Marion Brasch – Die irrtümlichen Abenteuer des Herrn Godot

Marion Brasch - Die irrtümlichen Abenteuer des Herrn Godot.jpgMit Lackaffe & Co. ziellos durch die Weltgeschichte

 

Marion Brasch

Die irrtümlichen Abenteuer des Herrn Godot

Voland & Quist, erschienen Februar 2016, 160 Seiten, gebunden 18,00 €

 

Mit diesem Satz, welcher absolut bezeichnend für Marion Braschs Schreibstil in Godot ist, beginnt ihr neues Buch:

Das ist Godot. Woher ich das weiß? Keine Ahnung, es ist einfach so.“

Amüsant, direkt, schnoddrig und immer mit dem Klang „das ist halt so“. Wem das nicht gefällt, sollte hier bereits sinnbildlich das Handtuch werfen, denn das Buch ist halt so!

 

Brasch hat offensichtlich eine Schwäche für sonderbare Typen, denn auf Wunderlich aus Wunderlich fährt nach Norden folgt nun Godot. Die Figur Godot basiert auf Samuel Becketts „Warten auf Godot“, welche Moderatorin Brasch auch als Pausenfüller bei ihrem Musikprogramm nutzt. Wir haben nur eine vage Beschreibung der Person Godot, da er immer nur von hinten zu sehen ist. Die Parallelen zu Wunderlich, beide Personen tragen einen Hut, haben keinen Plan und wissen nicht wohin sie wollen, sind gewollt.

 

Godot mit hängenden Schultern, zerschlissenem Anzug und verbeultem Hut, ist eine zögerliche Person. Er scheut Entscheidungen, lässt sich somit ohne Ziel durch das Leben treiben und trifft dabei auf die skurrilsten Figuren. Es kreuzen seltsame Fabelwesen wie der Lackaffe, Dornfröschen oder der Reißwolf seinen Weg. Interessant finde ich hier Braschs Wortwahl, da wir doch viele Begriffe als auch Namen umgangssprachlich häufig verwenden. Aber auch Begegnungen mit Herrmann Hesse stehen auf dem Programm.

Die Bezeichnung Roman wurde wohl eher als Marketinginstrument gewählt, denn eigentlich besteht das Buch aus Kurzgeschichten, bei der Godots Hauptgeschichte durch viele kleine Episoden mit Fabelwesen unterbrochen wird. Da Godot ziellos durch die Weltgeschichte irrt und sowieso die meiste Zeit auf einer Parkbahn verschläft, bringen die Figuren den nötigen Spaß ins Geschehen. So verliert er im Wahllokal seine Stimme, trifft auf den Reißwolf und gewinnt sie im Mikadospiel wieder zurück. Die Weltformel wird mit einem Glas Gewürzgurken gleich gesetzt und das Jüngste Gericht besteht aus Nietzsche, Brecht, Einstein, Katharina der Großen und Gevatter Tod. So geht es von Geschichte zu Geschichte absurd und komisch weiter. Braschs Sprache ist einfach, in Details verliebt und somit unweigerlich unterhaltsam.

 

So sehr ich Marion Brasch auch mag, muss ich leider feststellen, dass Godot nicht der Coup ist. Die Geschichten als auch die Formulierungen werden bei längerem Lesen vorhersehbar. Die anfänglich witzigen und intelligenten Wortspiele wiederholen sich, Langeweile kommt auf, auch wenn die Figuren wie die rauchenden Strickjacken immer absurder werden. Es empfiehlt sich, Godot in Portionen zu konsumieren, so bleibt eine humorvolle Unterhaltung erhalten und lutscht sich nicht so schnell aus. Fabeln haben ja eigentlich eine Botschaft, diese fehlt mir bei Braschs Fabelwesen jedoch. Es ist eine Aneinanderreihung von skurrilen Anekdoten und Godot liefert den roten Faden. Mehr sollte der Leser hier nicht erwarten. Anders Wunderlich, der mich zum Nachdenken anregte und bei dem, der eigentliche Weg das Ziel war.

Brasch denkt gern, hat Spaß an der Formulierung der Charaktere ihrer Figuren und so schrieb sie, während ihrer Zeit als Stadtschreiberin von Rheinsberg, diese fiktive Geschichte. Genau diese, in Braschs Fantasie entstandenen, Fabelfiguren forderten regelrecht eine Illustration. Also entstand eine ungewöhnliche wie auch unterhaltsame Romanform, bei der jede Geschichte mit einer Illustration von Matthias Friedrich Muecke ergänzt wurde.

 

 

Ein wunderbares Beispiel ist der Lackaffe, den Stefan Kaminski zusätzlich noch animiert hat.

 

 

Brasch ist Moderatorin beim Radiosender radioeins, ihre Stimme ist sanft, geheimnisvoll und beruhigend. Ich höre ihr gerne zu, besonders wenn sie die sonntäglichen „Literaturagenten“ moderiert und ihre Buchtipps vorstellt. Auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse hatte ich endlich das Vergnügen, Marion Brasch persönlich kennenzulernen und einen Smalltalk über Wunderlich zu führen.

 

AF_Brasch_Marion__0001_home.jpg.37192016.jpgMarion Brasch wurde in Ostberlin geboren. Nach dem Abitur arbeitete die gelernte Schriftsetzerin in einer Druckerei, bei verschiedenen Verlagen und beim Komponistenverband der DDR. 1987 begann sie als Musikredakteurin bei DT64, später arbeitete sie u. a. für Radio Fritz, Kulturradio und radioeins (RBB). 2012 erschien ihr Familienroman »Ab jetzt ist Ruhe. Roman meiner fabelhaften Familie«, der zum Bestseller wurde, 2014 folgte »Wunderlich fährt nach Norden“« (beide S. Fischer).

Quelle: Voland & Quist

 

 

Weitere Infos:    https://www.voland-quist.de/,   http://www.marionbrasch.com/

Bildquelle:   Jacqueline Böttger – diverse,   AF_Brasch_Marion__0001_home.jpg.37192016.jpg

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