Fabio Geda – Im Meer schwimmen Krokodile

http://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila_hires/Geda_FIm_Meer_schwimmen_Krokodile__129651.jpgGastrezension von Odette

Ein wahres Schicksal

 

Fabio Geda

Im Meer schwimmen Krokodile

Random House (cbj), Jugendbuch ab 12 Jahren, erschienen März 2013, TB 8,99 €

 

Das Buch Im Meer schwimmen Krokodile von Fabio Geda hilft, den Flüchtlingsstrom der Menschen aus Afghanistan zu verstehen. Unter diesen Tausenden sind bestimmt einige Hunderte, welche das Schicksal von Enaiat teilen. Beim Start der Odyssee ist er ungefähr 10 Jahre alt, sein genaues Geburtsjahr kennt er nicht. Als Gründe für seine Flucht gibt er an, dass seine Mutter ihn vor den Taliban verstecken musste, da sein Vater Transportdienstleistungen für diese übernommen hatte und dabei ums Leben kam. Nun soll sein Sohn als Geisel, den Verlust für die Taliban abarbeiten.

 

Seine Mutter sieht für ihn nur noch eine Zukunft im Ausland und bringt ihn in eine Sammelunterkunft nach Pakistan. In der Nacht verlässt sie Enaiat ohne eine richtige Verabschiedung in der Nacht. Gibt ihm drei Dinge auf, die er im Leben nie tun soll: 1. Drogen nehmen, 2. Waffen benutzen und 3. Stehlen. Schnell erkennt Enaiat, dass er in seinem Leben nur mit Arbeit weiterkommt, um Freunde und Hilfe zu finden. So beginnt er sein Arbeitsleben mit Botendiensten, als Straßenverkäufer und Schuhverkäufer, bevor er den ersten großen Schritt wagt und in den Iran flieht. Einen Schlepper kann er nicht bezahlen, doch auch dafür gibt es ein perfides System. Er bekommt den Grenzübergang kostenlos und muss ihn als Hilfskraft auf dem Bau abarbeiten. Bei Razzien gegen illegale Arbeit und Flüchtlinge wird er mehrmals geschnappt, abgeschoben und kommt auf dem selben Weg wieder zurück.

Deutlich wird hier beschrieben, was sich für ein korrupter Geschäftszweig zwischen Polizei und Schleppern entwickelt hat. Trotzdem schafft er es, Geld zu sparen, selbst das ist im Flüchtlingslebenslauf eingeplant. Die Flüchtlinge werden nicht auf ewig auf den Baustellen arbeiten können, irgendwann zieht es sie weiter. Sie beginnen die Flucht als Kinder, aus ihnen werden Jugendliche, welche ein eigenständiges Leben führen wollen. In Fall von Enaiat, denkt er erstaunlich wenig an seine Familie in Afghanistan zurück, sendet auch kein Geld nach Hause zu seinen Geschwistern. Begründet wird dies mit den Strapazen und dem Stress unter dem er steht. Nach dem Arbeitsaufenthalt im Iran beginnt nun die Flucht über die Türkei und Griechenland nach Europa. Enaiat folgt der klassischen Fluchtroute und der Leser erfährt, was die Flüchtlinge bei der Flucht erwartet und welche Risiken sie eingehen müssen. Spätestens hier lassen sich die drei Dinge, die er seiner Mutter versprach nicht mehr umsetzten. Auf seiner Flucht erlebt er die Überfahrt von der Türkei mit einen Schlauchboot auf die griechische Insel Lesbos. Dabei ertrinkt ein Freund.

 

Ist das ein Klischee oder ist die Gefahr prozentual doch so hoch? Die Gruppe von Flüchtlingen überlegt vorher noch, ob es im Meer Krokodile gibt. Denn wer nicht schwimmen kann, weiß auch nicht, dass es im Mittelmeer keine Krokodile gibt. Der Titel des Buches wurde nach dem Inhalt dieses Gespräches im Schlauchboot gewählt. Stilistisch sind mit dem Begriff Krokodile die Schlepper gemeint, die nach der Bezahlung, die Menschen einfach den Gefahren des Meeres überlassen.

Auf Lesbos erfahren wir, warum Flüchtlinge frische und saubere Sachen benötigen. So getarnt als Touristen ist es einfacher, einen Platz auf den Fähren zu ergattern. In Italien angekommen, hilft ihm das afghanische Netzwerk sich zu integrieren. Er besucht die Schule und beginnt eine Ausbildung. Allerdings fragte ich mich beim Lesen, ob Enaiat wirklich so viel Glück hatte oder etwas positive Erfindung zum Abschluss der Erzählung notwendig war.

Etwa fünf Jahre nach dem seine Mutter ihn im Pakistan verlassen hatte, stellt er den telefonischen Kontakt wieder her. Das Buch endet kurz nach seinem 21. Geburtstag. Enaiat erfährt, dass seine Mutter auch die Flucht wagte, doch es gibt im Meer Krokodile. Sie wird nie in Europa ankommen.

 

Klar, das Buch ist keine Anleitung zur Flucht und beschreibt diese für uns Europäer etwas zu verständnisvoll. Es beruht auf einem Tatsachenbericht des afghanischen Flüchtlings Enaiatollah Akbari, den der Autor Geda bei einer Lesung kennen lernt. Das Buch ist kurzweilig und spannend geschrieben. Es wird mit einfachen Mitteln erzählt, denn auf der Flucht weichen Gefühle dem Überlebenskampf.

 

http://d.gr-assets.com/authors/1372540517p5/3501490.jpgFabio Geda, 1972 in Turin geboren, arbeitete viele Jahre mit Jugendlichen und schrieb für Zeitungen. Bereits sein erster Roman „Emils wundersame Reise“ war in Italien ein Überraschungserfolg; das Buch „Im Meer schwimmen Krokodile“ brachte ihm auch international den Durchbruch.

Quelle: Random House

 

 

Weitere Infos: www.randomhouse.de/Taschenbuch/Im-Meer-schwimmen-Krokodile-Eine-wahre-Geschichte/Fabio-Geda/e429411.rhd

Bildquelle: http://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila_hires/Geda_FIm_Meer_schwimmen_Krokodile__129651.jpg, http://d.gr-assets.com/authors/1372540517p5/3501490.jpg

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