Bücherautomat „Lesestoff to go“

Bücherautomat Berlin U8 (1)Lesefreude für unterwegs

 

Bahnhof U8 Berlin-Alexanderplatz

 

Vor einiger Zeit entdeckte ich auf dem Bahnsteig der U-Bahn U8 Berlin-Alexanderplatz endlich mal einen Automaten, der mein Interesse wirklich weckte. Nicht so einer mit unzähligen Snacks, bei denen man nie weiß, wie lange die darin schon liegen. Sondern im sonnigen Gelb mit schönem Buchdesign lockte er mich an. Es ist tatsächlich ein Snackautomat, in dem ich auch eine Auswahl an geistiger Nahrung vorfinde.

Unter dem Slogan „Lesestoff to go“ sind in drei Reihen kleine Lesehefte des Labels SuKulTur, beliebte Pixi-Büchlein der „Rabe Socke“ und „Conny“-Reihe und sogar Taschenbücher zu finden. Direkt darunter platziert die üblichen Snacks und Getränke, die neben dem Lesefutter natürlich auch ihre Berechtigung haben, bei Bahn-Verspätungen gar eine Bereicherung sein können.

Noch ganz geflasht von dieser unverhofft schönen Begegnung, recherchierte ich erstmal über den „Lesestoff to go“. Unter SuKulTur erfuhr ich, dass dieses ungewöhnlich schöne Projekt bereits im Jahr 2003 in Berlin startete. Damals wurden elf Automaten mit verschiedenen Ausgaben der SuKuLTuR-Leseheftreihe „Schöner Lesen“ ausgestattet. Und laut Angabe des Verlages bisher „allein in Berlin über 100.000 Lesehefte in Süßwarenautomaten verkauft“. Diese kleinverlegerische Leistung wurde zudem im Jahr 2011 mit dem V.O.Stomps-Förderpreis der Stadt Mainz ausgezeichnet. Heute gibt es leider nur noch eine überschaubare Anzahl an Automaten. Laut der Website steht der einzige Berliner Automat auf dem Bahnsteig der U8. Sehr schade, dass sich dieses Projekt nicht durchsetzt, wo doch heute alles Erdenkliche aus Automaten gezogen werden kann. Doch es gibt Hilfe, denn die kleinen Lesehefte sind in erstaunlich großer Auswahl auch online und in ausgewählten Buchhandlungen wie dem Berliner Ocelot erhältlich.

 

 

 

Bücherautomat (4)Nun habe ich das Experiment gewagt. Mit nur zwei Euro bin ich dabei, ziehe mir eines der kleinen Lesehefte aus dem Automaten und versüße mir lesend die Heimfahrt. Gespannt auf die kleine Leseheft-Lektüre fiel meine Wahl auf Jörg Albrechts „Aber nicht überall“.

Das gelbe Design und ebenso passende Format erinnert mich sofort an die Reclam-Bücher. Und Parallelen zu diesem Klassiker sind vielleicht auch gewollt. Denn Reclam war der erste Verlag, der massentaugliche Lektüre im handlichen Format und zu erschwinglichem Preis anbot. Auch die ersten Bücherautomaten stellte der Verlag damals auf.

Einen lesenswerten Beitrag zur Geschichte des Reclam-Verlages, der inzwischen sein 150-jähriges Jubiläum feiert, könnt ihr ebenfalls hier auf dem Blog lesen. Folgt einfach diesem LINK.

 

 

 

Weitere Infos:    www.sukultur.de,   www.reclam.de

Bildquellen:   Jacqueline Böttger

2 thoughts on “Bücherautomat „Lesestoff to go“

  1. Ja, der Bücherautomat steht immer noch auf dem Bahnsteig der U8. Er ist wirklich eine Rarität, wird regelmäßig nachgefüllt und auf jeden Fall einen Besuch wert. Ich wünsche viel Spaß beim Entdecken und ein tolles Lesevergnügen!

    Liebe Grüße aus Berlin,
    Jacqueline

  2. Welch tolle Idee! Statt Automaten mit Zuckerbomben einen Bücherautomaten an so prominenter Stelle aufzustellen. Steht er dort noch immer? Beim nächsten Berlinbesuch werde ich ganz bestimmt die Augen danach offenhalten.

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