Anthony McCarten – Licht

Mc Carten - LichtGastrezension von Odette

Es werde Licht!

 

Anthony McCarten

Licht

Diogenes, erschienen März 2017, 368 Seiten, HC 24,00 €

 

Schaltet das Licht ein und lest die Geschichte über den Stromkrieg, den Kampf des ehemaligen Angestellten von Edison, Nikola Tesla, um die Vormachtstellung von Wechselstrom gegenüber Gleichstrom. Erlebt die Weiterentwicklung des Wissenschaftlers Edison, vom Erfinder zum Manager der modernen Forschungs- und Vermarktungsindustrie mit Hilfe des Investmentbankers John Pierpont Morgans. Der Höhepunkt des Wettstreites führt uns auf den elektrischen Stuhl.

Schnell merkt man, dieses Buch ist keine Nachtlektüre. Zu häufig muss man recherchieren und die gerade erfahrenen interessanten Neuigkeiten im Internet überprüfen. Dem Autor Anthony McCarten ist ein sehr wertvolles Buch gelungen. Licht ist kurzweilig und liest sich flüssig. Die Inhalte wurden gut recherchiert und enthalten eine Vielzahl von historischen und biographischen Fakten. Sicherlich bewusst mehr über Edison, als über J.P. Morgan. Beim Recherchieren habe ich herausgefunden, dass Morgan fast mit der Titanic untergegangen wäre, hätte er die Reise nicht wegen eines Geschäftstermins stornieren müssen. Im Dunkeln würden wir dennoch nicht sitzen, denn es gab den Konkurrenten Tesla. Tesla, war ein ehemaliger Angestellter von Edison. Leider erkannte Edison das Potenzial des Serben nicht. Auch Tesla nutzt einen Großindustriellen zur Förderung seiner Projekte. Dieser hieß Georg Westinghouse.

Das Buch startet mit einem Rückblick des Erfinders der Modernen Zeit. Sein Verdienst ist in erster Linie, die Entwicklung seiner Erfindungen im Bereich der Stromerzeugung, Stromverteilung und innovativer elektrischer Konsumgüter bis hin zur Marktfähigkeit. Er beleuchtete das Leben, mit längeren Arbeitszeiten, qualitativ hochwertigen Produkten und brachte uns Musik und Kino ins Wohnzimmer. 1929 wird der über 80-jährige Thomas Alva Edison von seiner zweiten Frau nach New York begleitet. In New York soll er nun endlich uneingeschränkt gewürdigt werden. Doch seines Lebens müde, steigt er an einem Zwischenstopp aus dem Zug und denkt auf einer Bahnhofsbank über sein Leben nach. Dabei trifft er einen Jungen, der nach New York möchte, um das große Geld zu verdienen, so wie er selbst vor Jahrzehnten.

Am Ende seines Lebens bedrückt ihn, dass er zahlreiche seiner Erfindungen nur weiterentwickelt hat und sich dazu noch mit dem Geschäftemacher Morgan einlassen musste. Dieser zwang ihn unter finanziellen Druck, den wissenschaftlichen Ehrenkodex zu verletzen. Statt so reich zu werden wie andere große Unternehmer seiner Zeit, kämpfte Edison immer um Kapital für seine Forschungsprojekte im Menlo Park. Trotz seiner vielen universellen Ideen, benötigten er einen Investmentbanker, um Labore und Forschungseinrichtungen finanzieren zu können. Lobbyisten aus Politik und Gesellschaft waren notwendig, um das elektrische Licht gegenüber dem Gasmonopol zu verteidigen.

Edison hat es im Leben nicht leicht gehabt und man liest aus den Sätzen des Autors heraus, dass er ein sehr eigensinniger, willensstarken Motivator seiner Zeit war. Sein Partner J.P. Morgan brillierte als einflussreicher und selbstbewusster Privatbankier. Kennengelernt habe sich beide bei einer recht amüsanten Begebenheit. Edison dachte Morgan kommt zu ihm, um seine große Nase mit elektrischem Strom behandeln zu lassen, dabei wollte er doch nur New York beleuchten. Neben dem Wissenschaftler Edison wird auch der Familienmensch Edison im Buch porträtiert. Edison war zweimal verheiratet und hatte bedingt durch die Fülle von Aufgaben praktisch nie Zeit für seine Familie. Als stark schwerhöriger Mann verständigte er sich mit seiner ersten Frau mit Hilfe des Morsealphabetes. Kompromisslos war sein Verhalten bei der Durchsetzung des Gleichstroms gegen den Wechselstrom.

Anthony McCarten schildert sachlich, wie er sich zu Tierversuchen überreden lässt, nur um die Funktionsweise des elektrischen Stuhles zu perfektionieren. Durch die Tötung eines Menschen auf dem elektrischen Stuhl will er beweisen, wie gefährlich Wechselstrom ist. Sein Konkurrenz Tesla und dessen Financier Westinghouse sollen so in Misskredit gebracht werden. Diese wilde Entschlossenheit wird von Morgan gefördert und erwartet. Neben den historischen Fakten enthält das Buch auch lustige Episoden. Zum Beispiel diese, als ein junger Bewunderer und Erfinder ihm eine automatische Kleiderverschlussvorrichtung vorstellt möchte. Edison lehnt diese Idee ab, um sie später weiterzuentwickeln. Heute nutzen wir den Reißverschluss fast täglich.

Pressebild_AnthonyMcCarten_cFoto-Privat_72dpi.jpg

Foto: © Privat

Im Buch setzt Anthony McCarten Nikolas Tesla kein Denkmal. Dieser verstarb 1943 verarmt in einem New Yorker Hotelzimmer. Umso schöner, dass der Elektroautobauer Tesla ihm mit seinem Firmennamen honoriert.

 

Anthony McCarten, geboren 1961 in New Plymouth/Neuseeland, schrieb als 25-Jähriger mit Stephen Sinclair den Theaterhit ›Ladies Night‹. Es folgten Romane und Drehbücher (u. a. zu den von ihm auch mitproduzierten internationalen Filmen ›The Theory of Everything‹ und ›Darkest Hour‹ mit Gary Oldman). Er lebt in London.

Quelle: Diogenes

 

Weitere Infos:   www.diogenes.ch/leser/titel/anthony-mccarten/licht-9783257069945.html,   www.diogenes.ch/leser/autoren/m/anthony-mccarten.html

Bildquelle:   Jacqueline Böttger,  Pressebild_AnthonyMcCarten_cFoto-Privat_72dpi.jpg

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.