Ein Ausflug zum Kloster Memleben

KlostergartenGastbeitrag von Odette

Sonderausstellung WISSEN + MACHT

7. Mai bis 15.Oktober 2018

 

Draußen herrscht die Hitze des Spätsommers, Kühle findet man hinter den meterdicken Klostermauern. Seit dem Mittelalter prägen Burgen, Schlösser und Klosteranlagen das Bild der Landschaft zwischen Leipzig und Weimar. Mit den Mönchen kam der Wein. Wer mit Rad, Boot, Auto oder zu Fuß unterwegs ist, kommt an Weinbergen mit ihren Steilhängen und Weinberghäuschen vorbei. Neben der Himmelsscheibe in Nebra, ist die Straße der Romanik ein kulturgeschichtlicher Höhepunkt in Sachsen-Anhalt.

Einen Ausflug wert ist das Kloster Memleben. An diesem Ort erlebt man die Verschmelzung weltlicher und kirchlicher Macht. Die Klöster der Region waren wichtige Zentren des Glaubens, der Verwaltung, der Bildung und der Kunst. Das Kloster Memleben wurde bereits im 10. Jahrhundert gegründet. Berühmtheit erlangte es durch die Tatsache, dass es als Sterbeort König Heinrich I. (936) und Otto der Große (973) gilt. Im Gedenken an seinen Vater Kaiser Otto I stiftet Kaiser Otto II in Memleben ein Benediktinerkloster.

Die Stille des Klosters betritt man durch die Klosterpforte und steht im grünen Klostergarten. Hier umgibt den Besucher ein spiritueller Charme. Kräuter wie Galgant, die bereits Hildegard von Bingen nutzte, um Magenleiden und Verdauungsscherzen zu lindern, wachsen hier. In Schaubeeten wird das geheimnisvolle Wissen um Wurzeln und Kräutern, Frucht und Strauch angebaut.

Das Leben der Mönche stand unter dem Motto „Ora et labora!“ – „Bete und arbeite!“. Auch die Regeln des Schweigens waren Bestandteil des Tagesablaufes. Im Zyklus eines Jahres gab es einzuhaltende Fastenregeln. Wie diese funktionierten zeigen Schautafeln im Kloster.

Links vom Klostergarten befinden sich die Überreste der Monumental- und Klosterkirche aus dem 10. Jahrhundert. Daneben sind die Grundmauern der frühgotischen Marienkirche aus dem 13. Jahrhundert noch gut erhalten. Am Kopf der Kirche steigt man in die von einem jüngeren Kirchenbau noch im Original erhaltene mystische, spätromanische Krypta hinab. Im Ostflügel der Klausur wird die Ausstellung WISSEN + MACHT präsentiert. Gezeigt werden 60 Objekte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, wie zum Beispiel das älteste Objekt, eine Scheibenfibel aus dem Stadtmuseum Erfurt, aus dem 7.Jahrhundert. Das jüngste Objekt der Straße der Romanik ist die Schinkelzeichnung um 1820. 1816 schreibt Schinkel einen Bericht an seinen Auftragsgeber, das preußische Innenministerium über die Lage vor Ort und legt diese Zeichnung mit dem Motiv des Kloster Memlebens bei.

 

 

Über eine interaktive Karte erhält der Besucher einen Überblick über die Ausbreitung der verschiedenen Mönchsorte in Mitteleuropa. Ein großes Puzzle lässt die Heiratspolitik der Herrscher nachvollziehen. Die Ausstellung ist optisch sehr anregend gestaltet. Mehrere Stunden lädt sie zum Verweilen und Erkunden ein. Für Kinder und Jugendliche gibt es ein gesondertes Programm. Ein Fragebogen lässt sie die interessantesten Objekte der Ausstellung finden.

Zum Nachlesen erschien das Buch zur Ausstellung „Wissen und Macht. Der heilige Benedikt und die Ottonen“. Herausgeber sind Dr. Gabriele Köster und Andrea Knopik, Museumsleiterin Kloster und Kaiserpfalz Memleben (ISBN 978-3-7954-3297-3, Preis 34,95 €).

Die Ausstellung WISSEN + MACHT ist eine Sonderausstellung anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Straße der Romanik. Die Straße der Romanik umfasst 88 Bauwerke an 73 Orten. Neben bekannten Bauwerken, wie dem Dom in Naumburg, in Magdeburg und in Halberstadt, gibt es Schlösser wie Neuenburg, Burg Querfurt und das Kloster Jerichow zu erkunden. Mir persönlich gefielen besonders die kleinen verzauberten Dorfkirchen. Der Ausflug lässt sich gut mit dem Besuch von Weingütern der Region kombinieren. Eine gute Verknüpfung von Architektur und Kunst bietet das in der Nähe von Freyburg liegende Weingut Pawis.

 

Museum Kloster und Kaiserpfalz Memleben

Thomas-Müntzer-Straße 48

06642 Kaiserpfalz/ OT Memleben

 

Weitere Infos:   www.kloster-memleben.de,   www.kloster-memleben.de/de/sonderausstellung-2018.html

Bildquellen:   Odette Nathke

 

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