Fuminori Nakamura – Der Dieb

Fuminori Nakamura - Der DiebGastrezension von Odette

Der folgenschwere Coup

 

Fuminori Nakamura

Der Dieb

Diogenes, erschienen Januar 2017, 224 Seiten, TB 12,00 €

 

Seit dem Lesen dieser kurzen und sehr unterhaltsamen Lektüre, schaue ich mich im Getümmel der Großstadt gern einmal mehr um und prüfe, ob meine Geldbörse noch fest verschlossen im meiner Innentasche steckt.

Fuminori Nakamura ist ein kurzweiliger japanischer Thriller über das Leben eines Meisterdiebes gelungen. Dieser lebt als Individualist in Tokio. Außer über seine Arbeit als Taschendieb erfahren wir nichts von ihm. Von seinem Meister Ishikawa hat er alle Tricks, die es zum Bestehlen von Menschen gibt, erlernt und perfektioniert. Manchmal ist ihm gar nicht bewusst, wie er zu der ein oder anderen Geldtasche kommt.

In Menschenmengen finden seine Augen blitzschnell Opfer und sein Tageseinkommen ist schnell verdient. Gelegenheit für ein gutes Einkommen verspricht das riesige U-Bahn Netz von Tokio, in dem genügend wohlhabende Fahrgäste aus den Vororten zur Arbeit pendeln.

Bis zum folgenschweren Coup arbeitet er allein. Doch sein Freund und Meister Ishikawa spricht ihn an, da er einen Auftrag von der Yakuza, der Japanischen Mafia annehmen möchte. Deren Methoden sind schrecklich. Wer von ihnen getötet wird, von dem bleiben nur noch die Zähne übrig. Beide sollen eigentlich nur als Verstärkung für das Team von Kizaki dienen. Sie ahnen nicht, dass dahinter ein tödlicher Plan steht. Nach dem Überfall verschwindet Ishikawa spurlos und die Hauptperson des Buches versucht den Kontakt wieder aufzunehmen.

In einem Supermarkt beobachtet er einen kleinen Jungen, welcher von seiner drogenabhängigen Mutter zum Stehlen angehalten wird. Häufig spielen japanische Bücher in der harmonischen Zen-Welt der asiatischen Kultur und in High-Tech Metropolen. In diesem Buch entführt uns der Autor in die Problemviertel Tokios. Arbeitslose und drogenabhängige Menschen überleben durch Diebstahl, Mord und Prostitution. Der sympathische Dieb hilft dem Jungen und verliebt sich in seine ebenfalls hilflose Mutter. Der Junge bemüht sich um seine Freundschaft und wartet sehnsüchtig auf der Treppe auf ein Wiedersehen. Unser Taschendieb gibt ihm und seiner Mutter Geld und möchte sie unterstützen, sieht er doch in Beiden das Schicksal seiner ehemaligen Freundin. Kizaki erpresst ihn mit dem Jungen und deren Mutter. Wenn er nicht drei schwere Diebstähle für ihn erfolgreich ausführt, werden sie sterben.

Was wir nicht wissen und erst am Ende des Buches erfahren, es gibt eine Art Gott, der alles was wir bisher gelesen haben, geplant und gesteuert hat. Der Autor Fuminori Nakamura ist ein Freund der knappen Wortwahl, mit denen er eine düstere unheilvolle Atmosphäre schafft. Die 224 Seiten spielen in den belebten Straßen Tokios und sind ein spannendes Lesevergnügen für einen Flug oder eine längere Bahnfahrt.

 

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Foto: © Sodo Kawaguchi

Fuminori Nakamura, 1977 in Tokai geboren, lebt in Tokio. Er studierte Öffentliche Verwaltung und Staatsverwaltung an der Universität Fukushima. 2003 erschien sein Debüt ›Ju‹ (»Pistole«). Inzwischen hat er in Japan über ein Dutzend Romane veröffentlicht, die in viele Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden. ›Die Maske‹ kommt 2018 in Japan ins Kino.

Quelle: Diogenes

 

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und weitere japanische Literatur lesen möchte, der wird hier auf dem Blog fündig. So kann ich euch natürlich den großen Meister Haruki Murakami, der in Deutschland fast wie ein Star gefeiert wird und soeben seinen zweibändigen Roman „Die Ermordung des Commendatore“ veröffentlicht hat, empfehlen.

Darüber hinaus hat sich auch Marion Poschmann in „Die Kieferninseln“ der japanischen Kultur und dem literarischen Stil der Haiku‘s gewidmet. Auch dieses Buch, vielleicht ergänzt mit dem Besuch des Japanischen Restaurants „Sasaya“, ist lesenswert.

 

Weitere Infos:   www.diogenes.ch/leser/titel/fuminori-nakamura/der-dieb-9783257069457.html,   www.diogenes.ch/leser/autoren/n/fuminori-nakamura.html

Bildquellen:   Odette Nathke,   Pressebild_FuminoriNakamura_cFoto-Sodo-Kawaguchi_72dpi.jpg

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