Lodewijk van Oord – Das letzte Nashorn

Das letzte Nashorn_1.jpgGastrezension von Odette

Das Märchen von Mensch und Tier

 

Lodewijk van Oord

Das letzte Nashorn

Knaus Verlag, erschienen März 2016, 253 Seiten, HC 19,99 €

 

Edo Morell, engagierter Zoodirektor und kreativer Marketingmann des Amsterdamer Zoos, lernt auf einer Dickhäuterkonferenz Sariah Malan und das Projekt afrikanische Nashörner kennen. Kurz darauf beschließt er seinen Masterplan. Der Amsterdamer Zoo muss so richtig aufgepeppelt werden, damit er zum Besuchermagnet der Stadt wird.

Dazu gehört, dass nun aus der bestehenden auch eine echte Afrika-Savanne wird. Nämlich eine mit Tieren aus Afrika und keine mit asiatischen Elefanten, die hier nur leben, weil Afrika selbst seine Elefanten braucht. Doch Zoos in Europas Innenstädten kosten sehr viel Geld. Da müssen Parkplätze unterirdisch verlegt werden, damit oberirdisch Tiere die Immobilienpreise einspielen. Edos Idee, ein Nashorn der aussterbenden Nashornzunft muss her.

Meine Heimatstadt Leipzig besitzt schon seit Jahren einen sehr attraktiven Zoo. Hier ist der Masterplan perfekt aufgegangen und so freute ich mich, dass anlässlich der Leipziger Buchmesse 2016 die Lesung des Buches in der Kiwara-Lodge stattfand. In der afrikanischen Savanne des Leipziger Zoos leben drei Nashörner, die an diesem Abend der Lesung des Autors Lodewijk van Oord schmunzelnd zuhören konnten.

 

 

Aber zurück zum Buch…

Damit Edo sein Konzept umsetzen kann, benötigt er eine Expertin für Nashörner. Diese findet er in Sariah. In Südafrika aufgewachsen, hat sie sich gemeinsam mit ihrem Freund Heidrik dem Schutz von Nashörnern verschrieben. Genau während dieser Aufgabe geschah ihr persönliches Unglück. Bei einem Überfall wurde Heidrik von Wilderern erschossen und infolgedessen verlor Sariah ihr gemeinsames Kind. Edo gelingt es, sie für das Amsterdamer Zoo-Projekt zu überzeugen. Nur ihr Vater ist von der Idee nicht begeistert. Sie soll lieber in Afrika die Nashörner schützen, alles andere ist für ihn Verrat an den Dickhäutern. Trotz aller Bedenken fliegt Sariah nach Amsterdam um mit Edo zusammen zuarbeiten. Hier lernt sie Frank, der im Finanzvorstand des Zoos arbeitet, kennen.

Der Konflikt, Tiere in Zoos zu präsentieren, um damit den Artenschutz in der Natur zu finanzieren, ist das Hauptthema des Romans. Exotische Tiere sind bereits seit langem Bestandteil unserer europäischen Kultur. 1515 zeichnete Albert Dürer bereits ein Rhinozeros, ohne je ein Exemplar gesehen zu haben. Clara, ist das erste europäische Panzernashorn, welches im 18. Jahrhundert siebzehn Tage durch Europa reiste. Geschrieben ist das Buch, welches ich am Liebsten, aus Sicht der drei Hauptfiguren Edo, Sariah und Frank, im Amsterdamer Zoo weitergelesen hätte. Lodewijk van Oord philosophiert mit uns auf ernste und nachdenkliche Weise über das Leben der Tiere im Zoo, die verschiedenen Formen der Zoos und ihre Berechtigung in der modernen Gesellschaft.

 

Der Masterplan geht auf

Albert das Nilpferd, soll nun nach den Edos Plan eine Weltsensation für den Amsterdamer Tierpark werden. Mit seinen Worten gesagt, ein global trending topic. Mit Albert existieren nur noch elf Nashörner in Zoos. Er wird medienwirksam mit einem Hubschrauber in den Zoo geflogen. Experten wissen, dass diese Art der Beförderung eine der sanftesten Arten ist, Nashörner zu transportieren. Mit Albert geht der Masterplan auf. Gemeinsam mit anderen afrikanischen Tieren erblüht die Savanne und wird zum Höhepunkt im Amsterdamer Zoo. Edo ist sehr stolz und vor dem Nashorngehege sitzend, bahnt sich mit Sariah eine Liebesbeziehung an. Passend dazu soll auch Nashorn Albert zwei Frauen für die Nachzucht erhalten. Aus einem deutschen Zoo kommen Ursula und Angela an die Stadt an der Amsel und mit ihnen das Pech.

Ursula wird Opfer europäischer Wilderer, die auf die Hörner der Tiere scharf sind. Doch Edo wirkt nach Ursulas Tod gelassen und entwickelt bereits neue Vermarktungsstrategie. Auf einmal geht es ihm um das wertvolle Horn der Nashörner. Könnte man es durch Zucht vermehren und daraus Kapital schlagen? Und wenn die Idee der Afrika-Savanne mangels Tiere stirbt, wird halt der Zoo umgebaut, alles läuft unter dem Motto business as usual. Letztlich kann man Albert und Angela live beim Aussterben zuschauen. Als absoluter Höhepunkt soll der sterbenskranke Albrecht auf einer Abschiedstournee durch die Fußballstadions Europas touren. Unter diesen Vorzeichen geht die Beziehung zu Sariah verständlicherweise in die Brüche.

Für viele Zoos sind die Besucher zahlende Kunden und die Zootiere die Stars, die das benötigte Geld einbringen. Und wenn sie sterben wird aus dem Star Nashorn der neue Star Riesenpanda. Ob nun Edo ein Mann mit Visionen ist, wie Frank seinen Ziehsohn beschreibt, ist dahingestellt.

Der Roman ist kurzweilig geschrieben und wirkt nicht überdreht, eher etwas absurd und witzig. Das Buch ist zugleich ein guter Reiseführer der Stadt Amsterdam.

 

Lodewijk van Oord

© privat

Lodewijk van Oord, geboren 1977 in Madrid, ist zwar Holländer, hat aber die meiste Zeit seines Lebens nicht in den Niederlanden gelebt. Er ist Lehrer und unterrichtete u.a. in Wales und Afrika. Zurzeit arbeitet er an einer internationalen Schule in Duino in der Nähe von Triest. „Das letzte Nashorn“ ist sein erster Roman, der von der holländischen Presse begeistert aufgenommen wurde.

Quelle: Random House

 

 

Weitere Infos:   http://www.randomhouse.de/Buch/Das-letzte-Nashorn/Lodewijk-Oord/e484059.rhd

Bildquellen:   http://www.randomhouse.de/content/author/image/22837_xl.jpg, Jacqueline Böttger – Cover

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