Auf literarischen Spuren in Berlin

Literarisches Berlin_CoverAuf literarischen Spuren in Berlin

 

Literarisches Berlin

Verlag JENA1800, erschienen 2013, 80 Seiten, TB 12,80 €

 

Mit dem Reiseführer Literarisches Berlin begab ich mich auf einen Streifzug durch meine Heimatstadt. Die Reise ging zu historischen Orten entlang der Spuren von bekannten Dichtern, Schriftstellern und Denkern, die hier lebten und Berlin prägten. Gut 100 Persönlichkeiten gibt es zu entdecken, die allerdings nicht mehr unter uns weilen. Aufgrund des Zweiten Weltkrieges und der stetigen Veränderung der Stadt sind einige Orte und Häuser heute nicht mehr vorhanden. Dennoch lohnt es sich, diese Schauplätze zu besuchen und die geschichtliche Entwicklung zu spüren.

Wie bereits im Beitrag über Literarisches Köln erwähnt, würde ich Routenvorschläge für Spaziergänge begrüßen. Diese sollten thematisch abgestimmt sein. Auch hier ist der beigefügte Stadtplan zu klein und für eine Großstadt wie Berlin mit der Fülle von Informationen sehr unübersichtlich. Wünschenswert wären auch Hinweise auf heutige literarische Einrichtungen Berlins.

Zu meinen ersten Zielen gehörte die historische Mitte Berlins. Mit dem Bebelplatz, der Allee Unter den Linden, der gegenüber liegenden Humboldt Universität zu Berlin und dem Maxim-Gorki-Theater bietet sie ein prachtvolles Ensemble. Vorbei an den Denkmälern von Alexander und Wilhelm von Humboldt (46), die sich direkt vor dem Portal der gleichnamigen Universität befinden, begegnete ich dem großen Philosophen Karl Marx (67). Sein Zitat „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“ prägt in großen goldenen Lettern das Foyer der Humboldt Universität. Lange war er nicht so populär wie im diesjährigen Jubiläumsjahr, in dem sich sein Geburtstag zum 200. Mal jährte. Die Humboldt Universität gehört zu den größten Universitäten Berlins und zeichnet sich besonders durch seine zahlreichen Gelehrten und Philosophen aus. Noch heute hat sie einen sehr guten Ruf und wird auch von internationalen Studenten gern gewählt.

Literarisches Berlin - Collage (2)Gleich nebenan vor dem schönen Maxim-Gorki-Theater trifft man auf eine Kopie einer Heinrich Heine (33) Skulptur von Waldemar Grzimek, welche im Jahr 1958 zu regen Diskussionen geführt hatte. Das bei Berlinern beliebte Theater zeichnet sich heute durch die Aufführung zeitgenössischer Stücke aus. Zur rechten Seite hin grenzt es an das Deutsche Historische Museum, welches mit seiner Dauerausstellung und regelmäßig wechselnden Sonderthemen immer einen Besuch wert ist. Vis a vis befindet sich die Staatsoper, die nach jahrelanger Restaurierung nun wieder ihren Spielbetrieb aufgenommen hat und an den historischen Bebelplatz grenzt. Hier wird mit der bewegenden Installation „Die versunkene Bibliothek“, an die am 10. Mai 1933 stattgefundene Bücherverbrennung erinnert. Mitten auf dem Platz befindet sich eine im Boden eingelassene Glasscheibe, die den Blick auf leere Bücherregale freigibt und somit ein Zeichen gegen dieses Verbrechen an die Literatur setzt. Seit einigen Jahren wird genau an diesem Standort unter dem Motto StadtLesen, ein öffentliches Statement für die Literatur gesetzt. Einen ausführlichen Beitrag zu diesem Event findet ihr unter dem Link.

 

 

Literarisches Berlin - Collage (1)Das Brecht-Haus, in der Chausseestraße 125, beherbergt heute das Literaturforum Berlin. Regelmäßig finden Ausstellungen, Lesungen und Diskussionsforen statt. Nach Voranmeldung und als Gruppe kann man die Brecht-Weigel-Gedenkstätte im Seitenflügel des Hauses besichtigen. Hier befindet sich die damalige Wohn- und Arbeitsstätte des Künstlerpaares Bertolt Brecht und seiner Frau, der Schauspielerin Helene Weigel. Ihre Grabmäler befinden sich in unmittelbarer Nähe des Hauses, auf dem an das Brecht-Haus grenzenden Dorotheenstädtischen Friedhof.

Dieser ist seit Jahrzehnten die letzte Ruhestätte für Schriftsteller, Schauspieler, Philosophen und vielen weiteren Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Neben Brecht (12) und Weigel sind auch die Gräber von Thomas Mann (66), Anna Seghers (85), Arnold Zweig (100), Christa Wolff (97) und Thomas Brasch dort zu finden. Ein ruhiger Spaziergang mit leichter Melancholie lohnt sich. Hier sieht man viele Menschen, die einfach auf den Parkbänken verweilen, die Ruhe genießen und ihren Gedanken nachgehen.

 

Sehenswert ist ebenso Bertolt Brechts Lebenswerk. Zusammen mit seiner Frau und Theaterschauspielerin Helene Weigel hat er die Berliner Kultur- und Literaturszene geprägt. So war er viele Jahre am Theater am Schiffbauerdamm, dem heutigen Berliner Ensemble BE, tätig. Ihm zu Ehren befindet sich auf dem Theatervorplatz ein Denkmal. Hier kann man direkt neben dem großen Denker auf einer Bank platznehmen. Des Weiteren zieren diesen Platz Säulen mit Brecht-Zitaten und Axel Prahl gibt via Smartphone-App etwas von Bertolt Brecht zum Besten.

Auch Theodor Fontane (21), der seine Apothekerausbildung in Berlin absolvierte, erhielt ein Denkmal im Berliner Tiergarten. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof der Französischen Gemeinde in direkter Nachbarschaft zum bereits erwähnten Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte. Inspiriert von seiner Geburtsstadt Neuruppin verfasste er zahlreiche Gedichte und Romane. Besonders bekannt machten ihn seine Wanderungen durch das Brandenburger Land. So besuchte ich gemeinsam mit meinem Literaturkreis das Dörfchen Ribbeck. Wir wanderten auf Fontanes Spuren, trafen auf den bekannten „Birnbaum“ und genossen ein sehr schmackhaftes Birnenfrühstück. Ein inspirierender Ausflug nach Ribbeck, den ich sehr empfehlen kann. Im nächsten Jahr jährt sich Theodor Fontanes Geburtstag zum 200. Mal und natürlich wird dies besonders Neuruppin (mehr Infos unter Fontane.200) gebührend feiern.

 

Eine letzte Etappe führte micLiterarisches Berlin - Collage (4)h in das heutige Berlin. So fand der gebürtige Prager Franz Kafka (52) seine große Liebe in Berlin. Die Verlobung wurde damals im Hotel „Askanischer Hof“ (leider zerstört), nahe dem Anhalter Bahnhof vis a vis dem Martin-Gropius-Bau gefeiert. In diesem Haus wurde letztes Jahr eine Ausstellung präsentiert, welche das handschriftliche Originalmanuskript von Kafkas „Der Prozess“ zeigte. Einen Beitrag zu dieser sehr beindruckenden Inszenierung findet ihr auch hier auf dem Blog.

Vorbei am Denkmal von Friedrich Schiller (84), direkt vor dem Konzerthaus am Gendarmenmarkt, gelangt man zu weiteren bedeutenden Bauwerken Berlins, welche oft in den Künstlerbiografien benannt sind. Die Akademie der Künste sowie die Staatsbibliothek Berlin prägen noch heute das Kunst- und Kulturleben der Stadt. Beide Institutionen verfügen über zwei Standorte, wobei die historische Mitte Berlins mit den Häusern Unter den Linden und am Pariser Platz von besonderer Bedeutung sind. Hier finden regelmäßig Veranstaltungen statt und auch ein Blick hinter die Kulissen der großen Berliner Bibliotheken ist mittels kostenfreier Führungen durchaus möglich.

 

 

Literatur heute

Die im Beitrag vorgestellten Orte geben nur einen kleinen Einblick in die literarischen Schauplätze Berlins. Noch zahlreiche Wohn- und Arbeitsorte der Künstler können in Literarisches Berlin entdeckt werden und geben somit viele Anregungen für ausgiebige literarische Spaziergänge durch Berlin. Wie eingangs bereits erwähnt, wären auch Hinweise auf heutige literarische Einrichtungen Berlins wünschenswert. Hier möchte ich euch noch eine kleine Auswahl wie das Literaturhaus Berlin nebst dem Käthe-Kollwitz-Museum, LCB Literarisches Colloquium und als Restaurant-Tipp die Joseph Roth Diele (82), zum Eintauchen in das alte Berlin, mit auf den Weg geben.

 

Weitere Infos:   www.jena1800.de/lieferbare-titel/literarisches-berlin

Bildquellen:   Jacqueline Böttger

 

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