Yelena Akhtiorskaya – Der Sommer mit Pasha

der-sommer-mit-pashaGastrezension von Odette

Einmal Amerika und zurück

 

Yelena Akhtiorskaya

Der Sommer mit Pasha

Rowohlt Verlag, erschienen Januar 2016, 380 Seiten, HC 19,95 €

 

Hollywood (Amerika) ist ein unkünstlerisches Land, da kriegste Alles, kannste Alles kaufen, bloß keine Kunst.“

Zitat: Heinrich George

Kann sich Pasha deshalb nicht entscheiden, Odessa am Schwarzen Meer mit Little Odessa, Brighton Beach in New York, zu tauschen. Pasha ist ein typischer russischer Dichterfürst. 1956 geboren, ist er von Natur aus kränklich und blass. Propheten wie ihm, ist es nicht bestimmt gesund zu sein. Statt wie seine literarischen Vorbilder in Sanatorien und Kurhäusern über die Schwere des Lebens nachzudenken, kann er sich nicht für ein Leben außerhalb Russlands bei seiner schwerkranken Mutter und seiner Familie in Amerika begeistern. Ach, sein Leben ist zu modern und zu hektisch, am liebsten wäre er sowieso ein halbes Jahrhundert früher als Adliger zur Welt gekommen. Zu der Zeit, wo die Boheme noch über das Leben philosophierte.

 

Heimatliebe

Vorerst bleibt Pasha in seiner Heimat, obwohl reiche russischen Freunde und der komplette Teil seiner Familie die ruinöse Wirtschaftslage zum Anlass nahmen, nach Amerika zu emigrieren. Witziger weise sind diese, obwohl sie Pasha bei sich in der neuen Heimat begrüßen möchten, froh darüber, dass er die Brücke zu ihrer Heimat offen hält. Russland ist für sie noch Heimat und der Trottel Pasha kann ihnen über die liebgewordenen Hinterlassenschaften wie z.B. der Datsche berichten. Stundenlange einseitige Gespräche werden mit dem zurückgebliebenen Sohn in der Heimat geführt und regelmäßige Besuche Pashas in Brighton Beach, einem Stadtteil von New York, folgen. In Amerika indessen werden für Pasha Urlaube organisiert und an seiner beruflichen Zukunft gefeilt.

Ukrainische Familien besitzen Temperament im Überfluss, so auch Pashas Familie. Er ist der Sohn von Robert und Esther. Marina ist seine Schwester, die eifrig zahlreiche Jobs in Amerika gleichzeitig abarbeitet, um die Familie über Wasser zu halten. Mit ihren Eltern, ihrem Mann Levik und Tochter Frida, ist sie nach Amerika ausgewandert. Die Familie ist zwar jüdischen Ursprungs, praktiziert ihren Glauben jedoch nicht. Pasha hingegen konvertiert zu Ehren der großen Dichterfürsten zum christlich orthodoxen Glauben und trägt deutlich sichtbar ein großes silbernes Kreuz. Pasha ist verheiratet und hat einen Sohn Sanja. Mit seiner Frau und ihrer Mutter lebt er in einer kleinen, heruntergekommenen Wohnung in Odessa. Erst als sich die gesundheitliche Lage seiner Mutter zuspitzt, steht er kurz davor ein Aufenthaltsvisum für Amerika zu beantragen, doch sie stirbt und Pasha hat den Antrag versemmelt. 1993 endet der erste Teil des Buches.

 

Auf der Suche nach den Wurzeln

Der zweite Teil spielt im Jahr 2008. Als die inzwischen erwachsen gewordene Nichte Frida ihren einzigen Cousin Sanja, zu dessen Hochzeit besuchen will. Sie sucht ihre Wurzeln, ein Phänomen, welches häufig bei der zweiten Generation der Migranten zu beobachten ist. Frida ist zwar in Amerika angekommen, ist klug und studiert Medizin, doch sie bleibt eine Ukrainerin. Sie steckt in einer Lebenskrise und der Hauch des mittlerweile als Schriftsteller berühmten Onkels, lässt sie den Flug in ihre Heimat antreten. Doch Schriftstelleronkels wie Pasha, holen ihre Nichten nicht vom Flughafen ab oder verbringen Zeit mit ihnen. Sie sind mit Denken beschäftigt und reisen lieber zu Literaturfestivals. Frida ist in ihrer alten, neuen Heimat auf sich gestellt und hat selbst Zeit über ihr bisheriges Leben nachzudenken. Nachdenken tut auch Sanja und sagt erst seine Hochzeit ab und später wieder zu. Die Handlung wird ziemlich skurril und spielt auf den letzten Seiten des Buches sogar noch, in der von allen geliebten Datsche. Die allerdings durch Pashas Ex-Frau, nun endgültig dem Untergang geweiht ist.

Schlussendlich verlängert Frida ihren Urlaub auf unbestimmte Zeit und möchte eine Biographie über ihren Onkel Pasha veröffentlichen. Hier liegt der Verdacht autobiografischer Züge des Romans nah. Die Autorin Yelena Akhtiorskaya begab sich ebenso wie Frida auf die Suche nach ihren Wurzeln sowie der russischen Nostalgie. Diese persönlichen Erfahrungen lässt sie in ihr Romandebüt einfließen.

 

https://static01.nyt.com/images/2014/08/07/arts/book/book-videoSixteenByNine600.jpgYelena Akhtiorskaya wurde 1985 in Odessa geboren. Als sie sieben Jahre alt war, wanderte ihre Familie in die USA aus und siedelte sich in Brighton Beach/Brooklyn, genannt «Little Odessa», an. Yelena Akhtiorskaya studierte an der New Yorker Columbia University, ihre Texte erschienen in verschiedenen Zeitschriften. Ihr Romandebüt «Der Sommer mit Pasha» war in den USA 2014 ein großer Erfolg und brachte die Autorin auf die Bestenliste «5 under 35» des National Book Award.

Quelle: Rowohlt

 

Weitere Infos:   http://www.rowohlt.de/hardcover/yelena-akhtiorskaya-der-sommer-mit-pasha.html, http://www.rowohlt.de/autor/yelena-akthiorskaya.html

Bildquellen:  Jacqueline Böttger – Cover,   https://static01.nyt.com/images/2014/08/07/arts/book/book-videoSixteenByNine600.jpg

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