Tipps für ein florales Wochenende in Berlin und Potsdam

IGA - internationaler GartenGastbeitrag von Odette

Gegensätze ziehen sich an

Schon seit Menschengedenken sind Landschaftsgärten und Ausstellungen beliebte Ausflugsziele. In Berlin und Potsdam-Babelsberg können die Besucher Gegenwart und Vergangenheit miteinander verbinden.

 

IGA 2017 in Berlin

Mitten zwischen den Neubaublocks des Berliner Außenbezirkes Marzahn-Hellersdorf befindet sich der Landschaftspark „Gärten der Welten“. Vom 13. April bis 15. Oktober 2017 findet hier die Internationale Gartenausstellung (IGA) statt. Wie bei den meisten Gartenschauen ist es zu empfehlen, sich einen Überblick über das Gelände aus der Luft zu verschaffen. Dazu muss kein Flugzeug bestiegen werden, sondern eine Fahrt mit der Seilbahn auf den 102 Meter hohen Kienberg reicht völlig aus. Diese natürliche Erhöhung wurde beim Bau des Wohngebietes mit Bauschutt weiter erhöht und anschließend zum Naherholungsgebiet umgestaltet. Hier oben geht es noch eine Station höher. Das 20 Meter hohe Aussichtsbauwerk „Wolkenhain“ verschafft dem Besucher aus der Vogelperspektive, einen einmaligen Blick auf das Ausstellungsgelände, bevor man den schattigen Abstieg durch den Naturerfahrungsraum Kienbergwald in Angriff nimmt.

Aus dem Wald kommend, werden die Naturgeräusche immer lauter. Diese schallen von der Tälchenbrücke zu den Spaziergängern. Je näher man dem eisernen Bauwerk kommt, umso intensiver werden sie. Das Tal erreichend, betritt man die bereits vorhandene Gartenarchitektur des Geländes. Im Chinesischen „Garten des wiedergewonnenen Mondes“ oder im Japanischen Zen-Garten herrscht selbst an besucherstarken Tagen eine meditative Ruhe. Die größte asiatische Gartenanlage im Gelände, ist der koreanische Garten. Das Motto „Ein MEHR aus Farben“ leuchtet durch die Kiefernbäume und Skulpturen. Die Welt auf der IGA 2017 ist klein. Vom koreanischen Garten ist es nur ein Katzensprung zum englischen Cottage, welches inmitten von Obstwiesen und Rasenflächen liegt. Ein Muss auch die Gastronomie der IGA, welche den Gärten thematisch angepasst wurde. So wird asiatisch-mediterrane Küche serviert oder englischer Tee zur Teatime kredenzt.

 

Ein MEHR an Ausstellungsfläche

Insgesamt ist das Gartengelände 104 Hektar groß und man sollte möglichst zwei Tage einplanen, um auch die Schau ausreichend zu genießen. Unterschiedlich lange Spaziergänge, von 2,5 km bis zu 6 km durch die Gärten, sind im Angebot. Die meisten Kleingärtner werden keinen asiatischen Garten in ihrem Domizil gestalten. Damit sie trotzdem inspiriert werden, zeigen internationale Gartenkünstler ihre Gestaltungsideen in Gartenkabinetten und in Haus- und Privatgärten. Diese sind eine Mischung aus Paletten für Hochbette, Bienenparadiese, gezähmter Natur und grünes Wohnzimmer zugleich. Alles andere, aber bloß keine Spießergärten mit Gartenzwergen als Eingangsfiguren. Manche dieser internationalen IGA-Gärten würden sich auch als eine Art grüne Documenta, ein Nebenschauplatz von Athen und Kassel, gut eigenen.

Das Flüsschen Wuhle verbindet die beiden Eingänge. An ihm grasen Dülmener Wildpferde, vom Aussterben bedrohte Schafrassen und Rinder. Gleich am Anfang wurde hier ein kleines Rind geboren. Ein gutes Omen für diese Veranstaltung. Eine Schlechtwettervariante ist der Besuch der Blumenhallen. Diese werden während der IGA fast wöchentlich neu gestaltet. Ob es Pfingstrosen, Hortensien, Rhododendren, Orchideen oder europäische Bonsai-Bäume sind, jede Ausstellung hat ihren Reiz. Den Garten für das Fernweh findet man in der Tropenhalle. In dem 14 Meter hohen Gewächshaus steht inmitten eines Reisfeldes ein balinesischer Tempel. Passend zum Regen oder zum Abkühlen lohnt sich ein Besuch der Wassergärten mit seinen 5 Meter hohen Wasserfällen und Geysiren.

Was wird nach 186 Tagen bleiben? Neben den Reben der Rotweinsorte „Regent“, für mich eine der schönsten Gartenschauen der letzten Jahre und für die Zukunft ein toll gestalteter Volkspark.

 

 

Historische Landschaftsarchitektur in Babelsberg

Schloss BabelsbergDer große Gartenkünstler Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785 – 1871) sagte einst „Ein Garten solle die Fortsetzung der Schlossräume unter freien Himmel sein“. Auf der IGA steht kein Schloss. Dieses befindet sich im Landschaftsgarten der Vergangenheit, in Babelsberg. Dieser Landschaftspark wurde 1843 bis 1849 von Fürst von Pückler gestaltet. Zu seinen Ehren findet im Schloss und dem umgebenden Park eine Sonderausstellung statt.

Die Landschaftsgärtner und Landschaftsmaler legen Wert auf Sichtachsen. So sieht man bereits vom Parkplatz kommend dieses traumhafte, von Karl Friedrich Schinkel 1834 erbaute neogotische Schloss. Von Johann-Wolfgang von Goethe wurde Pückler bestärkt, seiner Leidenschaft und Liebe zur Landschaftsgärtnerei nachzugehen. Seine drei bedeutendsten Parks sind in Bad Muskau, Babelsberg und Branitz entstanden. Zu deren Gestaltung, ließ er sich von der englischen Landschaftsgestaltung inspirieren. Potsdams Babelsberg war die Sommerresidenz des preußischen Kronprinzenpaares Wilhelm und Augusta. Mit Beiden verband ihn eine jahrzehntelange Freundschaft.

Ursprünglich wurde der Park von Carl von Linné gestaltet. Doch ihm kamen einige trockene Sommer und Budgetsorgen in den Weg und Pückler nutzte die Gelegenheit, sich ins Spiel zu bringen. Natürlich umschwärmte der alternde Frauenliebhaber auch die Prinzessin Augusta. Zum Zeichen seiner Zuneigung schenkte er ihr einen Ara. Ein grellblauer Hyazinth–Ara, welcher den kaltfeuchten deutschen Schlosswinter nicht überlebte. Der Sonderausstellung dient der Vogel trotzdem als hölzerner Wegweiser auf dem Rundgang durch den Park.

Pückler baute auf Linnés Gartengestaltung auf. Er verwandelte den Park nach Aussage von Prinzessin Augusta (1811-1890) in ein lebendiges Kunstwerk mit künstlichen Wasserspielen, einem Geysir und üppigen Gartenterrassen. Aus dem kleinen Cottage, welches das Prinzenpaar im Sommer bewohnte, entstand ein Schloss. Blumenwiesen in der Nähe der Schlösser heißen bei Pückler Pleasurground. Dann folgen kultivierte Wiese und Erlebniswelten, bevor der Übergang in die Natur beginnt. Mit dem Großbaumverpflanzungswagen oder auch „Baummaschine“ genannt, könnte er heute 10 bis 20 Meter hohe Bäume aus anderen Parks verpflanzen. In das Pflanzloch wurde traditionell ein Tierkadaver eingelegt. Ab 1847 kam der Dampfbagger auf dem Anwesen zum Einsatz. Die Dampfmaschinen war es auch, welche die Sanddünen in blühende Landschaften verwandelten. Sie pumpten das Wasser auf den Babelsberg und ermöglichten so die Bewässerung.

 

 

Die Sonderausstellung

Plakat BabelsbergBevor man die Ausstellung im Schloss betritt, besucht man im Park den Gotischen Garten mit Brunnen, genießt den Blick auf die Havellandschaft, flaniert über die Goldene Terrasse mit Blumenfontäne und findet über die Rosentreppe das schwarze Meer. Blickachsen lassen das Glienicker Schloss erahnen und der Blick schweift nach Potsdam. Während der aktuellen Sonderausstellung ist es möglich das Schloss zu betreten. Die Ausstellung erzählt von der Freundschaft zur Prinzessin Augusta, von seiner Passion zur Landschaftsgärtnerei, von der Technik der Großbaumverpflanzung bis hin zum berühmten Pückler-Eis. Das Pückler Eis war nicht wirklich seine Kreation. Er hatte die Idee und im damals schon vorhandenen Café Kranzler wurde es zum Verkaufsschlager.

Die Ausstellung „Pückler Babelsberg – Der Grüne Fürst und die Kaiserin“ enthält authentische Zeugnisse wie Gemälde, Pläne und Briefe. Der Fürst war ein begnadeter Briefeschreiber und lies seine Briefe archivieren. Auch hielt sein treuer Diener und Sekretär der Zwerg Wilhelm Heinrich Masser fest, welche Personen an der Tafel saßen und woraus das Menü bestand. Gern würde ich solch einen höfischen Tag erleben. Aber keine Chance, nur noch das Eis gibt es in gut sortierten Delikatesssupermärkten.

Die Sonderausstellung kann noch bis Mitte Oktober 2017 besucht werden. Ein weiterer Besuchstipp zum Thema Pückler ist die Ausstellung im Schloss Branitz „AUGUSTA von PREUSSEN. Die Königin zu Gast in Branitz“.

 

Weitere Infos:   https://iga-berlin-2017.de/,   www.spsg.de/schloesser-gaerten/objekt/schloss-babelsberg/

Bildquellen:   Odette Nathke

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