Ariel Magnus – Die Schachspieler von Buenos Aires

Ariel Magnus - Die Schachspieler vonGastrezension von Odette

Ein historisch, fiktives Romanexperiment

 

Ariel Magnus

Die Schachspieler von Buenos Aires

KiWi, erschienen Mai 2018, 336 Seiten, HC 22,00 €

 

Schach ist ein strategisches Spiel. Es geht um territoriale Eroberungen, die zum Sieg eines Königs führen. Paradox, dass genau während eines großen Länderturniers im Schach der zweite Weltkrieg ausbricht. Damit wird das Spiel in der argentinischen Hauptstadt zur politischen Angelegenheit. Länder treten während des Turniers nicht mehr gegeneinander an, befreundete Schachnationen gründen Allianzen.

Historische und fiktive Ereignisse der Schacholympiade 1939 verknüpft der Autor Ariel Magnus in Die Schachspieler von Buenos Aires. Das Buch enthält autobiographische Fakten. Der Großvater Heinz Magnus lebte zur Zeit der Schacholympiade in Buenos Aires. Als junger Mann schaffte er 1937 die Flucht mit dem Schiff von Hamburg nach Südamerika. Sein Enkel begibt sich mit diesem Buch auf Spurensuche. Ariel Magnus schreibt über das Leben in seiner Heimatstadt Buenos Aires, welche zahlreiche Emigranten aus Europa aufnahm. In Dialogen spricht der Autor mit seinem verstorbenen Großvater. Er hofft dadurch zu klären, warum der Opa sich als Katholik ausgab, obwohl er Jude war und ob die Familie mit dem Schriftsteller Stefan Zweig verwandt ist.

Eine Schachfigur in Ariel Magnus Roman ist Mirko Czentovic, der Protagonist aus Stefan Zweigs „Schachnovelle“. Der Schachgroßmeister Czentovic nutzte, wie vor allem die jüdischen Schachspieler, die Chance nach dem Ausbruch des 2. Weltkriegs in Südamerika zu bleiben. Für mich war das Buch Anlass noch einmal Stefan Zweigs „Schachnovelle“ zu lesen. Diese schrieb Stefan Zweig von 1938 und 1941 in seinem brasilianischen Exil. In beiden Rahmenhandlungen geht es um Schachspieler an Bord eines Schiffes nach Buenos Aires.

Der Roman Die Schachspieler von Buenos Aires lebt durch geschichtliche und politische Fakten und die Strategien des Schachspieles. Wer Schach spielt, wird die beschriebenen Schachzüge kennen und nachvollziehen können. Damit das Buch nicht zu Schach lastig wird, verliebt sich der Großvater des Autors in die Deutsche „unabhängige“ Schachmeisterin Sonja Graf. Es gelingt nicht vielen Autoren umfassende Quellen sinnvoll miteinander zu verbinden. Ariel Magnus möchte uns so viel auf einmal mitteilen, dass der Lesefluss ins Stocken gerät. Lange Sätze, Zitate aus Büchern und Texte aus Zeitungen verlangsamen das Lesen. Seine Sätze sind sehr verschachtelt und man muss sie mehrmals lesen. Störend sind Fußnoten, welche über mehrere Seiten gehen. Trotzdem ist das Gesamtpaket ein Lesevergnügen.

 

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© Maximiliano Luna / Telam

Ariel Magnus, geboren 1975 in Buenos Aires. Studium in Deutschland, schrieb für verschiedene Medien in Lateinamerika, die taz in Berlin und SPIEGEL ONLINE und lebt heute als Autor und literarischer Übersetzer in Buenos Aires. Er hat bislang neun Bücher veröffentlicht. 2007 wurde er für seinen Roman »Ein Chinese auf dem Fahrrad« mit dem internationalen Literaturpreis Premio La Otra Orilla ausgezeichnet. Das Buch wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt; 2010 erschien es auf Deutsch bei Kiepenheuer & Witsch. Es folgte das Porträt seiner Großmutter (»Zwei lange Unterhosen der Marke Hering«, 2012).

Quelle: Kiwi

 

Weitere Infos:  www.kiwi-verlag.de/buch/die-schachspieler-von-buenos-aires/978-3-462-05005-9/,   www.kiwi-verlag.de/autor/ariel-magnus/1266/

Bildquellen:   Odette Nathke,  https://www.kiwi-verlag.de/ifiles/autor/large/autor_1266.jpg

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