Martin Suter – Elefant

Martin Suter - Cover ElefantGastrezension von Odette

Genexperiment mit rosaroten Folgen

Martin Suter

Elefant

Diogenes, erschienen Februar 2017, 352 Seiten, HC 24,00 €

 

Hat der obdachlose Alkoholiker Schoch zu viel Bier getrunken? Jedenfalls sieht er einen kleinen leuchtend rosaroten Elefanten, ein seltsames Geschöpf, in seiner Schlafhöhle am Fluss. Oder stampfte ein rosaroter Elefant auf dem Schreibtisch von Martin Suter umher und reihte die Themenzettel Genetik, Liebe, Krimi, Wirtschaftsspionage, Bankenkrise, „Zürichbergvilla“, Verschwörungstheorie und China als aufstrebende Supermacht, zum neuen Roman Elefant zusammen?

 

Wie in fast allen Büchern des Autors spielt eine Person, auf der Suche nach einer neuen Aufgabe, die Hauptrolle. In diesem Buch ist es der Obdachlose Schoch. In seinem früheren Leben war er ein erfolgreicher Investmentbanker, welcher durch das Ende der Beziehung zu seiner Frau in diese aktuelle Lebensmisere gerät. Mit verschlafenen Augen sieht er den hilflos umhertapsenden rosaroten Elefanten. Aus seiner Lethargie herausgeholt, wird nun sein neues Lebensziel, dieses winzige Lebewesen zu beschützen. Wer die Bücher von Martin Suter kennt, weiß das diese Aufgabe nicht so problemlos zu bewältigen ist. Wilde Verfolgungsjagden am Fluss im Stil von James Bond wechseln sich mit entschleunigenden Episoden in der Zirkuswelt ab. Der rosarote Elefant Sabo ist bevor er aus den Zirkus fliehen musste, von dem burmesischen Elefantenflüsterer Kaung liebevoll betreut worden. Gemeinsam mit der Tierärztin Valerie und Schoch versucht er nun, dem skrupellosen Genforscher Roux zu entfliehen. Natürlich siegt die Liebe.

Aus solchen Inhalten werden gute Unterhaltungsromane gemacht. Der Bestsellerautor Martin Suter sagte im Interview mit dem rbb-Moderator Thadeusz: „… ein richtiges Leben ist weniger interessant als ein erfundenes“. Der Suter-Stil verspricht wie immer ein gut komponiertes und atemberaubendes Lesevergnügen. In diesem Buch beschäftigt er sich mit dem Thema Genetik und regt den Leser zum Nachdenken an. Der rosarote Zwergelefant Sabo wurde mit Hilfe der Genforschung als ein Produkt entwickelt, mit dem Geld verdient werden soll. Diese Manipulationen gehen einher mit einer Wachstumsstörung, weshalb dieser so klein bleibt.

In der heutigen Wissenschaft gibt es bereits Projekte, bei denen Zellen zum Leuchten gebracht werden, um diese später im Organismus zu finden. Der Autor sieht in der Gentechnologie Gefahren als auch fantastische und nützliche Möglichkeiten zugleich. Vor 20 Jahren erfuhr die Welt vom ersten Klon Schaf Dolly, welches heute im Royal Museum in Edinburgh in einer Glasvitrine zu sehen ist. Wie dem Schaf ist auch dem rosaroten Elefanten kein langes Leben beschieden. Am Ende des Buches wird er in einem eigens für ihn errichteten Tempel verehrt. Und bei Martin Suter stapeln sich, wie er uns auf dem Diogenes-Bloggertreffen auf der Leipziger Buchmesse verriet, inzwischen sogar rosa Plüschelefanten im Wohnzimmer. 😉

 

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Foto: © Franco P Tettamanti

Martin Suter, geboren 1948 in Zürich, arbeitete bis 1991 als Werbetexter und Creative Director, bis er sich ausschließlich fürs Schreiben entschied. Seine Romane – zuletzt erschien ›Elefant‹ – und ›Business Class‹-Geschichten sowie seine ›Allmen‹- Krimiserie sind auch international große Erfolge. Martin Suter lebt mit seiner Familie in Zürich.

Quelle:   Diogenes

 

 

 

Weitere Infos:   www.diogenes.ch/leser/titel/martin-suter/elefant-9783257069709.htmlwww.diogenes.ch/leser/autoren/s/martin-suter.html

Bildquelle: Jacqueline Böttger – diverse, Pressebild_MartinSuter_cFoto-Franco-P-Tettamanti_72dpi.jpg

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