Alina Bronsky – Der Zopf meiner Grossmutter

Alina Bronsky - Der Zopf.jpegGastrezension von Odette

Ein Leben zwischen den Welten

 

Alina Bronsky

Der Zopf meiner Grossmutter

KiWi, erschienen Mai 2019, 224 Seiten, HC 20,00 €

 

Maxim ist Omas Heiligtum. Sie desinfiziert ihm die Umwelt, hält ihn von Menschen fern und ernährt ihn nur mit selbstgemachten gesunden Nahrungsmitteln. Ihre Familie lässt sie zu Juden werden, nur um gemeinsam mit ihnen in das sichere Deutschland zu gelangen. Nun lebt sie mit Enkel Maxim und dem Opa in einem deutschen Wohnheim für Einwanderer aus Russland, dem ehemaligen Hotel „Sonne“. Aus diesem berichtet uns Maxim am Anfang in seiner kindlichen, altklugen Sprache. Die Erzählperspektive ändert sich mit seinem Heranwachsen. Maxim nimmt die ganze Geschichte, die er uns erzählt, mit einer sturen Gelassenheit hin. Erzählt wird aus Sicht von Maxim, die Hauptperson ist allerdings Margo, die Großmutter.

In Der Zopf meiner Grossmutter erfährt der Leser viel aus dem erlebnisreichen Leben der immer größer werdenden Patchwork Familie und ihren Freunden. Im Mittelpunkt steht die verrückte Großmutter, eine ehemalige gefeierte russische Tänzerin, mit ihrem roten Zopf. Sie schleppt Maxim, nachdem sie in Deutschland eingewandert sind, zu den Ärzten, um die Bestätigung zu erhalten, ihr Enkel ist nicht gesund. Macht sie es um ein Bleiberecht in Deutschland zu erhalten? Ein Punkt, welcher nie im Buch geklärt wird. Spätestens als die Oma den Enkel in die erste Klasse der Schule begleitet, erzählt uns Maxim, dass er nach Auswegen sucht, der Kontrolle zu entkommen. Denn anders als die Oma denkt, ist er nicht dumm oder gar lernbehindert. Erstaunt stellt er beim gemeinsamen Besuch seines Opa in einer Eisdiele fest, dass er Eis verträgt. Nun zerbröckelt die Schutzglocke, welche die Oma über ihn spannt. Das Verhalten der Oma zu ihrer Familie ist eine Zumutung. Mitleid empfindet der Leser trotzdem mit der Großmutter, auch wenn ihre raue Schale und ihr harter Kern stark übertrieben geschildert werden.

Maxims Mutter, die Tochter der Großmutter ist tot. Den Vater soll der Junge auf Wunsch der Großmutter nicht kennenlernen. Maxim ist jetzt ihr Kind. Parallel zur Entwicklung Maxims öffnet sich auch der Großvater, der wie Maxim unter den Pantoffeln der Großmutter steht. Ohne etwas zu sagen, erträgt er die Beschimpfungen, obwohl er es ist, der den Lebensstil der Familie finanziert. Nach Liebe suchend verliebt er sich in Maxims Klavierlehrerin. Um nicht die geliebten Menschen zu verlieren, arrangiert sich die Großmutter mit der Situation.

Die Autorin Alina Bronsky beginnt uns die Hintergründe und die Geschichte der Familie zu erzählen. Eine Geschichte von Kontingentflüchtlingen, deren Integration nicht gelingt, so lange sie sich nicht in die fremde Gesellschaft anpassen und wie hier Maxim in Watte packen.

Was ist mit seinen Eltern passiert? Eine der zentralen Fragen, bleibt sehr lange offen und macht das Buch spannend bis zum Schluss. Der bildhafte Schreibstil ist lustig bis makaber, rasant, humorvoll. Leider fehlt für die handelnden Personen, die nicht Maxim und Margo sind, eine ausführliche Charakterbeschreibung.

 

Alina Bronsky, geboren 1978 in Jekaterinburg/Russland, lebt seit den Neunzigerjahren in Deutschland. Ihr Debütroman »Scherbenpark« wurde zum Bestseller, gefolgt von den Romanen »Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche« und »Nenn mich einfach Superheld«. »Baba Dunjas letzte Liebe« wurde für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert und ein großer Publikumserfolg. 2019 erschien ihr neuer Roman »Der Zopf meiner Großmutter«, der ebenfalls wochenlang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste stand.

Quelle: KiWi

 

Weitere Infos:   https://www.kiwi-verlag.de/buch/der-zopf-meiner-grossmutter/978-3-462-05145-2/,   https://www.kiwi-verlag.de/autor/alina-bronsky/1218/

Bildquelle: Odette Nathke

 

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