Isabel Bogdan – Der Pfau

Der Pfau - Cover.jpgVery british – englischer Humor vom Feinsten

 

Isabel Bogdan

Der Pfau

Kiepenheuer & Witsch, erschienen Februar 2016, 256 Seiten, HC 18,99 Euro

 

„Einer der Pfauen war verrückt geworden.“ So beginnt diese kurzweilige Lektüre, die man erst aus der Hand legt, wenn die Geschichte mit ihrem, so viel sei verraten, überraschenden Ausgang zu Ende ist. Allein schon die fantasievolle Covergestaltung, mit metallicblau glänzendem Pfau, welcher in seinem Gefieder die english teatime, Regenschirm und Gewehr vereint, garantiert die Spannung. Dies sollte als Leseempfehlung schon ausreichen, aber natürlich verrate ich euch noch ein wenig mehr.

 

Lord und Lady MacIntosh, Ingenieurin und Uni-Professor, vermieten Ferienhäuser in den schottischen Highlands an ihre Gäste. Das Anwesen erstreckt sich über mehrere Meilen mit nett hergerichteten Cottages, Scheunen und ein Herrenhaus mit wenig Comfort. Die Gäste lieben die Ruhe und die Abgeschiedenheit. Auch der fehlende Handyempfang sorgt für eine erzwungene Entschleunigung – der Trend überhaupt in unserem Jahrzehnt.

 

Teambuilding mit Pfau

Mit der Einmietung eines fünfköpfigen Bankerteams ist die Ruhe jedoch vorbei. Die schlecht gelaunte Chefin Liz mit ihren vier Mitarbeitern, samt Köchin, Psychologin und Hund, treffen für ein teambildendes Wochenende inklusive Workout in den Highlands ein. Ausgerechnet mit einem blau glänzenden Sportwagen reiste die Bankerchefin an, welcher bald den verrückten Pfau auf den Plan ruft. Dieser sieht in dem bläulich schimmernden Etwas einen balzenden Konkurrenten, der mit farbenprächtigem Radschlag und Angriff bekämpft werden muss.

Nachdem der Pfau sich bereits am Wagen verewigt hat, sieht Lord MacIntosh nur einen Ausweg. Mit seinem Gewehr erlegt er den Übeltäter und verscharrt ihn im Wald, um weiteres Unheil abzuwenden und keine unnötige Aufregung zu schaffen. Schließlich ist er auf die Zufriedenheit und Empfehlung der gut zahlenden Banker angewiesen. Jedoch beim Morgenspaziergang findet der für die Jagd ausgebildete Setter der Bankchefin den Pfau. Sie geht davon aus, dass ihr Hund den Pfau gerissen hat und möchte verhindern, dass die freundlichen MacIntoshs dies erfahren. Banker David soll sich um die Entsorgung kümmern. Mit der Köchin Helen gewinnt er eine Mitwisserin, die den Pfau als Fasan getarnt zubereiten und servieren will.

Am nächsten Tag startet das Bankerteam ein Hüttenbauprojekt im Wald, wobei es kaum neue Erkenntnisse gibt und die Rollenverteilung, denen der Bank entspricht. Zu allem Übel erobert der Winter die Highlands, das Anwesen wird eingeschneit, Banker Bernard fällt ungeschickt aus dem Doppelbett und die Chefin steht plötzlich im Schlafanzug vor ihm – was kann es Peinlicheres geben! Schon nimmt das Chaos seinen Lauf – der Pfau taucht auf und wieder unter. Unzählige Personen hegen unabhängig voneinander, ihr großes Geheimnis um den toten Vogel. Isabel Bogdan zaubert eine unterhaltsame Verkettung von Ereignissen, die bald keiner der Anwesenden mehr durchschaut.

 

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Foto: Smilla Dankert

Isabel Bogdan, *1968 in Köln, studierte Anglistik und Japanologie in Heidelberg und Tokyo. Lebt in Hamburg, weil es da so schön ist. Liest, schreibt, übersetzt (u.a. Jane Gardam, Jonathan Safran Foer, Nick Hornby, Jasper Fforde). 2012 erschien ihr erstes eigenes Buch, „Sachen machen“, bei Rowohlt, 2016 kommt der erste Roman, „Der Pfau“, bei Kiepenheuer und Witsch. Vorsitzende des Vereins zur Rettung des „anderthalb“. 2006 erhielt sie den Hamburger Förderpreis für literarische Übersetzung, 2011 den für Literatur. Bloggerin des Jahres 2014, zusammen mit Maximilian Buddenbohm für das Interviewprojekt „Was machen die da?“

Quelle:   Isabelbogdan.de

 

 

Isabel Bogdan ist seit Jahren als Übersetzerin aus dem Englischen tätig. Zu ihrem Repertoire gehören große Schriftsteller wie Nick Hornby, Jane Gardam und Jonathan Safran Foer. Als preisgekrönte Übersetzerin ärgert sie sich oft darüber, dass die Leistung der Übersetzer/in bei Rezensionen u.ä. Beiträgen nicht erwähnt und gewürdigt wird. Gern würde sie die Autoren ihrer eigenen Übersetzungen auf Lesereisen begleiten und selbst vorlesen.

Da musste ich erst einen Bestseller schreiben, um endlich mal eine Lesung zu machen…“ sagte sie vor interessierten Bloggern auf der LitBlog Convention in Köln.

Mit ihrem Debütroman Der Pfau eroberte Isabel Bogdan binnen Wochen die Bestsellerlisten des Buchhandels und tourt jetzt quer durch Deutschland. Da ich bereits mehrmals, auf der Leipziger Buchmesse und zuletzt auf der LitBlog Convention, das Vergnügen hatte, Isabel Bogdan zu begegnen, kann ich sagen „sie lebt in diesem Buch!“. Sie verkörpert den englischen Humor, hält mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg und ist auch in privater Hinsicht mit dem Landleben in den Highlands bestens vertraut.

Mein Fazit: Very british – absolut geistreich und geprägt von einem wunderbar trockenen Humor!

 

 

Weitere Infos:   http://isabelbogdan.de/uber-mich/,   www.kiwi-verlag.de/buch/der-pfau/978-3-462-04800-1/

Bildquelle:  Jacqueline Böttger – Cover,   http://isabelbogdan.de/wp-content/uploads/2010/07/Isabel_Bogdan_blog-1002.jpg

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