Maja Lunde – Die Geschichte der Bienen

Maja Lunde - Die Geschichte der BienenEine Welt voller Abhängigkeiten

 

Maja Lunde

Die Geschichte der Bienen

btb Verlag, erschienen März 2017, 510 Seiten, HC 20,00 €

 

Dieser Roman hat mich auf meinem Urlaub in den Bergen begleitet. Umgeben von purer Natur konnte ich den Roman gleich doppelt genießen und regte mich, umso mehr zum Nachdenken an. Die Norwegerin Maja Lunde zeigt in ihren Familiengeschichten wie nah die Schicksale der Protagonisten miteinander verflochten sind. Verteilt über gut drei Jahrhunderte, von der Vergangenheit über die Gegenwart bis in die Zukunft.

Beginnend Mitte des 19. Jahrhunderts in England, führt uns Maja Lunde in die Jahrtausendwende, wo alles zunächst noch perfekt scheint, und schließlich lässt sie Ende des 21. Jahrhunderts die Welt kollabieren.

Anhand der Die Geschichte der Bienen erzählt sie emotional und wirkungsvoll von den weit greifenden Veränderungen unserer Zeit. Der Roman ist in einzelne Kapitel unterteilt, die jeweils den Namen der Protagonisten William, George und Tao tragen und deren Geschichte erzählen. Da sich diese im Verlauf des Romans stetig abwechseln, befinden wir uns in regelmäßigen Zeitsprüngen zwischen den Jahrhunderten. Zur leichteren Orientierung hat Maja Lunde in der Fußzeile jeder Seite, den Namen des Protagonisten hinzugefügt. Ein Stilmittel, welches mir sehr gut gefällt.

 

Eine Zeitreise in die Welt der Bienen

Die Zeitreise beginnt 1852 beim Biologen, Saatguthändler und achtfachen Familienvater William Savage. Nachdem sich sein Mentor Professor Rahm unzufrieden von ihm abwendet, verfällt William in eine Lethargie, die schließlich in einer bettlägerigen Depression gipfelt. Weder Frau noch Kinder können ihn trotz drohenden Hungers und finanziellen Ruins zum Aufstehen bewegen. Erst auf Drängen seines Sohnes Edmund fasst er den Mut, sich mit Leidenschaft den Bienen zu widmen. In Tochter Charlotte findet er eine tatkräftige Mitstreiterin bei der Entwicklung eines modernen Bienenstocks. Sie begleitet ihn ausdauernd durch Höhen und Tiefen, auch wenn das Ergebnis letztlich nicht erfolgsversprechend sein wird.

Gut 150 Jahre später finden wir uns in Ohio (USA) wieder. Hier tauchen wir in die inzwischen professionell betriebene Bienenzucht von George und seiner Frau Emma ein. Sohn Tom studiert an der Universität, nur gilt sein Interesse dem Schreiben und nicht wie erhofft der Imkerei. Alle Versuche Georges, ihn für die Nachfolge des Familienunternehmens zu begeistern, scheinen zwecklos. Auch Emma hegt sehnlichst den Wunsch, die Bienenzucht aufzugeben und ihren Lebensabend in Florida zu verbringen. Als dann plötzlich der sogenannte CCD (Colony Collapse Disorder) zu einem landesweiten Bienensterben führt, steht das Schicksal der gesamten Familie auf dem Spiel.

Die Chinesin Tao arbeitet im Jahr 2098 als Bestäuberin. Ein Kollaps hat vor vielen Jahren aus unbekannten Gründen zum Aussterben der Bienen geführt. Täglich muss die junge Frau vorsichtig und unter Zeitdruck, zahlreiche Obstbäume mit einem Pinsel bestäuben. Es herrscht ein strenges Regiment. Sie wird an ihrer Erfolgsquote, den später tragenden Früchten, gemessen. Gemeinsam mit ihrem Mann Kuan möchte sie für den dreijährigen Sohn Wei-Wen ein lebenswerteres Leben erreichen. Täglich lernt sie mit Wei-Wen rechnen. Doch bei einem gemeinsamen Ausflug in die blühenden Obstbaum-Felder geschieht ein tragisches Unglück. Wei-Wen erleidet einen allergischen Schock. Er wird sofort vom chinesischen Regime, ohne das Einverständnis von Tao und Kuan, in Obhut genommen. Ein Versteckspiel mit ungewissen Ausgang beginnt, bis sich Tao schließlich selbst auf die Suche nach Wei-Wen begibt. Ein tragisches Ende zeichnet sich ab.

 

Der Roman bietet Spannung und Emotionen pur! Am Beispiel der Bienen werden die Veränderung des Ökosystems und deren Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben dargestellt. Nachvollziehbare Konflikte und Entscheidungen stehen im Mittelpunkt jeder Geschichte. Ob es um die Modernisierung der Bienenzucht oder die Generationsnachfolge eines Familienunternehmens geht, bis hin zu einer Thriller-ähnlichen Suche nach einem Kind. Die drei verschiedenen Geschichten sind so spannend erzählt sowie miteinander verzahnt, dass ich nicht von ihnen los komme und das Buch nur ungern zur Seite lege.

Gern lässt Maja Lunde ihre Protagonisten über die Welt der Bienen erzählen. So erklärt uns William den Ablauf und die Hierarchie im Bienenstock. Darüber hinaus erfahren wir, dass der optimale Abstand zwischen den Bienenbeuten 9,5 cm betragen sollte. Am Ende schließt sich der Kreis. Williams Tochter Charlotte wandert mit ihrem Ziehsohn nach Amerika aus. Später betreibt er eine Bienenzucht, die in der Familienlinie bis zu George führt. Doch auch Tom wird dieses Erbe nicht zu einem guten Ende führen. Die Bienen sterben abermals. Seine Erfahrungen schreibt er im Buch „Der blinde Imker“ auf, welches Tao viele Jahre später in einer chinesischen Bücherei finden wird.

 

Meine Bienen-Erfahrungen

Während ich das Buch las, wurde meine Aufmerksamkeit für Bienen geweckt und ich hatte eigene, interessante Begegnungen mit diesem Thema. So konnte ich im Urlaub erstmals Honig direkt aus einer Bienenwabe kosten. Ein wahrer Genuss! Die Waben waren prall mit Honig gefüllt und ich bin fasziniert wie intelligent ein Bienenvolk in einer Beute arbeitet.

 

KlunkerkranichTage zuvor hatte ich in Berlin bereits im Klunkergarten, mit der angeschlossenen Location Klunkerkranich, einen sogenannten Berliner Stadtgarten besucht. Hier werden innerstädtische Flächen begrünt, zur Pflege und zum Anbau von (Nähr-)Pflanzen in freiwillige Hände gegeben. Das Interesse am Urban Gardening und Urban Farming wächst stetig.

Ob mit oder ohne grünen Daumen. Hier kann sich jeder im Anbau von Obst oder Gemüse, in Form von Hochbeeten und Gefäßen, versuchen. Der Klunkergarten befindet sich auf dem Parkdeck eines Shoppingcenters in einer vielbefahrenen Straße. Mitten in der Stadt. Erstaunlicher Weise spürt man auf dem Dach davon nichts. Umgeben von viel Natur kann man sich dem Gardening als auch der Bienenzucht widmen oder einfach den fantastischen Blick über Berlin genießen.

 

 

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© Oda Berby

Maja Lunde wurde 1975 in Oslo geboren, wo sie auch heute noch mit ihrer Familie lebt. Sie ist eine bekannte Drehbuch- sowie Kinder- und Jugendbuchautorin. Die Geschichte der Bienen ist ihr erster Roman für Erwachsene, der zunächst national und schließlich auch international für Furore sorgte. Er stand monatelang auf der norwegischen Bestsellerliste und wurde mit dem Norwegischen Buchhändlerpreis ausgezeichnet.

Quelle: Random House

 

Weitere Infos:   https://www.randomhouse.de/Buch/Die-Geschichte-der-Bienen/Maja-Lunde/btb-Hardcover/e492023.rhd, https://www.randomhouse.de/Autor/Maja-Lunde/p613302.rhd

Bildquellen:   Jacqueline Böttger – diverse,   https://www.randomhouse.de/content/author/image/24908_xl.jpg

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