Randi Crott – Erzähl es niemandem!

Crott - Erzähl es niemandem_swEine deutsch-norwegische Liebesgeschichte

 

Randi Crott / Lillian Crott Berthung

Erzähl es niemandem!

Dumont, 288 Seiten, erschienen Mai 2013, TB 9,99 €

 

Erzähl es niemandem! ist eine bewegende Liebegeschichte, die auf ungewöhnliche Weise die Wirren des zweiten Weltkrieges überstanden hat. Die Autorin Randi Crott erzählt den Lebensweg ihrer Eltern. Erst nach dem Tod des Vaters erfährt sie aus Erzählungen und Briefen ihre wahre Herkunft. Verpackt in einzelnen Geschichten lässt uns Randi Crott an ihrem Schicksal teilhaben. Schon auf den ersten Seiten fühle ich mich in die Situation versetzt, als würde ich ein Gespräch mit meiner Großmutter führen und sie erzählt mir wie es damals war. Das Buch zog mich sofort in seinen Bann und die zahlreichen Fotografien bekräftigten das Geschehene.

Wir begeben uns in die 40er Jahre nach Norwegen. Der Vortrieb der deutschen Truppen in Norwegen ist unaufhaltsam. So nehmen die Wehrkräfte zahlreiche Orte ein und besetzen diese kampflos. So auch Harstad, eine kleine Stadt in Nordnorwegen, in der die Familie Berthung mit ihren Kindern lebt. Die 19-jährige Lillian ist eines von drei Kindern. Auf Einladung ihres Vaters begegnet sie in ihrem Elternhaus erstmalig dem deutschen Soldaten Helmut. Da der Kontakt mit Deutschen von den Einheimischen nicht gern gesehen wird, soll dies ohne große Aufmerksamkeit erfolgen. Doch diesem Treffen folgen weitere. Und so sehen wir die Familie gemeinsam mit den Besatzern, während eines Skiausfluges, in die Kamera lächeln. An dieser Stelle im Buch wird mir bewusst, dass es auch in Kriegszeiten einen Alltag gibt. Dieser wird natürlich auch mit Freizeitaktivitäten, Reisen und Freude an den kleinen Dingen des Lebens, auf Fotos festgehalten. Das Betrachten der Fotos löste in mir gemischte Gefühle aus. Da Kriegszeiten für mich mit Gewalt, Schmerz und Verlust einhergingen, blendete ich alles andere aus. Diesen interessanten Aspekt haben wir auch bei unserer Literaturkreistreffen besprochen. Und nach kurzer Reflektion kannte jeder von uns ähnliche Fotos aus seinem Familienalbum.

Doch zurück zur eigentlichen Geschichte, step by step baut sich diese auf. Wir erleben die Liebe zwischen Lilian und Helmut, die eigentlich nicht sein darf. Als dann die jüdischen Nachbarn der Berthungs abgeholt werden, vertraut Helmut seiner Lilian das Geheimnis um seine wahre Herkunft an. Aus Angst vor Repressalien hat er bisher die jüdischen Wurzeln seiner Mutter verschwiegen und bittet Lilian, dass auch ihren Eltern gegenüber zu tun. Dies ist ihrem Verhältnis natürlich nicht zuträglich, denn die Eltern heißen es nicht gut, dass Lilian und Helmut zusammen sind. Nach seiner Versetzung bleibt ihnen nur noch der Briefkontakt, um in Verbindung zu bleiben. Ein reger Briefwechsel zwischen Ihnen als auch zu Helmuts Eltern lassen uns an der sich zuspitzenden Situation teilhaben. Durch das drohende Kriegsende zeichnet sich ab, dass sich die beiden nie wiedersehen werden. Vor diesem Hintergrund fasst Lilian den Entschluss, zu ihm nach Deutschland zu fliehen. Eine unvorstellbare Maschinerie setzt sich in Gang. Per Briefwechsel, welche oftmals wochenlang unterwegs sind und niemand weiß, ob diese jemals den Empfänger erreichen, werden abenteuerliche Fluchtpläne geschmiedet. Alte Bekannte werden aktiviert und aus heute unvorstellbarer Sicht, ohne Telefon, E-Mail oder sonstige Kommunikation, gelingt Lilian tatsächlich die Flucht. In Deutschland verbringen sie ein gemeinsames Leben, dem ihre Liebe tatsächlich Stand hält und mit der Geburt ihrer Tochter Randi gekrönt wird.

Erst als erwachsene Frau erfährt Randi Crott, dass sie jüdischer Abstammung ist. Auch ihr wird das Versprechen abgenommen, mit niemanden darüber zu sprechen. Nachdem ihr Vater Helmut verstorben ist, begibt sie sich mit dem vorliegenden Roman auf die Suche ihrer Wurzeln. Gemeinsam mit ihrer Mutter Lillian Crott Berthung rekonstruiert sie anhand der Briefe, die die Eltern sich geschrieben und verwahrt haben, deren Liebesgeschichte. Das Buch ist von einem steten Zeit- und Perspektivwechsel geprägt, wodurch es die Erzählung als auch die geschichtlichen Ereignisse lebendig werden lässt. Somit wirkt es absolut authentisch, entwickelt einen wahren Lesesog. Auch wenn Erzähl es niemandem! kein literarisches Glanzstück ist, lohnt es sich gelesen zu werden.

 

Munchs HusDiese ganz besondere Liebesgeschichte hat unseren Literaturkreis sehr berührt. Wir waren traurig, haben gehofft und somit alle Höhen und Tiefen gemeinsam mit Lilian und Helmut durchlitten. Die Buchbesprechung im schönen Ambiente des Munch`s Hus, dem einzigen Norwegischen Restaurant in Deutschland, war sehr intensiv und wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Da das Munch`s Hus für alle Norwegen-Fans ein Muss ist, findet ihr hier noch den passenden kulinarischen Tipp.

 

 

 

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© Tom Luther Photography

Lillian Crott Berthung, geboren 1922 im nordnorwegischen Harstad. Seit 1947 lebt sie in Deutschland, wo sie auch als Übersetzerin und Dolmetscherin gearbeitet hat. 1989 veröffentlichte sie den Gedichtband ›Det var en gang et lite sted‹. Für die Tageszeitung Harstad Tidende schreibt sie Erzählungen.

Quelle: Dumont

 

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© Tom Luther Photography

Randi Crott, geboren 1951 in Wuppertal, ist Journalistin und arbeitet für Radio und Fernsehen. Sie war Moderatorin von WDR-Sendungen wie Mittagsmagazin, Montalk, Funkhausgespräche, West.art-Talk, West.art Literatur im Römer, Aktuelle Stunde, ARD-Radionacht der Hörbücher und 3 nach 9 und ist Autorin verschiedener Filme.

Quelle: Dumont

 

Weitere Infos:   www.dumont-buchverlag.de/buch/tb-crott-erzaehl-es-niemandem-9783832162306/,   www.dumont-buchverlag.de/autor/lillian-crott-berthung/,   www.dumont-buchverlag.de/autor/randi-crott/

Bildquellen:   Jacqueline Böttger,    csm_Crott_Lillian_Berthung_FJ12_SW_honorarfrei_a2ba07f929.jpg,  csm_Crott_Randi_FJ13_SW_1e64b66810.jpg

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