Rock’n’Roll, love and a good book

Berliner Impressionen zur T.C. Boyle-Lesung IMAG2950_1

 

Vor einigen Jahren fanden T.C. Boyles Lesungen noch in kleinen Theatern und Off-Kinos statt. Man konnte gemütlich im Sessel sitzend, dem Vorgelesenen lauschen. Heute füllt er große Säle, tausende Fans kommen, um ihn zu sehen. Kaum sind die Lesungstermine bekannt, geht der run auf die Tickets los, welche innerhalb kurzer Zeit ausverkauft sind.

T.C. ist Kult!

 

Und dies liegt nicht allein an den bisher erschienenen Büchern des US-Amerikaners. Er ist ein Typ, mit einer zuweilen schrägen Vita, der es schafft die Massen zu begeistern. Nach Stationen als Lehrer an einer Highschool, Drogenproblemen, Begeisterung für Jazz- und Popmusik, führte ihn sein Weg schließlich zur Literatur. Als Autor und Professor für Literatur findet er seine Bestimmung. Nach den Erwartungen gefragt, welche seine Studenten an seine Seminare haben, sagt er sofort „joy“. Dies scheint, zugleich sein Geheimnis zu sein. Seine Optik spricht für sich, ganz in schwarz mit rockigem Hemd unter dem Blazer und den zum Markenzeichen gewordenen roten Chucks, verkörpert er den Rock’n’ Roll.

Mit den Worten „ich hätte den Rock’n’ Roll niemals aufgeben sollen“ begrüßte T.C. Boyle am letzten Mittwoch das begeisterte Berliner Publikum, welches ihn mit tosenden Applaus empfing. Nach Terminen in München, Köln und Hamburg, war endlich Berlin an der Reihe. Im ausverkauften rbb Sendesaal stellte er seinen neuen Roman Die Terranauten, präsentiert von radioeins in Kooperation mit dem Carl Hanser Verlag und dem Hörverlag, vor. Für den leider erkrankten Jörg Thadeusz sprang Thomas Böhm ein. Er führte uns durch diesen, aus Buchbesprechung, Lesung und interessanten Gesprächen bestehenden Abend.

 

T.C. Boyle - Die Terranauten_CoverIm Mittelpunkt stand natürlich Ecosphere 2, ein von der Außenwelt abgeschlossenes Terrarium, welches die Heimat der Terranauten wird. In diesem Roman schickt T.C. Boyle, angelehnt an ein in den frühen Neunziger Jahren im Bundesstaat Arizona (USA) durchgeführtes Experiment, ein Team von Wissenschaftlern – vier Frauen und vier Männer – auf ein Überlebenstraining. Zwei lange Jahre sollen sie das menschliche Leben unter dieser mehrere Hektar großen Glaskuppel erhalten und ihr eigenes Überleben sichern. Nachdem das erste Projekt nach nur wenigen Wochen scheiterte, muss Mission 2 nun unter allen Umständen erfolgreich sein. Von der Außenwelt getrennt und umgeben von exotischen Tieren und Pflanzen, sind die Terranauten vergleichbar einem Zoo unter ständiger Beobachtung. Zum einen von der für dieses Experiment verantwortlichen Mission Control, die jeden Schritt der Crew überwacht und medial vermarktet. Zum anderen von den zahlenden Besuchern sowie der Presse, die jedes Handeln durch die Glaswände beobachten als auch kommentieren kann. Raffiniert offenbart T.C. Boyle die stetig wachsenden Spannungen zwischen den Crew-Mitgliedern, welche unweigerlich zu Missgunst und zwischenmenschlichen Konflikten führen. Liebe, Eifersucht, Hass! Unter diesem enormen Druck zeigt sich das wahre Gesicht. So ist es nicht verwunderlich, dass auch die Moral der acht Idealisten so manches Mal auf der Strecke bleibt. (Die vollständige Rezension findet ihr unter diesem Link.

Episoden aus dem Roman las neben T.C. Boyle auch eindrucksvoll Ulrike C. Tscharre, die eine der Originalstimmen des Hörbuchs ist.

 

Signierungen T.C. BoyleIm weiteren Gespräch mit Böhm gewährte Boyle auch einige private Einblicke. So erfahren wir, dass er seiner Frau Karen, die ihn ebenfalls bei der Lesung begleitete, jeden Abend die geschriebenen Zeilen des Tages vorliest. Dies jedoch nicht, um ihre Kritik zu hören, sondern selbst den Sound des Textes zu spüren. Auch lautes Hören von Mozart-Requien tragen zu seiner Entspannung bei und entfachen seine Kreativität.

Darüber hinaus fühlt sich Boyle besonders wohl auf seinem twitter-Kanal. Er liebt es, Fotos mit oftmals nicht so ernst gemeinten Kommentaren zu twittern. Diese 140 Zeichen gefallen ihm gut, facebook dagegen ist nicht sein Ding.

Zum Ende der Veranstaltung hält sich T.C. Boyle an die Beatles und beendet den Abend mit den Worten:

„All we need is love and a good book!“

 

Es war ein toller Abend, den T.C. Bolye mit stundenlangen Signierungen für die treuen Fans beendete. Nun heißt es für mich geduldig sein und von den Erinnerungen dieses Abends als auch dem vor zwei Jahren stattgefundenen meet & great im Hanser Verlag, zu zehren.

Und mit etwas Glück, ist T.C. in zwei Jahren wieder on stage. 😉

 

 

Bildquellen:   Jacqueline Böttger

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