Albrecht Vorster – Warum wir schlafen

Albrecht Vorster - Warum wir schlafen.jpgGastrezension von Vanessa

Faszinierende Erkenntnisse eines Schlafforschers

 

Albrecht Vorster

Warum wir schlafen

Heyne, erschienen Mai 2019, 416 Seiten, PB 18,00 €

 

Wir Menschen verschlafen rund ein Drittel unseres Lebens. Und das in erster Linie, weil sich unser Körper seine wohlverdiente Ruhe holt. Schlaf ist von großer Bedeutung für die Regeneration unseres Gehirns und zur Verarbeitung des Erlebten. Aktuell kann man jedoch vermehrt beobachten, dass viele Menschen unter erheblichen Schlafstörungen leiden, die einer Volkskrankheit gleichen.

Albrecht Vorster beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Schlaf und geht dabei in seinem Sachbuch mit dem Titel Warum wir schlafen verschiedenen Fragen genauer auf den Grund. Interessant ist es insbesondere deswegen, weil er einen Teil des Lebens erforscht, in dem wir uns bewusstlos unserer Umwelt hingeben. Unter sieben zentralen Kapiteln fasst er die vielfältigen Fragen und die Erklärung zahlreicher Phänomene zusammen. In den Kapiteln gibt er immer wieder Tipps, wie man seinen Schlaf optimieren und Probleme beheben kann. Dies bezieht sich spezifisch auf die zuvor aufgezeigten Schlafstörungssymptome. Er erklärt den umfangreichen Themenkomplex rund um das Schlafen wissenschaftlich fundiert und anschaulich durch Zeichnungen und Diagramme. Dabei sind viele seiner angebrachten Beispiele Beobachtungen tierischen Schlafverhaltens.

Zu Beginn erklärt Albrecht Vorster, warum Lebewesen überhaupt schlafen müssen. Dies hat damit zu tun, dass das Gehirn tagsüber Erlerntes in der Nacht am besten verarbeiten und abspeichern kann. Wenn Menschen zu wenig schlafen, gerät das Gehirn aus dem Gleichgewicht und der Körper wird krank. Zudem unterscheidet er zwischen den verschiedenen Arten von Schlaf, die Menschen zumeist nachts unterbewusst durchlaufen. Schlaf ist demnach entscheidend für die allgemeine Gesundheit und ausreichende Energie für die täglichen Aktivitäten.

Weiterhin klärt er darüber auf, welchen Einfluss die Länge und Zeit des Schlafes auf unser Wohlbefinden hat. Die innere Uhr eines jeden Menschen ist individuell. Zudem wird diese durch verschiedene externe Faktoren wie Krankheit, Zeitumstellung oder Schichtarbeit beeinflusst.

Im folgenden Kapitel findet das Thema Träumen seinen Platz. Vorster verdeutlicht hierbei die Rolle von guten und schlechten Träumen und die Fähigkeit, seine Träume mithilfe von Klarträumen aktiv bestimmen zu können. Träume bestehen sowohl aus realistischen sowie erfundenen Konstrukten, welche vom Unterbewusstsein in neue Zusammenhänge gebracht werden.

Darüber hinaus zeigt er auf, dass sich unser Schlafrhythmus im Laufe unseres Lebens erheblich verändert. Während man als Kind lang und viel schläft, schläft man als älterer Mensch tendenziell weniger fest und kürzer. Die Menge an benötigtem Schlaf ist stark abhängig von der Menge an neuer Information, die ein Individuum verarbeiten muss. Außerdem hat der Beginn der Schulzeit einen entscheidenden Einfluss auf die schulischen Leistungen der Kinder, je nach dem zu welcher Kategorie Schläfer sie gehören.

Im Kapitel „Schlecht schlafen“ verdeutlicht Albrecht Vorster mehrere Probleme, die mit einer akuten Schlaflosigkeit in Verbindung gebracht werden können. Störungen sind häufig Insomnie, Depression sowie Schlafapnoe. Dabei erwähnt er, dass diese gefährlichen Schlafstörungen durch gezielte Verhaltenstherapien verbessert werden können. Des Weiteren können Störungen im natürlichen Schlafverhalten den Körper und Geist vor große Herausforderungen stellen. Dabei spricht er das „Restless-Legs-Syndrome“ ebenso wie Narkolepsie und die vielfältigen Ausprägungen des Schlafwandelns an.

Das letzte Kapitel thematisiert, wie man seinen Schlaf beeinflussen kann. Kaffee und Tee machen unseren Körper wach und glücklich, wohingegen Schlafmittel eine eher unberechenbare Wirkung auf unseren Organismus erzielen. Während man sich durchaus in den Schlaf wiegen kann, sollte man den Mond und den Elektrosmog nicht für Schlafstörungen verantwortlich erklären.

Das kurzweilige Sachbuch Warum wir schlafen bietet umfassende Informationen zum Thema Schlaf. Hier erhält man bedeutende Anregungen und erfährt zudem viel über die biologischen Prozesse, die während des Schlafes im Körper stattfinden. Gerade in einer Gesellschaft, welche von steigendem Leistungsdruck und Überstunden im Job geprägt ist, ist es wichtig zu wissen, was guten Schlaf ausmacht und wie man sich in der Nacht optimal erholt, um tagsüber leistungsfähig und aufmerksam zu sein. Sein Appell zum Ende des Buches lautet schlicht: „Schlafen wir uns also gesund und erfolgreich“. Diesen Ratschlag sollte man sich insbesondere zu Herzen nehmen und dem Thema Schlaf in Zukunft mehr Wertschätzung entgegenbringen.

 

Albrecht Vorster, 1985 in Köln geboren, studierte Biologie und Philosophie an der Universität Freiburg sowie der Université de La Reunion. Derzeit promoviert er am Institut für medizinische Psychologie der Uni Tübingen über Gedächtnisbildung im Schlaf der Meeresschnecke Aplysia. Er ist mehrfacher Science-Slam-Gewinner. Wenn er nachts nicht gerade arbeitet oder schläft, macht Albrecht Vorster Musik, zum Beispiel in der Neurowissenschaftler-Band ‚Hippocamblues‘.

Quelle: Randomhouse

 

Weitere Infos:   https://www.randomhouse.de/Paperback/Warum-wir-schlafen/Albrecht-Vorster/Heyne/e540135.rhd, https://www.randomhouse.de/Autor/Albrecht-Vorster/p640238.rhd

Bildquellen:   Jacqueline Böttger

 

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