Jürgen Roth & Thomas Roth – Kritik der Vögel

Kritik der VögelGastrezension von Odette

… sie sind nicht vollkommen!

Jürgen Roth & Thomas Roth

Kritik der Vögel

Blumenbar im Aufbau Verlag, erschienen 2017, 320 Seiten, 24,00 €

 

Neulich saß ich beim Kaffee auf der Terrasse, als eine freche Elster, der Katze vom Nachbarn ihr Futter abspenstig machen wollte. Jeden Morgen jagen sich wildgewordene Spatzen in einer unerhörten Laustärke durch die Büsche. Wo ist der Frieden in der Tierwelt nur hin?

Dachte ich noch beim Kauf dieses Buches unsere einheimischen Vögel sind vollkommen, weil sie so filigran den Luftraum beherrschen, werde ich nun beim Lesen eines Besseren belehrt. Im vorliegenden Buch wird die Vogelwelt kritisiert. In dieser Kritik verbergen sich viele interessante Fakten, über das Federvieh unseres täglichen Lebens. Es geht ganz klar um Urteile in dem Buch Kritik der Vögel – Klare Urteile über Kleiber, Adler, Adler, Spatz und Specht. Doch, dass diese von den beiden Autoren Jürgen Roth und Thomas Roth auf so sarkastische und harte Ausdrucksweise ausgesprochen werden, macht nachdenklich. Beispielhaft für zahlreiche Sätze im Buch, habe ich folgendes Zitat im Kapitel über Bachstelze und Goldhähnchen ausgewählt:

Wir müssen uns an eine andere Autorität halten, an Hildegard von Bingen, die allerdings auch nicht jeden Tag nach dem Aufstehen alle Tassen in der richtigen Reihenfolge sortiert hatte.

An den Anfang des Buches wird eine positive Aussage von Rilke zur Vogelwelt gestellt. Seite um Seite steigern sich die Autoren in die zu bemängelnden Fakten. Möwen sind Mundräuber, Blesshühner sind Streitbolzen, Graupapageien imitieren Wurfgeräusche, um so arglose Besucher zu verängstigen.

Der überzeugendste Mehrwert des Buches sind die Illustrationen von F.W. Bernstein. F.W. Bernstein wurde 1938 geboren. Er ist Mitbegründer der Neuen Frankfurter Schule, deren Publikationsorgan das Satiremagazin Titanic ist. Nach der Einleitung werden 40 Vogelarten in jeweils eigenen Kapiteln vorgestellt und wirklich jeder Vogel bekommt sein Fett weg. Leider zerstören die vielen fachlichen Zitate den Leserhythmus des Buches. Der Sarkasmus ist schwer zu ertragen, auch wenn er teilweise Sinn macht. Handelt es sich bei den beiden Autoren, um gefrustete Ornithologen? Die beiden Verfasser sind seit ihren Kindesbeinen Vogelkundschafter. Jürgen Roth ist Germanist, arbeitet als Schriftsteller in Frankfurt am Main und Thomas Roth ist Historiker und lebt unter den Tieren im Rheinland.

Neben den einheimischen Vögeln werden auch Exoten, wie der Nashornvogel und Migranten wie der Halsbandsittig vorgestellt. Obwohl Letzterer wirklich die Menschen am Rhein terrorisiert, kommt dieser Terrorist für seine Verhältnisse sehr gut weg.

Die Gestaltung des Buches ist sehr ansprechend, die Papierqualität gut und das Cover regt zum Kauf an. Passend zum Botanischen Thema sind die Seitenzahlen Grün.

 

Weitere Infos:   www.aufbau-verlag.de/index.php/kritik-der-vogel.html,   www.aufbau-verlag.de/index.php/autoren/jurgen-roth-a01

Bildquelle:   Jacqueline Böttger

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