Muriel Barbery – Das Leben der Elfen

Das Leben der ElfenGastrezension von Odette

Die Zerstörung des Zauberhaften

 

Muriel Barbery

Das Leben der Elfen

dtv, erschienen März 2016, 304 Seiten, HC 22,90 €

 

Jetzt wo es draußen regnet, stürmt oder schneit, ist die beste Zeit sich mit diesem feinsinnigen Buch zurückzuziehen. Im Sessel sitzend, in eine warme, kuschelige Decke gehüllt, lasse ich mich in die Welt des Wunderbaren entführen. Geheimnisvoll beginnt das Leben der beiden Hauptfiguren Clara und Maria. Beide werden als Findelkinder vor die Türen anständig lebender Menschen gelegt. Fortan verändern sie das Leben derer und der Gemeinschaft positiv.

Maria ist, wie wir später erfahren, Kind zweier Elfen. Sie lebt in einem Dorf im Burgund. Mit einer Tante betreut sie einen wundersamen Kräutergärten, pflegt und kultiviert diesen. Ein Talent ihrer elfischen Herkunft, ist die Herstellung von Medizin aus Heilkräutern. Sie versteht nicht nur die Sprache der Tiere, sondern auch der Blumen. Die Muse der Elfen liegt in den Gärten, die verschlungen und romantisch sind und nicht der Ästhetik der menschlichen Gärten entsprechen. Später wird dieses Dorf zum Zentrum der Schlacht der Gewalten.

Clara, ebenfalls Waise, stammt aus der Beziehung einer menschlichen Mutter und eines elfischen Vaters. Sie wächst im Haushalt eines Pfarrers in den Abruzzen auf. Neben dem Verständnis für die Laute der Natur, spielt sie perfekt Klavier. Sie liest dabei nicht die Noten, sondern spielt die Gefühle und die Geschichte des menschlichen Komponisten nach. Wie auch Maria ist Clara stark mit der Natur verbunden, versteht die Sprache der Tiere und ihre Väter könnten sowohl Hasen oder Wildschweine sein.

Am Anfang der Geschichte wissen beide nichts über die Existenz des jeweilig Anderen. Der Elfenrat bringt sie zusammen, um den bestehenden Konflikt zwischen Himmel und Erde zu lösen. Sie können Brücken sehen, denn Ziel ist es, mit ihrem besonderen Talent, die Verbindung der Menschen mit den Elfen als auch die Harmonie zwischen Himmel und Erde wiederherzustellen. Dunkle Wolken ziehen auf, es droht Krieg, denn eine böse Macht rüstet sich auf. Aus dem Roman wird eine Parabel, die sich als Hauptthema dem Kampf der Natur mit der modernen Welt widmet.

 

https://www.dtv.de/_files_media/cms_uploads/autorenfotos/original_as_jpg/5247.jpgMuriel Barbery wurde1969 in Casablanca geboren. Sie studierte Philosophie in Frankreich und lebte einige Jahre im mystischen Japan. Der Wunsch nach der Harmonie mit der Natur und ein Satz aus Okakura Kakuzos „Buch vom Tee“ hat die Autorin zum Verfassen des Romans inspiriert. Nachfolgend der Auszug eines Gesprächs zwischen ihm und Muriel Barbery im Frühjahr 2015: „… in dem er voller Nostalgie vom alten China spricht, das der japanischen Kunst seine schönsten Werke geschenkt hat.“ Aber er bedauert, dass die chinesische Welt „modern, d.h. alt und entzaubert“ wurde, wie das Thema Elfen und moderne Welt. Der Zauber des Geheimnisvollen wurde durch den Willen nach Wissen zerstört.

Heute wohnt und arbeitet sie wieder in Frankreich. Ihr zweiter Roman „Die Eleganz des Igels“, wurde zu einem großen literarischen Bestseller und in mehr als dreißig Sprachen übersetzt. Der vorliegende dritte Roman Das Leben der Elfen erschien 2015 in Frankreich.

Die Sprache des Buches ist sehr poetisch. Zauberhaft werden Obstbäume, Wälder, Lichtungen, Weißdorn, Blumen, Kräuter und alle Facetten der Natur beschrieben. Vieles blieb mir beim Lesen fremd. Anfangs stört es mich noch ein wenig, doch schnell merkte ich, dass es sich um ein Stilmittel des Romans handelt. Als der erste Frost die Wiesen und Seen meiner Heimat erreichte, spürte ich die Ruhe und Weisheit der Natur und hielt diesen Augenblick im Gedanken und im neuen Wissen der Fotografie fest.

 

Weitere Infos:   www.dtv.de/buch/muriel-barbery-das-leben-der-elfen-28074/www.dtv.de/autor/muriel-barbery-12904/

Bildquelle:    Jacqueline Böttger,   https://www.dtv.de/_files_media/cms_uploads/autorenfotos/original_as_jpg/5247.jpg

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