T.C. Boyle – Grün ist die Hoffnung

T.C.Boyle - Grün ist die HoffnungGastrezension von Odette

Versuch macht klug oder auch nicht

 

T.C. Boyle

Grün ist die Hoffnung

Hanser Literaturverlage, in neuer Übersetzung erschienen Februar 2016, 384 Seiten, HC 24,90 €

 

Nein, dieses Buch ist keine Anleitung zum Anbau von Hanf. Und Felix Nasmyth ist auch kein Experte für die Aufzucht von Marihuana, noch nicht mal ein richtiger Gangster. Die ganze Zeit fühlt er sich schuldig, doch in der Umgebung ist der Gras-Anbau ein Kavaliersdelikt, bei dem man sogar die Polizei schmiert, was er allerdings erst später erfährt.

Hätte das Felix gewusst, wären ihm die neun Monate im Sommercamp wahrscheinlich leichter gefallen. So hat er permanent ein schlechtes Gewissen, macht sich Sorgen um seine Freunde Phil und Gesh, die er mit in das Abenteuer einbezogen hat. Er selbst ist ein Experte für das Davonlaufen, gesellschaftlichen Aktivitäten kehrt er schon frühzeitig den Rücken, das Studium hat er abgebrochen und nach der Heirat fand er die Scheidung als sofortigen Ausweg am besten. Felix wirkt unsicher, schüchtern und ist wahrlich nicht der derbe Draufgänger. Aber nun hat er beschlossen, mal etwas durchzuziehen und mit 199.999 Dollar so richtig reich zu werden. Seinen Freunden geht es nicht anders, auch sie sind gescheiterte Existenzen und erhoffen sich, mit dem Gewinn aus dem Gras-Verkauf ein neues Leben aufzubauen. Auf die Idee mit dem Hanfanbau wären sie nie gekommen, doch Felix hat da ein Netzwerk, bestehend aus seinem Kumpel Vogelsang und dem Botaniker Dows.

 

Grün, wie die T.C. Boyle-Fans diesen Roman liebevoll nennen, ist jetzt in neuer deutscher Übersetzung von Dirk van Gunsteren erschienen. Da ich die erste Übersetzung von Werner Richter nicht gelesen habe, möchte ich mich nicht zur Übersetzung, sondern nur zum Romaninhalt äußern. Wenn man wie ich viele Bücher von T.C. Boyle gelesen hat, bekommt man ein Feeling für seine Gedanken. Ich habe mir das Buch nicht nur wegen der Umschlagsgestaltung gekauft. In erster Linie passt es zu den Themen seiner Romane San Miguel und Hart auf Hart (hierzu findet ihr ebenfalls eine Rezension auf dem Blog). Ich bin begeistert von dem leichten und witzigen Erzählfluss des Werkes, nie wird es langweilig und man benötigt auch keinen Hasch zum Aufputschen.

 

Vielleicht hätte ich mir ein etwas stärkeres Ende gewünscht. Da alle Drei natürlich keinen Plan von Landwirtschaft haben, ist das Unternehmen dem Untergang geweiht. Stetig schwinden der Gewinn und die Anzahl der Hanfpflanzen. Sind es Bären, Ratten, nervige Nachbarn und Wetterkapriolen, von Erfolg ist ihr Vorhaben nicht gekrönt. Als sich die Pflanzen im besten Wachstum befinden, könnten sich eigentlich alle freuen. Doch sie bedenken nicht, dass die männlichen Pflanzen vernichtet werden müssen, damit die weiblichen Pflanzen, den für die Drogenproduktion wichtigen Harz produzieren. Und schon sind fast fünfzig Prozent der Ernte weg. Der Gewinn wird immer geringer und wird am Ende des Buches nicht mal mehr in Zahlen benannt.

Der permanente Dauerregen in der Erntezeit lässt die Freunde schnellstmöglich ihre Zelte abbrechen. Die feuchten grünen Pflanzen werden auf einen Transporter geladen und zum Trocknen in Felixs Wohnung nach San Francisco gebracht. Hier beendet keine Polizei das Projekt „Grün“, sondern Felix hat keine Lust mehr, nimmt sich den Autoschlüssel und bricht zu neuen Abenteuern auf.

 

Mehr Informationen zu T.C. Boyle findet ihr unter dem Beitrag T.C. Boyle in town! Darüber hinaus kann ich allen T.C. Boyle-Fans die website www.tcboyle.de, powered by wortmax, sowie www.tc-boyle.de vom Carl Hanser Verlag empfehlen. Hier erfährt ihr alles Wissenswerte über T.C. und werdet immer über Neuerscheinung sowie Deutschlandbesuche auf dem Laufenden gehalten.

 

ÜBRIGENS kursiert bereits das Gerücht, dass wir uns schon Anfang des Jahres 2017 auf einen neuen BOYLE freuen können!

 

 

Weitere Infos:   www.hanser-literaturverlage.de/buch/gruen-ist-die-hoffnung/978-3-446-24594-5/,  http://www.tcboyle.de/,   http://www.tc-boyle.de/startseite.html

Bildquelle: Jacqueline Böttger – Cover

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