Hörbuch vs. Buch

Hörbuch vs. Buch.jpgGibt es wirklich nur ein entweder oder?

 

Heute habe ich mir einige Gedanken zum Thema Hörbuch vs. Buch gemacht. Gern wird von der jeweiligen Zielgruppe, eine der beiden Varianten „verteufelt“. Ich habe nun meine eigenen Erfahrungen gemacht und möchte gern mit euch darüber diskutieren.

Aus meiner Sicht sind Hörbücher ohne Zweifel eine Bereicherung, obwohl ich der Printausgabe eines Buches grundsätzlich den Vorrang geben werde. Doch der Griff zum Hörbuch kann aus unterschiedlicher Motivation erfolgen. Bei mir ist oft ein knappes Zeitfenster zum Lesen, welches mich bei einem seitenstarken Roman in die Versuchung bringt, doch zum Hörbuch zu greifen. Aber auch beim Sport, einem Spaziergang in der Natur oder einer langen Autofahrt sind Hörbücher eine willkommene Ergänzung. Gemeinschaftliches Hören ist sicher auch möglich, aber wohl eher eine selten gewählte Variante. Da auch ermüdete Augen mal Entspannung brauchen, kann man sich dem Hörbuch einfach hingeben und so dem spannenden Roman folgen.

 

 

Ein Genuss anderer Art

Vor dem Fest - Cover.jpgInteressante Erfahrungen habe ich gesammelt als ich das Hörbuch zu einem bereits gelesenen Buch hörte. So konnte ich das Gelesene nochmals genießen, einzelne Passagen gezielt wirken lassen und habe dabei tatsächlich neue Facetten entdeckt. Vielleicht hatte ich sie im Buch überlesen oder sie als nicht so wichtig betrachtet. Doch ein gutes Hörbuch steht und fällt mit dem Interpreten. Dies ist vergleichbar mit einer guten Übersetzung. Hier sollte der Übersetzer auch nahe am Original bleiben, um das Anliegen des Autors wiedergeben zu können. So sollte auch der Sprecher eines Hörbuches zum Roman passen. Er muss im wahrsten Sinn des Wortes mit der Handlung harmonisieren, Stimmungen wiedergeben und mit seiner Stimme den Personen einen unverwechselbaren Charakter geben.

Besonders schön ist es natürlich, wenn der Autor selbst liest wie ich es bei Saša Stanišićs Roman „Vor dem Fest“ erlebt habe. Man kommt dem Autor näher, baut unweigerlich eine persönliche Beziehung zu ihm auf und das Sprachgefühl für das Gelesene wird geschärft.

 

 

Manches hat auch seine Tücken

Natürlich gab es auch schon Hörbücher, zu denen ich keinen Zugang gefunden habe. So lag es manchmal an der Interpretation des Gelesenen, der Rhetorik oder einfach an der Stimme des Sprechers. Diese war in einem Fall so eintönig, dass mir die Lust am Zuhören ganz einfach verging und das Buch somit für mich erledigt war. Aus diesem Grund werden als Interpreten i.d.R. Schauspieler oder Moderatoren gewählt, da der Autor nicht zwingend ein guter Vorleser sein muss.

Aber der Vergleich würde natürlich hinken, wenn mir beim Hörbuch nicht doch etwas fehlen würde. So vermisse ich eindeutig die Haptik des Buches, das Schauen wie lange das Kapitel noch geht oder wie viele Seiten ich bereits gelesen habe.

 

Probiert es einfach mal aus

Auch hier auf dem Blog habe ich euch schon verschiedene Hörbücher vorgestellt und jetzt auch die neue Rubrik Hörbücher angelegt. Klickt einfach auf die folgenden Links und schon seid ihr bei den bisher besprochenen Hörbüchern.

Und dieses Mal wünsche ich euch ein wunderbares Hör- als auch Lesevergnügen!

 

Saša Stanišić – Fallensteller

Saša Stanišić – Vor dem Fest

Jonas Jonasson – Der Hundertjährige / Die Analphabetin / Mörder Anders

Juli Zeh – Unterleuten

Jonathan Franzen – Unschuld

Peter Hoeg – Der Susan-Effekt

Melanie Raabe – Die Falle

Franz Kafka – Kafka erHören

 

 

Bildquelle:  Jacqueline Böttger – diverse

2 thoughts on “Hörbuch vs. Buch

  1. Liebe Ingrid,

    schöner hätte ich es auch nicht sagen können – herzlichen Dank für deine Nachricht! Wie ich sehe, bin ich mit meinen Empfindungen nicht allein und freue mich weiterhin auf deinen Blogbesuch. Neue Anregungen zum Hören & Lesen sind natürlich bereits in Arbeit.

    Weiterhin viel Lesevergnügen wünscht dir,
    Jacqueline

  2. Ich hatte eine Weile keine Gelegenheit, aber doch ziemlich vermisst, die Anregungen zum Lesevergnügen zu verfolgen. Nun gab es für mich die freudige Überraschung, Anregungen zu Hörbüchern zu erhalten.
    Als Hörbücher zaghaft auf den Buchmarkt kamen, verspürte ich auch etwas Skepsis, ob Hörbücher das Buch und seine besondere Faszination ersetzen können. Und ich bin froh über dieses Medium, weil ich es nicht mehr als Ersatz für Lesevergnügen ansehe, sondern als eine zusätzliche Bereicherung einer wunderbaren Freizeitgestaltung.
    Viele Bücher sind mir Dank der guten schauspielerischen und sprecherischen Leistungen noch vertrauter und nachhaltiger im Gedächtnis geblieben.
    Ich wünschte mir, dass das Hörbuch viele treue Anhänger finden möge. Ich gehöre schon dazu und bin voller Erwartung auf die nächsten Empfehlungen, für die ich mich schon jetzt bedanken möchte.

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