Rückblick auf die LitBlog 2019

Auf den Spuren der Zeit mit Pawlok, Goebel und Fauser

 

Wie auch in den letzten Jahren wurde uns auf der LitBlog-Convention in Köln, von den teilnehmenden Verlagen Bastei Lübbe, Diogenes, Dumont Kalenderverlag, Droemer Knaur und KiWi wieder ganztägig ein abwechslungsreiches Programm geboten. Stündlich wechselnd konnten wir zwischen fünf parallellaufenden Workshops wählen. Interessant ist wie sich Themen, die zu Beginn nicht so spannend klingen, zu überraschenden Veranstaltungen entwickeln können. So besuchte ich diesmal auch die Angebote des Dumont Kalenderverlages als auch die Tonstudios von Bastei Lübbe.

Dass man nicht oder nur selten als Schriftsteller geboren wird, zeigten die Vitas der anwesenden AutorInnen. Oft wird das Schreiben zu einer zweiten Karriere, die sich an einen abgeschlossenen Lebensabschnitt anschließt. Eindrucksvoll war dies an den Beispielen von Katrine Engberg, die nach dem Tanzen zum Thriller wechselte, und Joe Fischler, der vor seiner Autorenkarriere in einer Bank arbeitete, zu sehen.

Nachfolgend gebe ich euch einen Einblick in unseren LitBlog-Tag, der natürlich mit vielen interessanten Gesprächen unter Bloggern und Verlagskollegen abgerundet wurde.

 

Diogenes – Fauser.Lesen.Jetzt

Martha Schoknecht begeistert Blogger für Fauser

Den Anfang machte Diogenes mit „Fauser.Lesen.Jetzt“. Ehrlich gesagt war mir Jörg Fauser kein Begriff. Erstmalig begegnete er mir in der Vorschau des Diogenes Verlages, die eine Edition von drei Romanen neu auflegen. Um das „Phänomen“ Jörg Fauser kennenzulernen, besuchte ich den Diogenes Workshop von Martha Schoknecht. Hier schlug mir wahre Euphorie für Fauser entgegen. Der in jungen Jahren aufgrund eines Unfalls verstorbene Fauser stammt aus einer Künstlerfamilie und pflegte Freundschaften zur Beatgeneration insbesondere zu Charles Bukowski. Zum Thema Beatgeneration findest du einige Leseempfehlungen auf dem Blog.

Fauser war ein Romantiker mit einer tiefen Bewunderung für Frauen, die in seinen Gedichten und Romanen zum Tragen kommt. Allerdings war er auch den Drogen zugetan und hatte klare Vorstellungen wie dieses Zitat zeigt.

Ich weiß, irgendwann werde ich gedruckt und gelesen.“

Quelle: Fauser im Brief an seinen Vater, 1970

In seinen facettenreichen Wortschatz band er Ironie und Sarkasmus geschickt ein. Von anderen Autoren verehrt und oft zitiert, wurde Fauser von seinen oft prominenenten Fans auch als „Schriftsteller für Schriftsteller“ bezeichnet. Abschließend kann ich sagen, dass die Begeisterung für Fauser auf mich übergegangen ist und ich demnächst zu einem seiner Romanen greifen werde.

 

 

Dumont Kalenderverlag – Spuren der Zeit

Der Wandkalender „Spuren der Zeit“ 2020

Unter dem Titel „Spuren der Zeit“ stellte der Fotograf Werner Pawlok seine Projekte in Cuba und New Orleans vor, die jetzt als wunderbar farbenprächtige Wandkalender 2020 zu bewundern sind. Während seiner zahlreichen Aufträge für Modegrafie entwickelte er diesen Blick auf das Stille zuweilen auch Morbide von leeren Räumen. Das leer nicht gleich unbewohnt sein muss, erfuhren wir bei den kubanischen Aufnahmen, da die abgelichteten Häuser trotz ihres morbiden Charmes tatsächlich bewohnt waren.

Ein weiteres interessantes Projekt, welches Pawlok umtreibt sind Portraitaufnahmen berühmter Persönlichkeiten aus Film, Musik und Literatur. Aus dieser eindrucksvollen Serie stellte er ausgewählte Polaroid-Aufnahmen u.a. von Arnim Müller-Stahl und dem amerikanischen Autor T.C. Boyle vor. Auch in ihren Gesichtern kann man sozusagen die Spuren der Zeit ablesen, allerdings auf eine sehr ästhetische Art. Besonders an diesen Aufnahmen kann man sehen, dass Fotografie Kunst ist und trotz der vielen technischen Möglichkeiten den Freiraum für künstlerische Arbeit lässt.

 

 

 

 

Diogenes – Joey Goebel

Goebels bisherige Roman-Auswahl und sicher bald mehr…

Ursprünglich war geplant, dass Joey Goebel der in Kürze seine Lesereise in Deutschland antritt auch anwesend ist. Leider kam etwas dazwischen, doch seine Lektorin Anna von Planta die auch Größen wie John Irving und Benedict Wells unter ihren Fittichen hat, meisterte diesen Workshop perfekt. Sie eröffnete ihn mit den Worten „Joey Goebel ist eine absolut coole Socke!“ und hatte sofort alle Sympathien auf ihrer Seite.

Goebel wohnt in einer 30.000 Seelengemeinde in Kentucky, die Nähe zu Nashville erklärt für mich auch sein Interesse an Gitarren und Musik, welche er bisher nicht verlassen hat. Hier empfiehlt sich auch der Verweis zu seinem Roman Vincent, der hier auf dem Blog schon begeistert besprochen wurde. Einen amerikanischen Verlag hat Goebel nicht und die Entdeckung durch Diogenes war für beide Seiten ein echter Glücksfall.

Inzwischen hat er fünf Bücher veröffentlicht. In seinem aktuellen Buch Irgendwann wird es gut versucht er sich erstmalig an Kurzgeschichten, die sich alle um die Themen Scheitern und Einsamkeit drehen. Die Rezension zum Buch findet ihr ebenfalls hier auf dem Blog.

Abschließend wurde natürlich auch auf seine Freundschaft zu Benedict Wells eingegangen. Vor einigen Jahren lernten sich beide auf einer Lesung in Berlin kennen und entdeckten offenbar ihre Gemeinsamkeiten, die sie in ihrem literarischen Schaffen inspirieren. Wir dürfen uns wohl weiterhin auf großartige Romane und Erzählungen freuen.

 

 

Besuch des Tonstudios

Blogger beim Einlesen eines Hörbuches

In der Zeit als ich fast täglich auf deutschen Autobahnen unterwegs war, fehlte mir oft die Zeit zum Lesen und ich entdeckte Hörbücher. Auf der LitBlog, die immer im Verlagshaus von Bastei Lübbe stattfand, hatte ich nun die Gelegenheit hinter die Kulissen eines Tonstudios von Lübbe Audio zu schauen. Insgesamt vier Tonstudios stehen für Aufnahmen zur Verfügung, welche problemlos parallel belegt werden können. Jährlich werden hier rund 200 Projekte bearbeitet, die in verschiedenen Formaten wie mp3, auf CD oder digital erhältlich sind. Das Repertoire umfasst alle Genres vom Hörbuch für Kinder bis hin zum Thriller für schlaflose Nächte.

Für die Aufnahmen sind markante und empathische Stimmen gefragt. Somit sind es in erster Linie Schauspieler oder Synchronsprecher, die Hörbücher einlesen. Sie setzen ihr Talent ein, um den Protagonisten eine unverwechselbare Stimmfarbe zu geben. Das dies nicht einfach ist, konnten wir selbst beim Einlesen einer kurzen Textpassage im Dialog feststellen. Damit alles perfekt ist und keine Nebengeräusche wie Umblättern oder Räuspern zu hören sind, legen nach der Aufnahme noch die Tontechniker Hand an. Nach einer imposanten Stunde im Studio bin ich nun kein Sprachtalent, aber von dem Erlebten sehr begeistert.

 

 

The same procedure as every year!

Impressionen

Mit dem traditionellen Get-Together im Foyer und natürlich dem Besuch des Fotobullis (ein must-have) ließen wir diesen interessanten Tag ausklingen.

Wie heißt es immer so schön, nach der LitBlog ist vor der LitBlog und somit freue ich mich schon auf das Jahr 2020.

 

 

Bildquellen:   Jacqueline Böttger, Odette Nathke

4 thoughts on “Rückblick auf die LitBlog 2019

  1. Hallo Thorsten J. Pattberg,
    da wir unsere Bücher nach unseren Interessen selbst auswählen, bekommen auch Selfpublisher und kleinere Verlage wie z.B. FESTA, Verlag JENA1800 oder auch DROSTE hier ihren Platz. Solche Veranstaltungen wie die LitBlog können nur große Verlage und wie man sieht, auch nur in Kooperation miteinander realisieren. Darüber hinaus gibt es das Format „verlage besuchen“, welches ich ebenso empfehle und für jedermann zugänglich ist.
    Ein Blick hinter die Kulissen ist in jeglicher Hinsicht lohnenswert. VG, Jacqueline Böttger

  2. Hallo Mikka,
    ein Besuch der LitBlog lohnt sich tatsächlich und lässt sich wunderbar mit einer Entdeckungstour durch Köln verbinden. Bisher war das Programm abwechslungsreich. Ich hoffe, dass dies auch weiterhin so bleibt. Vielleicht sieht man sich ja 2020.
    LG, Jacqueline

  3. Sehr schöner Blogeintrag. Ich wußte gar nicht, das es einen LitBlog 2019 überhaupt gibt. Es ist schon interessant, wie die großen Verlage sich ihre Bücherblogger an Land holen, sie einbinden, einsülzen, und mit Rezensionsexemplaren versorgen. Da haben die kleineren Verlage und Indieproduktionen keine Chance, haha.
    Thorsten J. Pattberg, Autor der Lehre vom Unterschied

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