Arno Geiger – Selbstporträt mit Flusspferd

Arno Geiger - Selbstporträt mit FlusspferdGastrezension von Odette

 

Wie das Matschen des Zwergflusspferdes im Schlamm

Arno Geiger

„Selbstporträt mit Flusspferd“

Hanser Literaturverlage, erschienen 02. Februar 2015, 288 Seiten, HC 19,90 EUR

 

 

So wie das Flusspferd sanft und leicht durch den Wiener Vorortgarten streift, so leicht ist der Roman „Selbstporträt mit Flusspferd“ geschrieben. Ein Roman über einen studentischen Sommer, wie man ihn vielleicht selbst erlebt hat, mit verliebt sein, Enttäuschungen, Selbstzweifel, Unzufriedenheit und Hoffnung.

 

Er beginnt mit einer verletzten Eule – eines ebenso exotischen Tieres, wie der heimlichen Hauptfigur des Romans, der Zwergflusspferdin. Julian Birk, vom Beruf Tierarzt, trifft bei der Behandlung der Eule seine Jugendliebe Judith wieder. Nur ein kurzer, informationsloser Wortwechsel, er kann der Eule nicht zur Genesung helfen und schon trennen sich ihre Wege wieder. Damals war sie die erste große Liebe für Julian. Mit ihr lebte er zwei Jahre in einer gemeinsamen Wohnung und trennte sich freundschaftlich, ohne dass es gravierende Missverständnisse gab. Deshalb auch seine Bemühungen während des Sommers irgendwie wieder mit Judith zusammen zu kommen und auch wieder nicht.

Diese Suche wird mit der Geschichte des Flusspferdes verbunden. Dieses pflegt er als Ferienjob für einen sterbenskranken, mit trockenem Humor ausgestatteten Professor. Dabei lernt er dessen undurchschaubare Tochter Aiko kennen, die sich spröde seiner Liebe entzieht und sie dann wieder fordert. Und so läuft der Roman weiter und weiter, es wird gesucht, analysiert, doch erst am Ende des Romans, der Sommer neigt sich dem Zenit entgegen, kommt es zu einem unerwarteten Ereignis. Aiko stellt fest, dass sie schwanger ist und dieses „schwanger“ liest sich wie ein Blitz im Text. Es ist nicht der Höhepunkt des Buches, sondern die Tatsache, dass Julian aus seiner Trägheit und Monotonie des Sommers gerissen wird. Aiko verschwindet recht emotionslos aus dem Buch, gemeinsam mit dem Flusspferd. Nun wird Julian aktiv und beschließt eine Entscheidung für das Leben treffen zu müssen, um nicht alles gleiten bzw. entgleiten zu lassen.

Das Ende bleibt offen und versöhnlich. Ich persönlich habe dieses kurzweilige Buch gern gelesen. In seiner Sprache spürt man die Wärme und den Verlauf des Sommers. Man stellt sich den Ort der Handlung und dessen Geräusche, wie das Matschen des Zwergflusspferdes schwerfällig im Schlamm, beim Lesen vor und spürt dabei die sorgenvollen Überlegungen von Julian.

 

LBM 2015 - Arno GeigerArno Geiger, 1968 geboren, lebt in Wolfurt und Wien. Sein Werk erscheint bei Hanser, zuletzt Alles über Sally (2009) und Der alte König in seinem Exil (2011). Er erhielt u. a. den Deutschen Buchpreis (2005), den Hebel-Preis (2008), den Hölderlin-Preis (2011) und den Literaturpreis der Adenauer-Stiftung (2011).

Quelle: Hanser Literaturverlage

 

Auf der Website von Arno Geiger könnt ihr auch ein Interview mit 5 Fragen an Arno Geiger oder „von der Schwierigkeit des Erwachsenwerdens in einer unverständlichen Welt“ lesen.

 

 

 

Weitere Infos:   www.hanser-literaturverlage.de/buch/selbstportraet-mit-flusspferd,   www.arno-geiger.de

Bildquellen:   Jacqueline Böttger – diverse

 

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