Banana Yoshimoto – Erinnerungen aus der Sackgasse

Banana Yoshimoto - Erinnerungen aus der SackgasseGastrezension von Odette

Glücklich aus der Krise

 

Banana Yoshimoto

Erinnerungen aus der Sackgasse

Diogenes, erschienen Mai 2018, 288 Seiten, PB 18,00 €

 

Das Leben wirft einem öfters Stöcke in den Weg, an denen man verzweifeln kann. Dass es sich lohnt nicht zu verzweifeln, zeigen diese fünf Erzählungen von Banana Yoshimoto, welche in dem Buch Erinnerungen aus der Sackgasse zusammengefasst sind. Die Kurzgeschichten befassen sich alle mit der Suche nach einer Lösung sowie der Hoffnung in einer verfahrenen Situation. Es sind persönliche Erzählungen, welche die Autorin Banana Yoshimoto kurz vor der Geburt ihres Kindes geschrieben hat. Und viele klingen, als wären sie aus ihrem Erfahrungsschatz, obwohl sie das leugnet.

Das Buch beginnt im Geisterhaus. Die Erzählung „Das Geisterhaus“ dreht sich um das Leben von Setchan und Iwakura. Beide sind Kinder von Eltern, welche traditionelle Familienrestaurants betreiben. Iwakura wohnt gemeinsam mit einem älteren Geisterehepaar in einer Wohnung. Bevor er zum Erfahrungsaustausch nach Frankreich fährt, opfern Setchan und Iwakura dem Ehepaar ein traditionelles, japanisch Reisomelett. Jahre werden beide sich nicht wiedersehen, doch diese gute Tat, wird sich für ihr späteres Leben lohnen.

Von kulinarischen Genüssen hat auch die Erzählung „Maamaa!“ zu berichten. Eine Büroangestellte findet nach einem Essensattentat Ruhe von der Hektik ihres Lebens und in der Beziehung zu ihrer Familie.

Sehr berührend ist die dritte Erzählung des Buches mit dem Titel „Überhaupt nicht warm“. Sie ist vielleicht die persönlichste Erzählung und handelt von einem Mädchen, welches in einer Buchhändlerfamilie aufwächst und in Makato, einen überirdischen Freund fand.

Die Erzählungen enden mit den Sätzen:

In der kurzen Zeit auf dieser Welt durfte ich und niemand sonst mit ihm zusammen sein, als Weggefährte in den langweiligen, zeitlosen, behaglichen Stunden der Muße, die für Makato die Glücklichsten gewesen sind – das betrachte ich bis zum heutigen Tag als Ehre.

Seite 183

In „Tomos Glück“ schreibt nicht etwa Tomo, sondern eine Schriftstellerin, die einen flüchtigen Blick auf Tomos Leben werfen durfte. Doch auch die Schriftstellerin schreibt nicht im eigentlichen Sinne selbst, sondern handelt im Auftrag einer höheren Instanz.

Die namensgebende Erzählung Erinnerungen aus der Sackgasse ist ein Bericht aus der Welt der Liebe und des geliebt werden. Nach einer enttäuschenden Liebe findet Mimi in ihrem Onkel Nishiyama und in der Wohnung über dessen Kneipe eine neue Lebensbestimmung. Banana Yoshimoto schreibt im Nachwort, dass diese Erzählung „Erinnerung aus der Sackgasse“ von allen ihren bisherigen Werken, ihr die Liebste ist.

Fazit des Buches: Es gibt immer eine Lösung! Selten ist man „Mutter Seelen“ allein. Menschen, die zu Freunden werden, können helfen. Banana Yoshimotos Charaktere finden immer eine Lösung. Ihr Motto ist: „immer fängt ein neues Leben an, wie wenn man zu einer Reise aufbricht.“ Ein Buch, was man in Lebenskrisen lesen oder verschenken sollte. Es tröstet, auch wenn es aus herzzerreißenden traurigen Lebensgeschichten besteht. Ihren wunderbaren leichten Schreibstil liebe ich sehr.

 

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Foto: © Fumiya Sawa

Banana Yoshimoto, geboren 1964, hieß ursprünglich Mahoko Yoshimoto. Ihr erstes Buch ›Kitchen‹ schrieb sie, während sie als Kellnerin in einem Café jobbte und sich dort in die Blüten der ›red banana flower‹ verliebte, daher ihr Pseudonym. Es verkaufte sich auf Anhieb millionenfach. Ihre Bücher erreichen auch außerhalb Japans ungewöhnlich hohe Auflagen.

Quelle:   Diogenes

 

Weitere Infos:   www.diogenes.ch/leser/titel/banana-yoshimoto/erinnerungen-aus-der-sackgasse-9783257300567.html,    www.diogenes.ch/leser/autoren/y/banana-yoshimoto.html   

Bildquelle:   Odette Nathke,   yoshimoto_banana_700110568_beschnitten.jpg

 

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