Volker Kutscher – MOABIT

MOABIT (17)Berlin in den Goldenen Zwanzigern

 

Volker Kutscher

MOABIT

illustriert von Kat Menschik

Galiani Berlin, erschienen 05.10.2017, 88 Seiten, Leinen 18,00 €

 

Zunächst muss ich euch erzählen, dass dieser wunderbar illustrierte Roman für mich eine Vorgeschichte hat, ohne die ich wahrscheinlich niemals auf das Buch aufmerksam geworden wäre. Wie bereits berichtet, besuchte ich auf der diesjährigen LBC LitBlog Convention einen Workshop zum Thema „Buchherstellung“. Dort wurden wir am Beispiel von Twin Peaks und MOABIT in die Interna einbezogen und konnten bei der Farbwahl für Vorsatzpapier und Einband mitentscheiden. Schon damals war ich von der Gestaltung, die unverkennbar die Handschrift von Kat Menschik trägt, begeistert. Nun halte ich das kleine Meisterstück der Buch- und Schreibkunst endlich in der Hand.

 

Die Geschichte selbst ist schnell erzählt. Sie bildet somit den Einstieg in die bereits erschienenen Kriminalromane von Volker Kutscher. Für Hauptfigur Kommissar Gereon Rath ist Charlotte Ritter die große Liebe, deren Vorleben wir hier kennen lernen. Die neunzehnjährige Charlotte Ritter, genannt Lotte, ist die Tochter des Wärters Christian Ritter, der als Oberaufseher in der Haftanstalt Moabit tätig ist. Wie damals üblich grenzt seine Dienstwohnung direkt an das Gefängnis. Somit wächst Charlotte in diesem ungewöhnlichen Umfeld auf. Ihr Vater versucht alles, um seine Familie vom Haftalltag zu verschonen. Doch eine Prügelei zwischen dem „Schränker“ Adolf Winkler, dem Chef des Ringvereins Berolina, und dem Mithäftling Anton Bruck, nimmt nach Ritters Einschreiten einen tödlichen Ausgang. Dekadent und freizügig geht es in den Bars und Nachtclubs zu. Krumme Geschäfte wie Einbrüche, Schutzgelder bis hin zur Prostitution gehören zum Alltag der Goldenen Zwanziger in Berlin. Auch bei diesem Zwischenfall scheinen die Hintergründe klar und die Polizei ermittelt. Doch als Bruck stirbt, schaltet sich schließlich die Mordinspektion ein. Wärter Ritter gerät ins Visier des Kommissars bis eine Explosion die Situation jäh verändert. Nach diesen tiefgreifenden Erlebnissen wird Charlotte zur selbstbewussten Charly und tritt ihre Stelle als Stenotypistin in der Berliner Mordinspektion an.

Unterm Strich ist MOABIT eine liebevoll illustrierte Kurzgeschichte. Bildhaft und sehr detailreich entführt uns Kat Menschik in das Berlin der Zwanziger Jahre. Die Grafiken und Illustrationen zeigen mir als Berlinerin bekannte Orte wie die Haftanstalt Moabit und den Lehrter Bahnhof (Hauptbahnhof), die heute noch existieren. Somit ist dies gleichzeitig eine kleine Zeitreise als auch kurzer Geschichtsexkurs. Das Buch selbst ist ein haptisches Erlebnis, eine Farbharmonie in Türkis und Orange mit dreiseitigem Farbschnitt. Wenn man mit der Hand über den Leineneinband gleitet, spürt man die geprägten Motive. Dahinter verbergen sich passenderweise das Portrait von Charly Ritter, mit ihren wunderbar durchdringenden Augen, sowie der damalige Stadtplan des Berliner Stadtteils Moabit. Somit ist man beim Lesen immer mittendrin und kann sich zwischendurch auch mal an der Lage der Handlungsorte orientieren.

 

 

Für die Gereon-Rath-Fans ist MOABIT eine nette Vorgeschichte zu den mittlerweile sechs Romanen, welche zudem in der internationalen Fernsehproduktion „Babylon Berlin“ (Start 13.10.17 auf sky) verfilmt wurden. Kat Menschik-Fans erhalten mit MOABIT ein weiteres Meisterwerk ihres grafischen Talentes. Volker Kutscher hat MOABIT eigens für Kat Menschiks aktuelle Serie „Lieblingsbücher“ geschrieben. Es ist das vierte Buch, welches von ihr aufwändig und außergewöhnlich gestaltetet wurde. Zur Serie gehören Klassiker wie Shakespeares „Romeo und Julia“, Kafkas „Der Landarzt“ und E.T.A. Hoffmanns „Die Bergwerke zu Falun“. Jeder Band wartet mit einer ihm eigenen Bildsprache, ungewöhnlichen Materialien und besonderer Ausstattung auf. Erschienen sind diese Meisterwerke bei Galiani Berlin. Die Serie wird laufend fortgesetzt.

 

http://www.galiani.de/ifiles/autor/large/autor_1188.jpg

Foto: Monika Sandel

Volker Kutscher, geboren 1962, arbeitete nach dem Studium der Germanistik, Philosophie und Geschichte zunächst als Tageszeitungsredakteur, bevor er seinen ersten Kriminalroman schrieb. Heute lebt er als freier Autor in Köln. Mit dem Roman »Der nasse Fisch«, dem Auftakt seiner Krimiserie um Kommissar Rath im Berlin der Dreißigerjahre, gelang ihm auf Anhieb ein Bestseller, dem bisher fünf weitere folgten. Die Reihe ist die Vorlage für die internationale Fernsehproduktion »Babylon Berlin«.

Quelle: Galiani Berlin

 

http://www.galiani.de/ifiles/autor/large/autor_1481.jpg

Foto: Kat Menschik

Kat Menschik ist freie Illustratorin. Sie gibt dem Feuilleton der FAZ die optische Prägung, diverse von ihr illustrierte Bände erlangten Kultstatus, u. a. Haruki Murakamis Schlaf. Zahlreiche ihrer Bücher bekamen Auszeichnungen als schönste Bücher des Jahres. Bei Galiani sind erschienen: Der Mordbrand von Örnolfsdalur und andere Isländersagas (2011) sowie Kalevala (2014), Der goldene Grubber. Von großen Momenten und kleinen Niederlagen im Gartenjahr (2014), Shakespeares Romeo und Julia (2016) und Kafkas Ein Landarzt (2016).

Quelle: Galiani Berlin

 

Weitere Infos:   http://www.galiani.de/buch/volker-kutscher-moabit/978-3-86971-155-3/http://www.galiani.de/autor/volker-kutscher/1188/,

Bildquellen:   Jacqueline Böttger,   http://www.galiani.de/ifiles/autor/large/autor_1188.jpg,   http://www.galiani.de/ifiles/autor/large/autor_1481.jpg

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.