dorf nahe Stuttgart. Sechs Jugendliche, die meisten sind Gymnasiasten und kurz vor dem Abitur, gründen eine Schüler-WG. Die Protagonisten sind der Erzähler Höppner, der Suizid gefährdete Frieder, Höppners Freundin Vera, die wohlbehütete Cäcilia aus gutem Elternhaus, der kiffende Elektriker-Azubi Harry und die labile aus der Klapse kommende Pauline.

Nach Frieders Suizidversuch und mehreren Wochen Aufenthalt im Irrenhaus beziehen die Teenager mit elterlicher Zustimmung das Haus von Frieders Großvater. Mit ihrer Unterstützung, einer Küchenkasse und Frieders immer perfekter werdenden Diebstählen, bestreiten sie ihren Lebensunterhalt und kommen gut über die Runden. Frieder, intelligent und in sich gekehrt, liest viel über Philosophie und Psychologie und sucht somit eine Erklärung für seinen Suizid-Versuch.

 

Ich wollte mich nicht umbringen. Ich wollte bloß nicht mehr leben. Ich glaube, das ist ein Unterschied.“

Quelle: Seite 65

 

Die Teenager geniessen das Leben, entdecken die erste Liebe, feiern Partys und präzisieren ihre Klautouren. Alles scheint perfekt und gerne wäre ich mittendrin im Auerhaus. ABER über allem steht immer die Angst vor einem weiteren Suizid von Frieder. Nach der großen Auerhaus-Silvesterparty, die Attraktion im Dorf, überschlagen sich die Ereignisse. Höppner, der seine Aufforderung zur Musterung stets ignorierte, wird polizeilich begleitet und bekommt seine Wehrtauglichkeit bestätigt. Nun scheint der Traum von Berlin zu platzen, hätte Frieder nicht eine Idee. Auf witzige Weise platzt Frieder in die Musterung, gibt vor seinen Schlüssel dort verloren zu haben und stiehlt Höppners Musterungsakte.

Kurze Zeit später wird das Auerhaus vom SEK aufgrund des Verdachts von Drogenbesitzes durchsucht, wobei die gestohlene Akte als auch Harrys Hashkonsum entdeckt wird. Alle Bewohner werden polizeilich registriert und kehren, bis auf Cäcilia, die von ihrem behüteten Elternhaus abgeholt wird, zurück ins Auerhaus. Auf der Heimfahrt in Harrys Ami-Schlitten entdeckt Frieder eine Waffe. Die Situation eskaliert bei einem Zusammentreffen mit der Polizei, welche ihnen eine weitere Festnahme als auch einen Sonderteil in der Lokalpresse einbringt.

Fortan war das Zusammenleben im Auerhaus beendet. Höppner rauschte durchs Abi, alle bekamen gemeinnützige Arbeit aufgebrummt und Harry, für seinen Drogenbesitz, Gefängnis auf Bewährung. Die nächste Musterungsaufforderung für Höppner rauschte ins Haus, wieder ist Frieder für ihn da!

 

Wie diese Teenager-Geschichte weitergeht, sei an dieser Stelle nicht verraten. Nur soviel…

Später schrieb Frieder in sein Tagebuch, dass die Zeit im Auerhaus, die schönste Zeit seines Lebens war!

Ein Fazit, dass ich sehr gut nachvollziehen kann, denn das Auerhaus ist einfach wunderbar!

 

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Foto: Milena Schlösser

Bov Bjerg, geboren 1965, Studium in Berlin, Amsterdam und am deutschen Literaturinstitut in Leipzig: Linguistik, Politik, Literatur. Er lebt heute in Berlin. Er gründete mehrere Lesebühnen, u.a. Dr. Seltsams Frühschoppen, Mittwochsfazit, Reformbühne Heim und Welt. Arbeitete als Schauspieler und Autor beim Kabarett und schrieb für verschiedene Zeitungen. Die Kurzgeschichte „Howyadoin“ erhielt 2004 den MDR-Literaturpreis. 2008 erschien sein Debüt „Deadline“.

Quelle:   Aufbau Verlag

 

Weitere Infos:   http://www.aufbau-verlag.de/index.php/auerhaus.html,   http://www.auerhaus.de/,   http://www.bjerg.de/index.html

Bildquellen:   http://www.bjerg.de/portrait_450.jpg,   Jacqueline Böttger – Cover

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