Ausstellung „Franz Kafka – Der ganze Prozess“

Kafka-AusstellungKlein, aber fein

Martin-Gropius-Bau Berlin

30.Juni bis 28. August 2017

 

Beim Betreten der eher kleinen Räumlichkeiten machte sich bei mir Enttäuschung breit. Die Ausstellung umfasst nur drei Räume, wobei einer zu einem kleinen Kinosaal umgestaltet wurde. Doch schnell wurde diese von stiller Begeisterung verdrängt. Nach einer kurzen Einführungstafel stand ich direkt vor den Glasvitrinen, welche Kafkas Originalaufzeichnungen zeigten. Zahlreiche, aus einem A4-formatigen Heft heraus gerissene Seiten können in Ruhe betrachtet werden.

Franz Kafka hatte eine sehr leserliche Handschrift, welche trotz zahlreicher Streichungen und Korrekturen gut lesbar ist. Dieser Anblick erinnerte mich sofort daran wie vergänglich in heutiger Zeit, das handschriftlich geschriebene Wort ist. Sämtlicher Schriftverkehr läuft über elektronische Geräte und somit verkümmert über kurz oder lang auch unsere Handschrift. In einigen Jahren werden wir bei solchen Manuskript-Ausstellungen nur noch vor ausgedrucktem Papier oder gar vor Computern stehen, um diese persönlichen Notizen zu betrachten. An dieser Stelle fällt mir unweigerlich der Ausspruch „Am Anfang war das Wort.“ ein und lässt mich etwas später im Beitrag noch einen Bogen zu Martin Luther spannen.

 

Ausstellung Luther - KafkaErgänzt wurde das Originalmanuskript von Der Prozess mit einer Foto-Ausstellung aus der Sammlung Klaus Wagenbachs. An Hand zahlreicher privater Fotos kann man das bewegte Leben Kafkas sowie seine Liebe zu Berlin und seiner Heimatstadt Prag miterleben. Besonders beeindruckt hat mich die Ausstellung der „Prozess“-Ausgaben in 60 Sprachen, welche mit Unterstützung des Goethe-Instituts ermöglicht wurde. Gleich die Erstausgabe in deutscher Sprache, posthum 1925 im Verlag Die Schmiede – Berlin erschienen, kommt eindrucksvoll in dunkelbrauner Holzgestaltung daher. Auch Kafkas Schreibmaschine „Oliver 5“ ist zu sehen.

Die Ausstellung ist besonders eindrucksvoll, wenn man bedenkt, welchen Weg dieses Manuskript nach Kafkas Tod zurück gelegt hat. Von Prag über Palästina, um schließlich in Deutschland seine Heimat zu finden. Auf Wunsch von Franz Kafka, sollte es vernichtet werden und nicht zur Veröffentlichung gelangen. Das dies dennoch geschah, haben wir seinem langjährigen Freund Max Brod zu verdanken. Er nahm das Manuskript in seine Obhut. Da Brod Kafkas letztes Werk sehr schätzte, setzte er sich über seinen Wunsch hinweg und veröffentlichte es posthum im Jahr 1925.

Nach dem Rundgang lohnt es sich, noch bei der gezeigten Orson Welles Verfilmung von „Der Prozess“ zu verweilen. Der schwarz-weiß Film mit Starbesetzung (Romy Schneider, Anthony Perkins und Jeanne Moreau) wirkt wie ein Kammerspiel und überzeugt mit seiner Emotionen einfangenden Kameraführung. Es lohnt sich, dieses Meisterwerk in Ruhe zu Hause anzuschauen. Die Ausstellung „Franz Kafka – Der ganze Prozess“ hat bei mir Begeisterung und Nachdenklichkeit zugleich hinterlassen. Als weiteren ausführlichen und mit Bildmaterial versehenen Bericht, empfehle ich euch den Beitrag von Jochen Kienbaum auf seinem Blog „lustauflesen.de“.

 

 

Der Bogen zu Luther

LuthereffektWie bereits erwähnt, möchte ich euch noch auf eine weitere Persönlichkeit aufmerksam machen – Martin Luther. Die parallel stattfindende Ausstellung „Der Luthereffekt“ wartet mit einer spektakulären Installation auf. Der Berliner Künstler Hans Peter Kuhn verwandelte den Lichthof des Martin-Gropius-Baus in ein gigantisches Kunstwerk aus Aluminiumrohren, Licht und Klang. Umgeben von leiser Musik kann man sich voll und ganz der Anziehungskraft Martin Luthers hingeben. Ob diese Ausstellung ebenso zahlreiche Besucher wie das Asisi-Panorama „Luther 1517“ in der Lutherstadt Wittenberg haben wird, bleibt abzuwarten.

Ein Besuch ist noch bis Anfang November 2017 möglich.

 

 

 

Buchhandlung Walther König

Ein abschließender Besuch der Buchhandlung Walther König im Erdgeschoss des Martin-Gropius-Baus ist natürlich ein Muss. Und so tauchten wir in diesen schönen Räumlichkeiten nochmals in die Welt der Bücher ein. Zahlreiche Buchausgaben zu den aktuellen Ausstellungen empfangen den Besucher. Besonders interessant war natürlich die Tischplatzierung des wortgewandten Franz Kafka als auch dem Urgestein Martin Luther.

 

BH Walther König (7)Wer noch nichts von Kafka gelesen hat, kann seine ersten Erfahrungen auch mit einem Hörbuch machen. Hier kann ich euch Kafka erhören empfehlen.

Um mehr über das Leben und Wirken von Franz Kafka zu erfahrenen, bietet sich die gut recherchierte Website Kafka & Prag an. Auf diesem Literaturportal und Online-Reiseführer könnt ihr seinen Lebensweg verfolgen, dem anschließenden Wunsch einmal Prag zu besuchen inklusive.

 

In diesem Sinne: 🙂

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.
Franz Kafka

 

Weitere Infos:   www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/gropiusbau/programm_mgb/mgb17_franz_kafka,   http://www.kafka-prag.de/startseite.html,   www.franzkafka.de/franzkafka/home/

Bildquellen:   Jacqueline Böttger

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