Sonja Heiss – Rimini

Sonja Heiss - RiminiWie das Leben so spielt

 

Sonja Heiss

Rimini

KiWi, erschienen August 2017, 400 Seiten, HC 20,00 €

 

Sonja Heiss versteht ihr Handwerk. Wie in einer Filmsequenz laufen die ersten Buchseiten an mir vorbei und hinterlassen ein wahres Wohlgefühl. Es gibt sie doch. Die ganz normalen Familien, die nicht wie im Bilderbuch funktionieren und an vielen Stellen ein gewisses Chaos hinterlassen. Und so gehe ich auf in Sonja Heiss’ Romandebüt, mit einem steten Wechsel von Humor, Rührung und Nachdenklichkeit. Gleich die erste Seite berührt mich zutiefst. Protagonistin Masha schreibt an ihren Vater Alexander postum einen Brief und lässt uns dabei tief in ihr Herz blicken.

 

Dies lässt die 39-jährige, mäßig erfolgreiche Schauspielerin nicht immer zu. Geplagt von Torschlusspanik will sie es wissen und unbedingt ein Kind bekommen. Nur darin sieht sie den Sinn ihres Lebens. Doch stellt sich schnell heraus, dass ihr langjähriger Freund Gerald für dieses Projekt nicht die erste Wahl ist. Nun beginnt die panische Suche nach dem Mann für Kind und Leben. Dies verspricht auf verschiedene Art spannend und wie zu erwarten, auch mit Hindernissen verbunden zu sein.

Dazu gesellt sich die Vorführ-Familie ihres reichen Bruders Hans und dessen Frau mit zwei entzückenden Kindern. Doch die Idylle trügt, es knirscht gewältig im Gebälk. Eine, seit Kindheitstagen in ihm brodelnde Wut, bricht wieder aus und wirft den bisher sehr erfolgreichen Anwalt aus der Bahn. Die Mandanten sind unzufrieden, Aufträge bleiben aus und somit gerät seine angesehene Position in der Kanzlei ins Wanken. Auch die Ehe mit Ellen funktioniert nicht mehr. Ratsuchend wendet er sich an die Psychoanalytikerin Frau Doktor Mandel-Minkic. Doch statt mit ihr, an der Lösung seiner Problemen zu arbeiten, verliebt er sich in sie.

Daneben müssen sich die Eltern der ungleichen Geschwister, Vater Alexander und Mutter Barbara, mit ihrem Rentenalltag arrangieren. Nach mehr als vierzig Jahren einer leidlich glücklichen Ehe, prallen ihre Welten nun unaufhaltsam aufeinander. Unterdessen sich Alexander schon einsam fühlt, wenn Barbara auch nur das Haus verlässt, fürchtet sie um ihre Freiheit. Ein Wellensittich soll Abhilfe schaffen…

 

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© Till Janz

Sonja Heiss, geboren 1976, absolvierte ihr Studium an der Hochschule für Fernsehen und Film München. »Hotel Very Welcome«, ihr erster Kinofilm, feierte seine Premiere bei der Berlinale 2007, wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und lief weltweit auf Festivals. Ihr zweiter Kinofilm »Hedi Schneider steckt fest« war für den Deutschen Filmpreis in der Kategorie Drehbuch nominiert und gewann in der Kategorie Beste Hauptrolle. Sonja Heiss war Stipendiatin der Villa Aurora. 2011 erschien ihr vielbeachteter Erzählungsband »Das Glück geht aus« im Berlin Verlag. »Rimini« ist ihr erster Roman.

Quelle: KiWi

 

Rimini von Sonja Heiss ist ein unterhaltsamer Roman mit der richtigen Prise an Humor, Ironie sowie vielen Wahrheiten des Alltags. Sie hält uns, mit ihren meisterhaft entworfenen Charakteren, den Spiegel der Selbsterkenntnis vor Augen. Ich flog regelrecht über die 400 Seiten, die mir ein wahres Lesevergnügen bereiteten.

Absolut lesenswert!

 

Lesung in Berlin

In dieser Woche habe ich Sonja Heiss in Begleitung der Schauspielerin Heike Makatsch bei ihrer Lesung im Berliner Pfefferberg-Theater erlebt. Einer sehr schönen Location, der auch das Berliner Regenwetter nichts anhaben konnte. Allein schon die Kombination dieser beiden selbstbewussten Frauen war vielversprechend und ich wurde mit einem einzigartigen Vorlesevergnügen belohnt. Im ausverkauften Haus lasen Sonja Heiss und Heike Makatsch vor einem erwartungsvollen, mehrheitlich weiblichen Publikum. In dieser schönen Atmosphäre eroberte mich die Geschichte erneut, zumal sie besonders kreativ und humorvoll vorgetragen wurde.

Die beiden erfahrenen Entertainerinnen überzeugten mit ihren variablen Stimmen und so lasen sie Kapitel teilweise allein als auch im Dialog. Autorin Sonja Heisss überzeugte mit ihrer Ausstrahlung, wie ich mir klischeehaft die Situation am Set eines Filmdrehs vorstelle. So schlüpften beide in unterschiedliche Rollen, welche sie perfekt interpretierten. Dem tosenden Abschiedsapplaus folgte noch eine weitere Darbietung. Somit erlebte ich die erste Lesung, die mit einer Zugabe endete. Heike Makatsch und Sonja Heiss gaben nochmals ihr Bestes, um uns mit Alexanders Wellensittich Bizzi bekannt zu machen und auch dessen Tierstimme zu imitieren.

Wer demnächst die Gelegenheit hat, diese Lesung zu erleben, sollte sie unbedingt nutzen! 

 

 

Weitere Infos:    www.kiwi-verlag.de/buch/rimini/978-3-462-05044-8/,   www.kiwi-verlag.de/autor/sonja-heiss/1598/,   http://pfefferberg-theater.de/

Bildquellen:   Jacqueline Böttger,   https://www.kiwi-verlag.de/ifiles/autor/large/autor_1598.jpg

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